Leben in Köln

Deutsches Tanzarchiv Köln

Heide John · 16.11.2022

Ein typisches Charlestonkleid aus den 1920er Jahren. Foto: Susanne Fern

Ein typisches Charlestonkleid aus den 1920er Jahren. Foto: Susanne Fern

Tausende von Dokumenten, Fotos und viele Kostüme geben einen Einblick in die deutsche Tanzgeschichte. Wer Zeit hat, taucht in das Archiv ein, andernfalls geben besondere Ausstellungen eine erste Inspiration.

Sicher hat Gründer Kurt Peters damals nicht damit gerechnet, dass das Deutsche Tanzarchiv in Köln einmal internationales Renommee genießen wird. Aufgrund seiner Archivbestände zählt es heute zu den bedeutendsten Informations-, Dokumentations- und Forschungszentren für Tanz weltweit.


Jahrelang gesammelt und gut archiviert – die Bestände des Tanzarchivs. Foto: Susanne Fern

Den Grundstock legte der Hamburger Tänzer, Tanzpädagoge, Choreograph und Tanzkritiker, als er 1945 aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Er wollte seine deutschen Landsleute an demokratische Werte erinnern. Als Symbol dafür stand für ihn der freie, moderne Ausdruckstanz der 1920er Jahre. Zwar hatten Brand und Löschwasser seine bereits vor dem Krieg zusammengetragene Tanzliteratur fast völlig zerstört, aber das hinderte ihn nicht, erneut zu sammeln. In den 1960er Jahren zog es ihn nach Köln, wo er am Kölner Institut für Bühnentanz der Musikhochschule arbeitete.

Leuchtturm der deutschen Tanzszene

Zu dieser Zeit wurde Köln auch durch das neue Opernhaus mit seinem Tanzensemble und dem Tanzforum zu einem Leuchtturm der deutschen Tanzszene. Seine stetig wachsende Sammlung hütete Peters in einer Privatwohnung, 1985 erwarb die Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln das Archiv – und machte es in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Köln einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

In den letzten Jahrzehnten ist die Sammlung stetig gewachsen. Aktuell bietet die Bibliothek Zugriff auf 13.000 Bücher und 19.000 Zeitschriften. Hunderttausende Zeitungsausschnitte, zigtausende Programmhefte und Plakate dokumentieren, wie sich der Bühnentanz seit Gründung der Bundesrepublik entwickelt hat. Darüber hinaus machen 900 Kostüme, viele Requisiten und andere Objekte die Tanzgeschichte greifbarer.

Zu den besonderen Kostbarkeiten gehören ein schillerndes Charlestonkleid aus den Salons der 1920er-Jahre, ein Tanzkleid der Tanzlegende Isadora Duncan aus dem Jahr 1910 sowie die anmutige „Tanzende Tanagräerin“, eine kleine Plastik aus dem vorchristlichen Griechenland.


Tanzkleid der Tanzlegende Isadora Duncan von 1910. Foto: Susanne Fern

Film- und Fotosammlung

Die umfangreiche Fotosammlung mit fast 300.000 Aufnahmen und Originalnegativen lassen die jüngste Tanzgeschichte lebendig werden. Besonders die bewegten Bilder der 6.500 Filme können in den Bann ziehen – von experimentellen bis zu Spiel- und Musicalfilmen reicht die Palette. Nur auf den ersten Blick weniger spektakulär sind die über 500 Nachlässe von Choreographen, Fachjournalisten und Tänzern. Darunter solche von Stars wie Marcel Marceau, Harald Kreutzberg, Jochen Ulrich oder Kurt Jooss.

Von Josephine Baker, die 1926 auch durch ihren Tanz im Bananenrock weltberühmt wurde, können Fotos, Programmhefte und Teile der privaten Korrespondenz in Augenschein genommen werden. Fast 200 Nachrufe auf Anna Pawlowa, die prominenteste Ballerina des 20. Jahrhunderts, deren Name bis heute Inbegriff des weiblichen Spitzentanzes ist, sind hinterlegt. Auch Teile des Nachlasses der deutsch-österreichischen Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Marika Rökk findet man hier.


Josephine Baker, 1926. Foto: Susanne Fern

Was an sehr persönlichen und berührenden Geschichten in den vielen Schätzen des Tanzarchivs steckt, zeigt die aktuelle Ausstellung „Jahrestage“. Der stellvertretende Leiter des Archivs Thomas Thorausch hat dafür zahlreiche Tagebücher und Fotoalben durchstöbert und besondere Erinnerungen und Objekte von zwölf Tänzerinnen und Tänzern ausgewählt. Er verspricht: „Die Besucher können sich auf manche Überraschung gefasst machen.“

Deutsches Tanzarchiv
Köln SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7 (3. OG),
50670 Köln
Tel. 0221 / 888 95-400
www.deutsches-tanzarchiv.de

Aktuelle Ausstellung
„Jahrestage – Geschichten aus der Geschichte des Tanzes“ bis 26.2.2023

Öffnungszeiten:
täglich (außer Mi) 14–19 Uhr,
Eintritt 5,50 Euro (erm. 3 Euro),
freier Eintritt am ersten Montag im Monat Archiv und Bibliothek:
Di 10–15 Uhr, Mi und Do 10–15 Uhr.
Videothek: Alle Filme können vor Ort angesehen werden, telefonische Anmeldung erforderlich.

 

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Tags: Goldene Zwanziger , Tanz , Tanzgeschichte

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