Leben in Köln

Ausbau 5 G Netz: Köln wie es funkt und strahlt

Lydia Schneider-Benjamin · 06.05.2021

Foto: Jörn Sackermann / Alamy Stock Photo

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In der Stadt kommen viele Strahlungsquellen zusammen. Besonders über die Funkmasten wird immer wieder diskutiert. Sind sie eine Gefahr für die Gesundheit? Lesen Sie Fakten.

Strahlung – jeder und alles ist ihr ausgesetzt. Licht und Sonnenstrahlung, radioaktive und elektromagnetische Strahlung kommen natürlich vor – doch in der modernen Welt produziert sie auch der Mensch. Besonders elektromagnetische Strahlungsquellen wie oberirdische Hochspannungsleitungen, Funkanlagen für Radio und Fernsehen, Polizei und Feuerwehr sowie Satellitenempfänger gibt es seit Jahrzehnten in der Stadt.

Der Colonius und der Mobilfunk

Sichtbares Zeichen ist der beliebte Funkturm Colonius. Vor rund dreißig Jahren kam dann der Mobilfunk hinzu, die ersten Antennen wurden auf Hausdächern montiert. Die Netze wurden seither in mehreren Phasen ausgebaut. Heute verfügen die drei großen Mobilfunkanbieter an 300 bis 400 Kölner Standorten über Antennen. Aktuell wird der Ausbau der fünften Generation, des „5G“-Netzes, vorangetrieben. Zahlreiche Funkantennen werden in einem engmaschigeren Netz für den neuesten Mobilfunkstandard auf Kölner Dächern installiert.

Die Mobilfunkbranche begründet den Ausbau mit neuen Technologien, die eine Datenverbindung voraussetzen: Kühlschränke, Verbrauchszähler und vielleicht irgendwann auch autonom fahrende Autos. Und auch die Smartphones brauchen immer mehr und schnellere Datenautobahnen.


Datenvolumen im Mobilfunk in Millionen Gigabyte


Die auf Smartphones geschickte Datenmenge wächst, aber auch der Wunsch nach ihrer schnellen Übertragung. Quelle: Jahresbericht Bundesnetzagentur 2019 / Grafik: IZMF

 

5G Technologie - Schritt in eine neue Ära

Die Kölner Politik begrüßt den Ausbau. „5G ist gegenüber bisherigen Technologien ein erheblicher Fortschritt. Deshalb ist ein zügiger Ausbau von 5G von zentraler Bedeutung für Köln als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Herbst 2020 bei der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags mit der Deutschen Funkturm GmbH.

Doch mit der Unterstützung bei der Platzierung von Antennen auf städtischen Gebäuden enden der Einfluss und die Überwachung seitens der Kommune. Alle weiteren Verträge für die Funkanlagen schließen die Betreiber direkt mit den jeweiligen Hauseigentümern ab. Für die Betriebsgenehmigung ist dann der Bund zuständig. Die Bundesnetzagentur prüft anhand der technischen Daten, einer Montageskizze und eines Lageplans, ob die Grenzwerte für Funkwellen eingehalten werden.

Die Strahlenbelastung misst das Landesamt für Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) dann nur an ausgewählten Orten. Fakt ist, dass der Mobilfunk sich in einem immer höheren Frequenzbereich bewegt. Hochfrequenzfelder, bezeichnet durch die Maßeinheit Hertz – für Schwingung pro Sekunde –, bewegen sich zwischen 900 Millionen und 300 Milliarden Schwingungen pro Sekunde, also zwischen 900 Megahertz (MHz) und 300 Gigahertz (GHz).

Mit Grenzwerten gegen etwaige Gesundheitsschäden

Bewegte sich die Frequenz der dritten Generation – des „UMTS“-Netzes – noch bis 2,1 GHz, der vierten Generation LTE bis 2,6 GHz, so ist 5G jetzt bei 3,6 GHz angekommen. Diese Frequenzen haben eine erwiesene Wirkung auf den menschlichen Körper: Sie können das Gewebe erwärmen, bis hin zur Schädigung. Gesetzlich festgelegte Grenzwerte für Mobilfunk-Basisstationen sollen dies ausschließen. Doch zurzeit gelten die Grenzwerte des alten LTE-Netzes auch für das 5G-Netz.

Professor Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel meint: „Der Mobilfunk bleibt weit unterhalb der Grenzwerte. Die Anzahl der Strahlungsquellen sagt noch nichts über die Stärke aus. Der wichtigste Faktor für die Strahlungsstärke ist die Frage, wie weit eine Antenne senden muss und wie nah man selbst dran ist.“


Bei 4G ist die „Streustrahlung“ breit, selbst wenn nur ein Gerät aktiv angesteuert wird. Beim sogenannten Beamforming richtet die Antenne das Funksignal direkt auf aktive Endgeräte aus. So reduziert die neue Antennengeneration von 5G die Strahlung. Quelle: Informationszentrum Mobilfunk, Stand September 2020 / Grafik: IZMF

Wissenschaftler und Umweltinitiativen

Aber: Die Wissenschaft streitet noch darüber, ob die Gesundheit auch unterhalb der Grenzwerte gefährdet wird. Eine große Zahl von Studien belegt ein beherrschbares Risiko, trotzdem gibt es auch viele kritische Stimmen von Wissenschaftlern. Sie sind sich einig in ihrer Forderung, den 5G Ausbau zu stoppen, solange die Risiken nicht geklärt sind. Und mit ihr Umweltinitiativen und manche Verbraucherschützer: Sie verweisen auf Länder wie Belgien oder die Schweiz, wo strengere Grenzwerte für Funk gelten. Selbst die Weltgesundheitsorganisation stuft den 5G-Standard als „möglicherweise krebserregend“ ein.

Der Vorsitzende des Umweltrechtsausschusses im Deutschen Anwaltverein, Prof. Dr. Hans-Jürgen Müggenborg, meint dazu: „Unzählige Forschungsberichte mit unterschiedlichen Ergebnissen lassen erkennen, dass die Experten bis heute zu keiner einheitlichen und eindeutigen Aussage darüber gelangt sind, ob und welche gesundheitlichen Auswirkungen der Ausbau von 5G für den Menschen haben wird.“

Strahlende Haushaltsgeräte

Er pocht in seiner aktuellen Stellungnahme auf das Vorsorgeprinzip: Der Staat habe bis zum Gegenbeweis den Bürger zu schützen. Eines darf man in der ganzen Diskussion nicht vergessen: Auch die Empfängergeräte wie das Smartphone, der Router für das heimische WLAN, schnurlose Telefone und manche Haushaltsgeräte strahlen. Hierfür hat die Europäische Union einen maximal zulässigen Wert, die spezifische Absorptionsrate (SAR), festgelegt: 2 Watt pro Kilogramm Körpergewicht.

Der SAR-Wert eines jeden Gerätes wird vom Hersteller angegeben. Hier kann jeder selbst etwas tun: beim Kauf auf strahlungsarme Geräte achten und das Handy weit weg von Kopf und Hoden tragen.

Dialogplattform: www.deutschlandspricht- ueber-5g.de

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW
Tel. 0201 / 79 95-0.
www.lanuv.nrw.de

Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
Tel. 03018 / 333-0
www.bfs.de
Dort gibt es eine Liste der SAR-Werte der auf dem deutschen Markt verfügbaren Handys und Smartphones.

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Tags: Natur- und Umweltschutz , Stadt Köln

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