Raus aus Köln

Von Schloss zu Schloss: Augustusburg und Falkenlust bei Brühl

Tim Farin · 27.10.2020

Schloss Augustusburg. Foto: Marcin Otulak

Schloss Augustusburg. Foto: Marcin Otulak

Zwei funkelnde Juwelen in einem prächtigen Park – nach Brühl lockt das Farbenspiel.

Heute ist wieder so ein Brühl-Tag für Lieselotte Fohsel. Gemeinsam mit einer Freundin hat sich die lebensfrohe Kölnerin in die KVB Linie 18 gesetzt und ist nach Süden gefahren. Auf halbem Weg zwischen Köln und Bonn spazieren die beiden an einem Ort, der ihnen am Herzen liegt. „Wir kommen alle vier Wochen hierher“, sagt die 91-Jährige, die gemütlich über den Kiesweg vor einem Schloss spaziert, das seit 1984 den Status UNESCO-Weltkulturerbe trägt. Die Urkölnerin verbindet mit Brühl mehr als den stetig wachsenden Freizeitpark Phantasialand, wo Loopings die Nerven kitzeln.

Gelbe Pracht: Schloss Augustusburg

Hinter Fohsel strahlt die Sonne auf die hellen Wände der Fassade von Schloss Augustusburg. „Das sieht aus wie dieser leckere Zitronenpudding“, ruft ein kleines Mädchen begeistert. Wo einst eine Wasserburg stand, ließ der Kölner Kurfürst Clemens August ab 1725 dieses Bauwerk errichten. Wer es betritt, staunt über Marmor, Farbenspiele, prunkvolle Stuckarrangements, üppiges Gold und ein Treppenhaus, das so auch vor dem Eingang zur Himmelspforte platziert sein könnte.


"Ein Besuch in Brühl lohnt sich immer.“ Lieselotte Fohsel, 91. Foto: Marcin Otulak

In fußläufiger Entfernung von Schloss Augustusburg lockt außerdem das kleinere Schloss Falkenlust. Nach einem lockeren Spaziergang durch die Parkanlage und ein Wäldchen bietet es ebenfalls ein besonders prunkvolles Ambiente. Das einstige Jagdschloss liegt an der Flugbahn der Reiher, auf die Clemens August abgerichtete Falken ansetzte.

„Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust mit ihren Garten- und Parkanlagen lassen uns noch heute die Aura des Außergewöhnlichen spüren“,

erklärt die Historikerin Christiane Winkler von der UNESCO Welterbestätte, „der Prunk und die Bilder in diesen Räumen waren für Clemens August eine Botschaft seines politischen Status.“

Die Historikerin kann auf eine herausragende Riege von Künstlern verweisen, die am Bau der Brühler Schlösser beteiligt war. Balthasar Neumann etwa, der große Baumeister des 18. Jahrhunderts, schuf von 1740 bis 1746 das beeindruckende Treppenhaus in Schloss Augustusburg. „Die Besucher tauchen ein in das ‚galante Zeitalter‘ des Rokoko, dessen Geist noch immer hier erlebbar ist“, sagt Winkler.

Frank und Brigitte Klingberg aus Meschenich kommen regelmäßig zu den Brühler Schlössern, vor allem genießen sie es, in den Parkanlagen zu flanieren. „Wir mögen den Schlosspark besonders gern, der ist wunderschön mit seinen alten Bäumen“, sagt die 72-Jährige.


Schloss Falkenlust. Foto: Marcin Otulak

Flanieren wie bei Hofe

Über die Jahrhunderte wurde der Park von Gartenkünstlern wie Dominique Girard und Peter Joseph Lenné angelegt. Girard brachte ab 1728 aus Versailles die strenge französische Gartenkunst mit gradlinigen Hecken, Fontänen und Blumenrabatten, aber auch kleinen, intimen Ecken mit.

Lenné verdankt sich dagegen der gut 120 Jahre später mit Wald, Wiesen, geschwungenen Wegen und kleinen Bachläufen gestaltete englische Landschaftsgarten. Überall kann man angenehm auf gepflegten Wegen spazieren. Auf etwa fünfzig Hektar ist der Park zudem Naturschutzgebiet, bietet also der Tier- und Pflanzenwelt einen Rückzugsraum – und das unweit des Städtchens.


Egal, ob zu Fuß oder mit dem Rad - hier gibt es viel zu entdecken. Auch Matthias Faßbender und seine Frau ziehen mit ihrem E-Bike die Blicke vieler Passanten auf sich. Foto: Marcin Otulak

Café, Restaurant oder Museum?

„Der Ort hat wirklich alles, was das Herz begehrt“, sagt Klingberg. Zum sonntäglichen Ausflug gehört für sie ebenso wie für Fohsel der Besuch der Fußgängerzone. Dort haben Besucher die Qual der Wahl: rustikale Kneipe, traditionelles Café, Eisdiele, Bistro oder eines der vielen Restaurants mit den Küchen der Welt? „Zu jedem Besuch gehört für mich der Aufenthalt im Café“, sagt Fohsel, „es ist einfach herrlich, weil man hier so schön draußen sitzen kann und so viel los ist.“

Außerdem gebe es das Max-Ernst-Museum nur ein paar Schritte weiter. „Die Fahrradwege hier sind wirklich sehr gut ausgeschildert“, sagt Matthias Faßbender, der mit seiner Frau die Blicke vieler Passanten auf sich zieht. Denn die beiden 80-Jährigen sind mit einem E-Tandem aus Bonn angereist. Sie haben einen Blick auf das historische Ensemble geworfen – doch leider können sie nicht auf einen Kaffee halten. „Wir sind zu den Schlössern gefahren, aber haben unser Schloss vergessen“, sagt Matthias Faßbender schmunzelnd.

Schloss Augustusburg und Jagdschloss Falkenlust
Schlossstr. 6
50321 Brühl

Eintritt:
Augustusburg 9 Euro
Falkenlust 7 Euro
Kombiticket 14 Euro

Öffnungszeiten:
Di–Fr 9–17 Uhr, Sa, So,feiertags 10–18 Uhr.
Dezember und Januar geschlossen.

Nur mit Anmeldung unter 02232 / 44 000, keine Führungen.
Parkbesuch: Eintritt frei, wegen Baumschnitt und -fällungen kommt es im Herbst 2020 zu Einschränkungen.

Anreise: mit der Deutschen Bahn bis Bahnhof Brühl, Fußweg 300 Meter. Mit der Straßenbahn bis Haltestelle Brühl-Mitte, etwa 800 Meter Fußweg. Mit dem Auto zum Parkplatz Max-Ernst-Allee.
Webseite: www.schlossbruehl.de

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Tags: Kunst und Kultur , Spaziergang in der Natur

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