Raus aus Köln

Schönste Tropfsteinhöhle: die Atta-Höhle im Sauerland

Tim Farin · 10.03.2021

Foto: Atta-Höhle

Foto: Atta-Höhle

Ein Ausflug in die Tropfsteinhöhle in Attendorn im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge verspricht gute Luft und schöne Stalagmiten. Aber auch den Atta-Käse sollte man probieren.

Inge Stiewe ist bester Laune, als sie sich auf den Weg in den Untergrund macht. Die 59-Jährige aus Meinerzhagen kann es nicht lassen. Bestimmt zwanzig Mal, sagt sie, sei sie durch die Tür geschritten, hinter der ein Ort von erdgeschichtlicher Bedeutung verborgen liegt. Heute ist sie mit drei Freundinnen hier, und gleich geht es hinab in den Stollen. „Wir machen immer gerne Ausflüge zusammen und da bietet sich ein Besuch in der Atta-Höhle an“, sagt Stiewe.

Königin unter Deutschlands Tropfsteinhöhlen

Es gibt viele gute Gründe, die Atta-Höhle im sauerländischen Attendorn zu besuchen, nicht nur weil sie überregional bekannt und die meistbesuchte Tropfsteinhöhle Deutschlands ist. „Die Luft ist so sauber und man entdeckt immer wieder etwas Neues“, sagt Inge Stiewe, als sie mit ihren Freundinnen zur Führung startet.

Von der fast 6.700 Meter langen Höhle können etwa zwei Kilometer besichtigt werden, 40 Minuten braucht man dafür. Es geht durch einen manchmal sehr schmalen Gang und vorbei an merkwürdigen und die Phantasie anregenden Gesteinsformationen. Schaut man sich um, kommt man kaum aus dem Staunen heraus. Die „Königin unter Deutschlands Tropfsteinhöhlen“ ist ein Ort, um die Schönheit der Natur in einem geschützten Raum zu genießen.


Man entdeckt immer wieder etwas Neues.“ Inge Stiewe, 59 Foto: Marcin Otulak

Rundgang mit Führer

Die Begeisterung ist auch bei Günter Sagafe nicht gewichen, im Gegenteil: Der 69-Jährige gehört zu den Führern, die mit kundigem Blick und Geduld die 15-bis 20-köpfigen Besuchergruppen durch den Rundgang leiten. Schnell hat er das Auge der Gäste für geologische Besonderheiten gewonnen.

„Schauen Sie sich mal diese Sinter-Gardinen an, das ist etwas ganz Außergewöhnliches“, sagt Sagafe, der früher als Herbergsvater gearbeitet hat und sich mit der Geschichte der Region bestens auskennt. Schnell erklärt Sagafe, dass der Begriff „Sinter“ aus dem Mittelhochdeutschen stammt und eine mineralische Ablagerung aus Kalk und anderen Stoffen bezeichnet.


In der Führung erfährt man schließlich, wie diese malerischen Ablagerungen entstehen konnten. Foto: Atta-Höhle

Entdeckung der uralten Höhle

In verschiedenen Mustern hat er auch Stalagmiten – das sind die, die stehen – und die hängenden Stalagtiten gebildet. Wachsen sie zusammen, sind es Stalagnaten, der Laie würde Säule sagen. Doch bei aller Theorie sind es die immer wieder neuen Eindrücke, die beeindrucken: Sagafe leuchtet mit der Taschenlampe auf eine filigrane Formation, die wie eine Fahne unter der Decke hängt, entstanden in vielen Jahrtausenden. Wie lange all das dauert, sprengt die Vorstellungskraft.

Die Entdeckung dieses prachtvollen Ortes war Zufall. Am 19. Juli 1907 tat sich nach einer Sprengung im örtlichen Kalksteinbergwerk in der Dunkelheit jenseits des Durchbruchs eine unerwartete Welt auf. Die erstaunten Arbeiter im Steinbruch kletterten in die Höhle, die noch kein Mensch zuvor betreten hatte. „Es war eine Sensation und zum Glück sehr schnell klar, dass die Höhle schützenswert ist“, berichtet Sagafe.


Was für ein überwältigender Anblick: mystisch Gebilde, die seit Jahrtausenden in der Tiefe wachsen. Foto: Atta-Höhle

Körperlich spürbar

Heute sind die unterirdischen Räume dezent ausgeleuchtet, doch im Schein der Taschenlampe verstärken sich manche Eindrücke. Sagafe ist darin ein Meister. An einer Stelle in der Höhle zeigt er die „Speisekammer“, wie er sagt, mit Speckfahnen und Spargel, gegenüber ist Schinken zusehen. Die Formen der Steine erinnern tatsächlich an diese Leckereien.

Es gibt Osterhasen, eine Gardine mit Goldkante, eine Ruhmeshalle und sogar eine Höhle in der Höhle, den Thronsaal der sagenumwobenen Fürstin Atta. Sie soll einer lokalen Sage nach im Sauerland geherrscht haben – ihr Name steckt auch im Ortsnamen Attendorn.


Käselaiber auf Holzregalen - Höhlenführer Günter Sagafe führt die Besucher durch die Welt des Atta-Käses. Foto: Marcin Otulak

Gutes Klima für Käse

Das jahrtausendealte Gestein weckt zahllose Bilder beim staunenden Publikum. Dazu kommt das besondere Klima in der Höhle mit ganzjährig konstant neun Grad Celsius und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Und die besondere Ruhe, die 60 bis 100 Meter unter der Erde herrscht. So wird die Höhle fast körperlich spürbar.

Das Klima ist auch der Grund für das, was in einer Nebenhöhle passiert: Dort lagern hunderte Käselaiber auf Holzregalen. Die Atta-Höhle betreibt ihre eigene Käserei. „Der Salzgehalt im Gestein ist relativ hoch, das wirkt sich auf das Aroma aus“, erklärt Sagafe. Der Käse aus Kuhrohmilch von Sauerländer Betrieben reife hier unten 12 bis 13 Wochen. Probiert werden kann der sehr herzhafte Atta-Käse oben im Shop der Höhle.

Atta- Höhle
Finnentroper Str. 39
57439 Attendorn
Saisonale Öffnungszeiten, erhältlich unter Tel. 02722 / 93 75-0 oder auf www.atta-hoehle.de
Eintritt 10 Euro, Kinder 6 Euro, Familienkarte 26 Euro

Unweit lädt der Biggesee zum Wandern, etwa zur Aussichtsplattform Biggeblick, und zu Schiffstouren ein:
Tourismusinformation Hansestadt Attendorn
Tel. 02722 / 657 41 46
www.attendorn.de

Personenschifffahrt Biggesee,
Tel. 02761 / 965 90
www.biggesee.de

In der Region können noch weitere Höhlen besichtigt werden. Alle Infos auf www.sauerland-hoehlen.de

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