Leben in Köln

Wege aus der Einsamkeit im Alter

Lisa von Prondzinski · 23.04.2021

Foto: Rido / stock.adobe.com

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Jeder fühlt sich mal allein, aber Einsamkeit ist ein andauernder Zustand. Wertvolle Tipps, Erfahrungsberichte und wichtige Adressen in der Region Köln finden Sie hier.

Einsamkeit scheint ein wachsendes Phänomen zu sein, besonders in Großstädten. Ein Indiz: 285.000 Menschen in Köln (Stand 31.12.2018, Stadt Köln, Statistische Nachrichten) leben alleine. Davon sind 80.000 älter als sechzig Jahre. Die meisten von ihnen stehen nicht mehr im Beruf, oft leben die Kinder weit weg, Freunde sind vielleicht schon verstorben. Das sind nur einige Gründe für weniger regelmäßige Kontakte.

Wenn dann – häufig mit zunehmendem Alter – auch noch körperliche Einschränkungen dazukommen, wird man weniger mobil. Statistisch gesehen zwar erst im hohen Alter, dann wären aber immer noch 10.000 Alleinlebende über achtzig Jahre besonders betroffen. Und dazu jetzt auch noch Corona. Aber: Zunehmende Isolation und Einsamkeit sind schleichende Prozesse. Oft nehmen Menschen sie erst spät wahr. Das belegen auch Studien.

Allein oder einsam?

Erst einmal ist wichtig, zwischen allein und einsam zu unterscheiden. Entscheidend ist immer der Leidensfaktor. Beispielsweise kann jemand allein auf Weltreise sein und sich mit allem verbunden fühlen, während jemand anderes sich im Kreis seiner Familie einsam fühlen kann. Vielleicht weil die Beziehungen zu oberflächlich sind oder der eine Mensch fehlt, dem man alles anvertrauen kann. Manche macht es unglücklich, zu wenige oder gar keine Kontakte zu haben. Sie vermissen das Gefühl, von jemandem gebraucht zu werden. Andere halten das ganz gut aus.

Klar ist, dass jeder Mensch sich an verschiedenen Punkten im Leben einsam fühlen kann. Oft aber geht es mit Zeiten des Umbruchs einher. Etwa wenn die erwachsenen Kinder aus dem Haus gehen, beim Renteneintritt, beim Verlust des Partners durch Tod oder Scheidung. Aber auch Armut spielt eine Rolle. Wer es sich nicht leisten kann, ins Café zu gehen, bleibt allein zu Hause.


Um zusammenzukommen, muss man nicht auf einen Anlass warten. Foto: Astrid Götze-Happe / pixelio.de

Anhaltende Einsamkeit ist riskant

Letztlich ist erfahrene Einsamkeit sehr unterschiedlich und ein psychosoziales Phänomen: „Sie hängt nicht nur von den Lebensumständen ab, sondern auch davon, wie der einzelne Mensch gestrickt ist“, sagt Lea Ellwardt, Soziologin an der Universität zu Köln. Ellwardt hat sich in Studien mit den Folgen von Einsamkeit für die kognitive Gesundheit und Sterblichkeit beschäftigt.

Kein Ausweg ist es, sich mit Einsamkeit abzufinden. „Denn anhaltende Einsamkeit macht nicht nur unglücklich, sondern ist eine ernstzunehmende Gefahr“, sagt die Soziologin. Sie erzeugt Stress, der sich negativ aufs Immunsystem und die Psyche auswirkt. Das Risiko für Depressionen, Schlaganfälle und Herzinfarkte steigt. Großbritannien hat dieses Risiko für die Volksgesundheit erkannt und bekämpft Einsamkeit als erstes Land weltweit mit einem eigenen Ministerium.

Was tun gegen die Einsamkeit?

Der erste Schritt: Einsamkeit erkennen

„Ein Patentrezept, um aus Einsamkeit herauszukommen, gibt es nicht“, sagt Ellwardt. Auf jeden Fall ist der erste, aber gar nicht so einfache Schritt: sich selbst eingestehen, dass man sich einsam fühlt. Erst dann kann man herausfinden, was einem fehlt. Vielleicht die oder der eine Vertraute oder eher lockere Gesellschaft und Abwechslung? Wenn man ratlos ist, sollte man sich jemanden suchen, dem man sich anvertrauen kann. Der Hausarzt ist dafür immer die richtige Adresse. Mit ihm zusammen kann man auch überlegen, ob die Situation therapeutische Unterstützung durch einen Psychologen nötig macht.


Spielen Sie gern Karten? Gemeinsame Interessen sind der beste Klebstoff für ein Gespräch. Foto: Wavebreak Media Micro / stock.adobe.com

Zweiter Schritt: raus aus der Isolation

Sicherlich kostet es Mut, auf andere zuzugehen. Vielleicht muss man es sogar wieder lernen. Dabei müssen keine tiefgründigen Gespräche geführt werden. Übers Wetter oder das Fernsehprogramm mit einem Nachbarn oder in der Bäckerei reden, reicht fürs Erste. Häufig ist es einfacher, statt neue Kontakte zu knüpfen, alte Bekanntschaften zu reaktivieren: anrufen, schreiben und gemeinsam etwas unternehmen, kann wieder zu einem festen Termin werden.

Offenheit und Neugier für neue Erfahrungen helfen, sich anderen und ihren Aktivitäten anzuschließen. Dafür wurde etwa das Projekt „Freizeit-Tandem“ von den Vereinen „Junge Stadt Köln“ und „Menschen treffen Menschen“ initiiert. Bei lockeren, generationenübergreifenden Treffs kann man neue Bekanntschaften schließen. Vielleicht findet man dort jemanden, mit dem man abends in die Philharmonie oder am Wochenende zum Fußballspiel gehen kann.

Verein, Volkshochschule oder Ehrenamt

Oder man greift vergessene Hobbys wie Fotografieren, Häkeln oder Sport in der Gruppe auf, etwa in einem Verein oder bei der Volkshochschule. „Gemeinsame Interessen sind der beste Klebstoff, dann hat man Gesprächsstoff und fühlt sich verbunden“, so Ellwardt.

Befriedigend kann auch ein Ehrenamt sein: Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder mit ihnen singen und musizieren, für andere Menschen einkaufen oder andere im Krankenhaus oder Hospiz besuchen. Wer fit am Computer ist, kann sich auch online in Gruppen austauschen. Aktivitäten gibt es viele. Es sollte nur etwas sein, das einem Spaß macht.


Gesellige Bewegung im Freien hat sich eine Gruppe des SeniorenNetzwerks Porz-Zündorf auf die Fahnen geschrieben. Foto: Thilo Schmülgen

Angebote für Senioren in Köln

Geselligkeit und unterschiedliche Aktivitäten bieten auch die SeniorenNetzwerke in den einzelnen Stadtteilen an. Die Angebote sind nah und damit fußläufig erreichbar. Der Zugang ist offen für jeden, über sechzig Netzwerke gibt es bisher stadtweit. „Was für Angebote genau in einem Stadtteil entstehen, hängt davon ab, was die Senioren wollen.

Vielleicht fällt auf, dass noch ein Mittagstisch fehlt, der dann von den Menschen organisiert wird“, erzählt Susanne Schönewolff, Fachberaterin für Seniorenarbeit bei der Diakonie. Sie ergänzt: „Eine Seniorin sagte mir, seitdem sie zum Netzwerk komme, brauche sie viel länger zum Einkaufen, weil sie die neuen Bekanntschaften zufällig auch im Supermarkt treffe und ein Schwätzchen halte ...“

Wie gehen die Kölner Senioren mit Einsamkeit um? Persönliche Geschichten und wichtige Adressen finden Sie auf Seite 2.

Tags: Einsamkeit , Hilfen und Beratung für Senioren , Veedel

Kategorien: Leben in Köln , Ratgeber