Unser Köln
Schon gewusst, dass die berühmte Citroën-Gangsterlimousine in Köln hergestellt wurde?
Franz-Josef Knöchel/LVR-Redaktion KuLaDig · 03.11.2026
Gangsterlimousine „Made in Germany“. Foto:© Franz-Josef Knöchel
Zum 15. Februar 1927 – also noch vor Ford in Niehl 1929 – eröffnete ein Citroën-Werk in Poll, in dem bis 1935 über 20.000 Fahrzeuge, zumeist Pkw, aber auch Nutzfahrzeuge produziert wurden.
Die moderne Fahrzeugfabrik am Poller Holzweg umfasste neben der zentralen Montagehalle einen eigenen Motorenbau, eine Lackiererei, eine Sattlerei und sogar eine ovale Prüfstrecke. Dort fertigten zeitweise bis zu fünfhundert Beschäftigte bis zu 32 Fahrzeuge täglich. Das von der Weimarer Reichsregierung erlassene „Milchkannen-Gesetz“ belegte die Einfuhr der meisten Importgüter zum Schutz deutscher Firmen während der damaligen Wirtschaftskrisen mit hohen Schutzzöllen. Daher firmierte die Citroën Automobil A.G. als deutsches Unternehmen. Mehr als 90 Prozent der in Poll verbauten Teile der Ausführungen „Ganz Deutsch“ wurden hier gefertigt und mit „Made in Germany“ beworben.
Technische Revolution im Fahrzeugbau
Von dem in mehrfacher Hinsicht legendären Pkw-Typ „Traction Avant“, kurz TA – französisch für Vorderradantrieb –, wurden ab 1934 genau 1.823 Modelle in Poll montiert. Obgleich seinerzeit französische Fahrzeuge gegenüber den deutschen als technisch überlegen, zuverlässig und günstig galten, stellte der TA geradezu eine technische Revolution im Fahrzeugbau dar: Der flache und breite Wagen hatte einen niedrigen Schwerpunkt, verfügte über eine selbsttragende Ganzstahlkarosserie, hydraulische Bremsen, Drehstabfederung, einen durch besondere Lager „schwebenden Motor“ sowie einen damals noch eher unüblichen Frontantrieb.
Vor allem seine hervorragende Straßenlage machte den TA auch im kriminellen Milieu als ideales Fluchtfahrzeug beliebt – in der Folge wurde der Wagen durch zahlreiche Auftritte in Kriminalfilmen als „Gangsterlimousine“ bekannt, ferner trug seine meist schwarze Lackierung zu diesem Image bei. In Deutschland nannte man ihn aufgrund seiner kölschen Herkunft aber auch gerne den „Poller“.
Ende des deutsch-französische Handelsabkommens
1934 kündigten die Nationalsozialisten jedoch das deutsch-französische Handelsabkommen auf. Zeitgleich geriet auch das französische Stammwerk immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, so dass Citroën für bankrott erklärt und wenig später von Michelin übernommen wurde. Ende 1935 wurde dann auch die Kölner Produktion in Poll eingestellt.
Hier versuchte man zunächst noch über ein Reparaturwerk den Kundendienst und die Ersatzteilversorgung zu erhalten, doch wurde der Betrieb 1939 als „Feindvermögen“ Leben in Köln 39 beschlagnahmt. Die Hallen wurden daraufhin für die Kriegsproduktion der Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke genutzt – hier wurden Panzer repariert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk schließlich in Schutt und Asche gelegt.
Nach dem Krieg kehrte Citroën nach Köln zurück und nahm ab 1950 den Pkw-Verkauf wieder auf. Der „Gangster-Citroën“ wurde in verschiedenen Karosserieformen noch bis 1957 mit insgesamt 759.123 Fahrzeugen produziert – allerdings nicht mehr in Köln. Von den in Poll gefertigten TA sind heute nur noch wenige Fahrzeuge erhalten.

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Tags: deutsch-französisch , Fahrzeugbau , Filmgeschichte , Köln , Stadtgeschichte , Verkehrsgeschichte