Raus aus Köln

Ein Besuch bei „Mister N.“ im Neanderthal Museum

Martina Dammrat, Natalie Thill · 19.01.2022

Im Foyer des Museums werden die Besuchenden von einem freundlichen Neandertaler begrüßt. Foto: © Neanderthal Museum

Im Foyer des Museums werden die Besuchenden von einem freundlichen Neandertaler begrüßt. Foto: © Neanderthal Museum

Im Neandertal wandelt man auf den Spuren der Menschheitsgeschichte und entdeckt reizvolle Landschaften.

„Eigentlich bin ich ja eher bescheiden. Aber ja, es ist wahr: Ich bin ein Star unter den Urmenschen“, sagt eine Männerstimme. Die Stimme gehört zu „Mister N.“, einer lebensechten Nachbildung des Homo sapiens neanderthalensis, besser bekannt als Neandertaler. Fliehende Stirn, breite Nase, kompakter Körper – so kennt man den Urmenschen, der bis vor etwa 40.000 Jahren lebte. 1856 wurden seine Knochen im Tal des Flüsschens Düssel zwischen Erkrath und Mettmann entdeckt.


Der Neandertaler ist nun frisch gebräunt zu sehen: Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hatte er diese Hautfarbe. Foto: © Neanderthal Museum

Rund um die Fundstelle der eiszeitlichen Knochen ist ein modernes Museum entstanden. „Als einziges Museum in Deutschland widmet es sich ausschließlich der Menschheitsentwicklung“, sagt Museumssprecherin und Archäologin Melanie Wunsch. Neben Mister N. gibt es zahlreiche weitere Rekonstruktionen von Verwandten und Vorläufern der heutigen Menschen. Das Museum liefert einen Überblick über vier Millionen Jahre Menschheitsentwicklung – und das auf unterhaltsame Weise.

Themenbereiche zum Aussuchen

Über Kopfhörer informieren die Urmenschen hautnah und erzählen über ihre Lebensumstände. „Als interaktives Museum wenden wir uns an alle Generationen. Die Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern nach Themenbereichen“, sagt Wunsch. Jeder kann also nach seinen Interessen aussuchen. Szenische Darstellungen verdeutlichen Bereiche wie „Kommunikation und Gesellschaft“ oder „Umwelt und Ernährung“.

Dem Entdeckergeist von Jung und Alt sind im Museum kaum Grenzen gesetzt. Das setzt sich in den umgebenden Außenarealen fort. Dort gibt es zum Beispiel einen spannenden Steinzeitspielplatz sowie die Original-Fundstelle des Neandertalers zu besichtigen.

Wildgehege und Kunstweg

Direkt gegenüber dem Museum beginnt der knapp zwei Kilometer lange Kunstweg „Menschenspuren“. Er ist als Runde mit elf Skulpturen moderner Künstlerinnen und Künstler angelegt. Ein dynamisch in die Erde gespießter Metallpfeil und ein steinernes überdimensionales Gehirn in einem ehemaligen Steinbruch markieren seinen Beginn.


Es gibt spanende Spuren zu entdecken: auf dem Kunstweg Menschenspuren. Foto: © Neanderthal Museum

Staunend stehen zwei ältere Damen davor. „Was das wohl soll?“, sinniert eine. Wer nicht rätseln will, kann sich an der Museumskasse für zwei Euro Kopfhörer mit Er- läuterungen leihen oder die Neandertal-App auf sein Handy laden. Die Künstler erklären dort ihre Werke. Die Auflösung: Anne und Patrick Poirier wollen mit Metallpfeil und Gehirn „ein Gedächtnis der Welt schaffen, das an unsere kulturellen Wurzeln und ihre Bewahrung erinnern soll.“ Um Bewahren geht es auch im Eiszeitlichen Wildgehege, das sich an den Kunstweg anschließt.

Wiederentdeckung einer Wildpferde-Rasse

In einem urwüchsigen Naturschutzgebiet liegen die Weideflächen für Auerochsen, Tarpane und Wisente. Alles Tiere, die so oder zumindest so ähnlich in der Eiszeit lebten. Kleine weiße Atemwölkchen steigen aus den Nüstern der Tarpane. Diese kleinen Ponys durchstöbern den Schnee nach den letzten Grashalmen. Die Wildpferde-Rasse galt als ausgerottet, nachdem der letzte freilebende Steppentarpan 1876 getötet worden war.


Wer mag, kann Wisente im Naturschutzgebiet beim Grasen beobachten. Foto: © Neanderthal Museum


Die kleinen Wildpferde sind besonders sehenswert. Foto: © Natalie Thill

In den 1930erJahren versuchten die Brüder Heck, den Tarpan wieder auferstehen zu lassen. Dazu kreuzten sie Przewalskipferde mit isländischen und gotländischen Ponys. Auch wenn das einmal verloren gegangene Erbgut nicht wiederhergestellt werden kann, gleichen die Tarpane äußerlich sehr dem eurasischen Wildpferd von einst. Ein älterer Herr mit imposanter Fotoausrüstung steht am Zaun. „Ich komme gerne hierher, um die urzeitlichen Tiere zu beobachten und zu fotografieren“, sagt er.

Weitläufige Wanderrouten

Für Naturliebhaber ist nicht nur die Umgebung direkt um das Museum ein Genuss. Wer ausgiebig wandern oder radeln möchte, kommt auf dem „Neanderlandsteig“ auf seine Kosten. Er verläuft auf 240 Kilometern durch den Kreis Mettmann. Die insgesamt 17 Einzeletappen führen vorbei an Badeseen, durch Moore, Heidelandschaften und ausgedehnte Forste. Ergänzt wird der Steig durch seine nach und nach entstehenden Entdeckerschleifen. Sie führen als Rundwege von malerischer Natur zu typisch Bergischer Architektur und historischen Ortskernen mit gemütlichen Einkehrmöglichkeiten.

Doch auch direkt im Neanderthal Museum lässt es sich gut einkehren. Dort gibt es ein Café mit Kuchen, Snacks und Getränken. Ebenso lädt das nahegelegene „Café Neandertal Nr. 1“ zu einer Pause ein. Im italienischen Ristorante „Gavi“ ne- ben dem Museum gibt es durchgehend warme Küche. Etwas, wovon die Steinzeitmenschen nur träumen konnten.

Neanderthal Museum
Talstr. 300
Mettmann
Di–So 10–18 Uhr,
Eintritt: 11/8 Euro
Tel. 02104 / 979 70.
Barrierefrei.
www.neanderthal.de

Kunstweg „Menschenspuren“ und Eiszeitliches Wildgehege
Jederzeit zugänglich.

„Café Neandertal Nr. 1“
Neandertal 1
Tel. 02104 / 808 00 80
www.neandertal1.com

Ristorante „Gavi“
Talstr. 310
Tel. 02104 / 755 54
www.ristorante-gavi.de

Touristeninformation
Düsseldorfer Str. 26
40822 Mettmann
Tel. 02104 / 99 11 99.
www.neanderland.de
www.neanderlandsteig.de

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Tags: Ausflugstipp , Museum

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