Unser Köln
Zoo wor datt! Der Kölner Zoo im Laufe der Zeit
Kölner Zoo · 22.07.2025
Der Haupteingang zum Zoologischen Garten in Köln. Foto: Zoo Köln
Startschuss – mer wulle dolle Dierche han en Kölle!
Als alles begann – also am 22. Juli 1860, dem Tag seiner Eröffnung nach nur zehnmonatiger Bauzeit – lag der Kölner Zoo vor den Toren der Stadt. „Kappesfelder“ umgaben die Außenmauern. In ihnen lag ein 5,8 ha großes Gelände mit Park- und Tieranlagen im Stil der Zeit. Apropos Stil: Wer als Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts etwas auf sich hielt, baute nicht nur Oper, Theater oder Botanischen Garten. Sondern auch einen Zoo. Frankfurt und Berlin hatten es in Deutschland vorgemacht. Reiche Kölner Bürger sorgten als Kapitalgeber unter der Führung von Dr. Caspar Garthe dafür, dass auch am Rhein bald exotische Tiere Heimat fanden. Die unter Dr. Heinrich Bodinus, dem Gründungs-Direktor, gezeigten Tiere konnten sich schnell sehen lassen: Schon 1863 brüteten Nandus in Köln. Ein Jahr später zog der erste Elefant ein. Auf Giraffen, Wildhunde, Antilopen, Pfaue und Strauße folgte 1872 ein Panzernashorn mit dem wohlklingenden Namen „Schöne Marie“ – „Leev Marie“, das 2020 zum 160. Geburtstag im Zoo geborene Elefantenkalb steht also in guter Tradition.

Ein Hauch von Abenteuer: Vor der historischen Kulisse der alten Zoopaläste posieren zwei Elefanten und ihr Wärter.
Der Zoo wurde rasch zum beliebten Ausflugsziel. Acht Taler kostete die Premierenjahreskarte für ganze Familien. Eine stolze Summe für die damalige Zeit. Dem Zuspruch tat dies keinen Abbruch. 1864 zählte man bereits 179.771 Gäste. Ein Plus von 27.967 gegenüber dem Vorjahr. Schnell wurde klar: Der Zoo ist ein Erfolgsmodell – der Zoo muss sich vergrößern. Immer mehr Anlagen für immer mehr Tiere entstanden. 1882 konnte das Zoo-Areal durch Geländezukauf um 1,7 Hektar vergrößert werden. Im Dezember 1882 wurde der neue Bereich mit Rinderhäusern, einem kleinen Weiher und dem bis heute existierenden Seelöwenfelsen eröffnet. Unter Dr. Ludwig Wunderlich – ab 1888 für 40 (!) Jahre Zoodirektor – eröffnete 1899 das Vogelhaus, heute „Arnulf- und-Elizabeth-Reichert-Haus“, im Stil einer russischen Kathedrale. Im selben Tempo machte sich der Zoo international einen Namen mit spektakulären Nachzuchten. Der Zoologische Garten der Domstadt war da angekommen, wo er bis heute rangiert: in Liga 1 der Zoos weltweit. Untermauert wurde dies durch weitere Tieranlagen: auf einem zugekauften 1,8 Hektar-Areal entstanden u.a. Eisbärenklippen und eine große Felsberganlage, von der nur noch der Affenfelsen erhalten ist, auf dem Primaten nach Hagenbeckschem Vorbild nur durch Wassergräben von den Besuchern getrennt wurden. Man kennt ihn heute noch als Heimat der Mantelpaviane.
Schwere Zick – der Zoo in Trümmern
Trotz Ausbruch des 1. Weltkriegs waren die Besucherzahlen zunächst überwältigend. Die Menschen suchten Ablenkung und fanden sie im Zoo. Doch brachte die mit dem Krieg einhergehende Mangelwirtschaft den Zoo an den Rand des Zusammenbruchs. Fehlende Futtermittel sorgten dafür, dass der Tierbestand auf ein Viertel der Vorkriegszeit zurückging. Ab 1924 erholte sich der Zoo. Doch Massenarbeitslosigkeit und die unsichere politische Lage führten den Zoo, nun unter Leitung von Dr. Friedrich Hauchecorne, immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Schließlich wurde die Stadt das, was sie bis heute ist: Mehrheitsaktionärin.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges fiel nahezu zusammen mit dem Dienstantritt von Zoodirektor Dr. Werner Zahn. Erneut fehlten Futtermittel. Die über Köln abgeworfenen Bomben taten ihr Übriges. 1944 musste der Zoo den Betrieb einstellen. 1945 lag er, ebenso wie Köln, in Trümmern. Aber schon bald wurde der Neuaufbau gestartet. Zu Pfingsten 1947 war Wiederöffnung. Nach und nach konnte der Tierbestand erweitert werden. Nach und nach zählten wieder Löwen, Schimpansen oder Kamele zu den Attraktionen. Nach Zahns Tod übernahm Dr. Wilhelm Windecker 1952 die Leitung.

Ein historisches Gruppenfoto zeigt die Zooangestellten in Uniform und edler Robe. Foto: Zoo Köln
Dank der prallen Wirtschaftswunder-Zeiten konnte er eine Ära prägen. Er realisierte die Reparatur historischer Anlagen – so z.B. Seelöwenfelsen und Südamerikahaus – und trieb Neubauvorhaben voran. Die Vision für die künftige Zooentwicklung mündete im Idealplan von 1957. Köln erholte sich. Auch der Zoo profitierte vom Wohlstand. Er wuchs beträchtlich, da ihm das Gebiet der ehemaligen Radrennbahn, heute u.a. Elefantenpark, zugeschlagen wurde. Zudem entstanden bis in die 70er Jahre viele neue Attraktionen: von der Giraffenanlage über Pinguin- und Eisbärengehege bis zum Madagaskarhaus. Beton war in – und der Zoo war es auch. Die Besucherzahlen kannten nur eine Richtung: nach oben! Den baulichen Schlussstein setzte 1971 das hochmoderne Aquarium – bis heute eine wahre Artenschatzkammer für Forschung, Lehre und den Erhalt hochseltener Tiere.

Bereits um die vorletzte Jahrhundertwende konnten in Köln Eisbären in einer modernen Felsenlandschaft beobachtet werden. Foto: Zoo Köln
Mir sinn Naturschutzzentrum – Sprung in die Moderne
Neuerungen der 80er, 90er und Nuller-Jahre waren u.a. das Urwaldhaus für Menschenaffen, das Tropenhaus sowie der zwei Hektar großen Elefantenpark, der in Größe und Haltungsstandards weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Das Thema Artenschutz gewann enorm an Bedeutung. So war die alte Zooschule Ort der entscheidenden Tagung, bei der die internationalen Zoos die Erhaltungszuchtprogramme aus der Taufe hoben – ein Meilenstein für die Zoowelt und ein großer Fortschritt für die Artenschutzanstrengungen.
Seit 2007 führt erstmals ein Duo die Geschicke. Prof. Theo B. Pagel als Zoodirektor und Chef alles Biologischen sowie Christopher Landsberg, Kaufmännischer Vorstand und Herr der Zahlen. Beide gehen mit Plan vor. Ihre Ideale der künftigen Zooentwicklung haben sie mit dem Team des Zoos in einem ehrgeizigen Masterplan gebündelt. Daraus konnten bereits zahlreiche Vorhaben umgesetzt werden. So wurde 2010 zum 150-jährigen Zoojubiläum der Hippodom, die Nachbildung einer afrikanischen Flusslandschaft mit Nilkrokodilen und Flusspferden, eröffnet. 2014 folgte der Clemenshof samt Deutschlands größter Zooschule, 2020 die modernisierten Anlagen für Löwen und Tiger und 2021 das kernsanierte „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ (ehemals Südamerikahaus) als begehbare Dschungellandschaft mit frei sich bewegenden Säugetieren und Vögeln Mittel- und Südamerikas.
Auch in anderen Feldern machen Pagel und Landsberg mit ihren Ideen den Zoo fit für die Zukunft. So wurden Zoo Shop und Zoo Gastronomie zu eigenständigen GmbHs umgebaut. Ihre Gewinne führen die Tochterunternehmen zu 100 Prozent an den Zoo ab, der diese Gelder zum Beispiel in das immer breiter werdende Artenschutz-Programm mit Forschungs- und Erhaltungszucht-Initiativen investiert. Der Zoo ist heute ein beliebter Freizeit- und Erholungsort für das gesamte Rheinland, ein angesehenes Zentrum für Bildung und Forschung auf Top-Niveau sowie bedeutender Treiber bei einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben: der Bewahrung der natürlichen Biodiversität. Der Zoo steht, ohne Zweifel, heute bestens da – und vor einer guten Zukunft.
Meilensteine aus 165 Jahren
- 22.7.1860: Der Zoo öffnet erstmals für Publikum 1863: Bau des alten Elefantenhauses im maurischen Stil
- 1887: Bau des Seelöwenfelsen
- 1899: Öffnung des großen Vogelhauses, heute „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“
- 1914: Der Pavianfelsen entsteht
- 1914 –1936: Während des 1. Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre vorübergehende Stagnation. Die Stadt Köln bewahrt den Zoo vor der Schließung, indem sie die Mehrheit der Aktien übernimmt
- 1945 – 1947: Schließung und Wiedereröffnung des nahezu völlig zerstörten Zoos
- 1957: Die Stadt Köln legt einen Idealplan für die künftige Neugestaltung des Zoos vor. Das Gelände wird auf 20 Hektar vergrößert und ist damit um ein Vierfaches größer als im Gründerjahr
- 1860 1960: Große Flächen-Erweiterung anlässlich des 100-jährigen Jubiläums
- 1964: Eröffnung der Zooschule – eine Pioniertat, die deutschlandweit Schule macht
- 1971: Das Aquarium macht auf – es ist bis heute weltweit führend in der Nachzucht vieler hochbedrohter Spezies
- 1985: Zum 125-jährigen Jubiläum wird das Urwaldhaus für Menschenaffen eröffnet. Auf einer internationalen Tagung im Kölner Zoo wird die Artenschutzarbeit von Zoos neu geregelt und massiv intensiviert
- 2000: Das Tropenhaus „DER REGENWALD“ für südostasiatische Tiere und Pflanzen, öffnet. Erstmals erleben Besucher Vögel, Reptilien und Flughunde in einer Erlebnishalle ohne Absperrung
- 2004: Der Elefantenpark wird eröffnet. Auf einer Fläche von zwei ha können bis zu 20 Tiere in ihrem natürlichen Sozialverband leben. Er ist Vorbild für Elefantenhaltungen weltweit
- 2006: Die Geburt des ersten Elefantenjungtiers im neuen Elefantenpark, Marlar, beschert dem Kölner Zoo neue Besucherrekorde
- 2010: Der Zoo feiert sein 150-jähriges Jubiläum und eröffnet aus diesem Anlass den Hippodom. Der Nachbau einer afrikanischen Flusslandschaft beherbergt u.a. Flusspferde, Nilkrokodile und Sitatunga-Antilopen
- 2014: Eröffnung des Clemenshofs für seltene heimische Nutztiere mit Streichelzoo und angeschlossener Zooschule – der größten ihrer Art Europas
- 2020: Die neue Anlage für Amur-Tiger begeistert die Gäste
- 2021: Das sanierte „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ bietet eine begehbare Dschungelerlebniswelt mit Faultieren, Affen, Vögeln und Fischen Mittelamerikas
- 2022: Eröffnung der kernsanierten historischen Direktorenvilla aus der Zoo- Gründungszeit als multifunktionale Event-Location für Kulturveranstaltungen und Tagungen, Feste und Familienfeiern
- 2023: Eröffnung neue Nashornanlage mit zwei Bereichen für Männchen und Weibchen, um Nachzucht bei dieser hochbedrohten Art starten zu können
- 2024: Startschuss für Bau des neuen Giraffengeheges – mit mehr Außen- und Innenfläche, kompletter energetischer Sanierung tollen neuen Besuchereinblicken, so u.a. mit Treppenaufgang auf Kopfhöhe der Giraffen
Historische Fotogalerie

Die alte Grafik zeigt: Die Raubtieranlage muss seinerzeit viel Aufsehen erregt haben. Foto: Kölner Zoo

Hinter Gittern und Efeuranken – die Bärenanlage um die Jahrhundertwende. Foto: Kölner Zoo

Fangfrisch serviert – dieser alte Kupferstich zeigt eine Seelöwenfütterung. Foto: Kölner Zoo

Eine Dampflok im Zoo? Der Spielplatz des Zoos war für Kinder sicher ein weiteres Highlight. Foto: Kölner Zoo

Flusspferde beim Sonnenbad beobachten – das geht nur im Zoo. Foto: Kölner Zoo

Wo sonst kann man Wildtieren so nahekommen? Foto: Kölner Zoo
Information
Zoologischer Garten Köln
Riehler Straße 173
50735 Köln
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Veranstaltungen
Täglich: Dinoworld Sonderschau – www.koelnerzoo.de
Bis Herbst 2026 detailgetreue XXL-Skulpturen von Argentinosaurus, Triceratops oder Tyrannosaurus Rex erkunden.
Dienstag, 09.12.2025, 19.30 Uhr
Prof. Theo B. Pagel, Direktor Kölner Zoo „165 Jahre Kölner Zoo – Ein historischer Rückblick und perspektivischer Ausblick“
Eintrittspreise:
Erwachsene: 23 Euro
Kinder (4-12 Jahre): 11 Euro
Kinder bis 3 Jahre: Frei
Feierabendticket Erwachsene: 18,50 Euro
Feierabendticket Kinder: 8,50 Euro
Mit Kölnpasses (Erwachsene): 8,50 Euro
Öffnungszeiten:
Im Sommer: März bis Oktober 2025, 9 bis 18 Uhr, Kassenschluss: 17.30 Uhr
Im Winter: November bis Februar, 9 bis 17 Uhr, Kassenschluss 16.30 Uhr
Website: www.koelnerzoo.de
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Tags: Geburtstag , Historie , Jubiläum , Köln , Stadtgeschichte , Vergangenheit , Wildtiere , Zoo , Zoologischer Garten
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