Leben in Köln

Schon gewusst, dass auf der Pferderennbahn Weidenpesch einmal ein Kamelrennen ausgetragen wurde?

Gastbeitrag von Franz-Josef Knöchel / LVR · 23.11.2022

Acht Kamele und ein begeistertes Publikum in Köln. Foto: © Bundesarchiv, Abt. Filmarchiv/Transit Film GmbH

Acht Kamele und ein begeistertes Publikum in Köln. Foto: © Bundesarchiv, Abt. Filmarchiv/Transit Film GmbH

Der Kölner Renn-Verein 1897 e. V. feiert Jubiläum und blickt zurück auf eine spektakuläre Sportgeschichte.

Ein stolzes Jubiläum: Auf 125 Jahre kann der Kölner Renn-Verein 1897 e. V. in diesem Jahr zurückblicken – dies wurde von Oberbürgermeisterin Reker bei einem festlichen Empfang im Historischen Rathaus gewürdigt. Der Verein ist Hausherr der Weidenpescher Galopprennbahn, die inmitten eines 55 Hektar großen Grüngeländes liegt und die älteste Sportstätte Kölns ist.

Bis zur Eröffnung des Müngersdorfer Sportparks im September 1923 galt sie als wichtigstes Sportgelände der Domstadt, das über die Jahrzehnte hinweg sogar weltweites Ansehen erlangte. Hier wurden bedeutsame nationale und internationale Pferderennen wie das „Union-Rennen“, der „Gerling-Preis“ und vor allem der seit 1963 stattfindende „Preis von Europa“ ausgetragen. Bis zu 20.000 Besucher finden Platz auf dem Freigelände und auf den noch erhaltenen Tribünen, die heute pittoresk an eine andere Ära erinnern.

Renn-Kamele in Köln

In der langen Geschichte gab es aber auch Tiefphasen, in denen das Interesse des Publikums nachließ, so auch in den 1960er-Jahren. Da traf es sich gut, dass 1968 der US-Konzern R. J. Reynolds Tobacco Company nach Werbemöglichkeiten für seine gerade in Europa eingeführte Zigarettenmarke „Camel“ suchte.

Er hatte zuvor die in der Kölner Altstadt ansässige Traditions- Zigarettenfirma Haus Neuerburg übernommen. Die rasch geborene Idee, ein Kamelrennen zu veranstalten, wurde vom damaligen Oberbürgermeister Theodor „Döres“ Burauen begeistert unterstützt. Das Rennen wurde als „Camel-Cup“ proklamiert.

Da Kamele in Köln bekanntlich eher selten vorkommen, besorgte man diese aus dem Besitz des Königs Hassan II. von Marokko. Der Transport gestaltete sich jedoch schwierig, weil die Piloten der gecharterten Frachtmaschinen befürchteten, die Tiere könnten während des Fluges wild werden. Deshalb wurden sie kurzerhand gefesselt. Sollten sie dennoch rebellieren, gab es an Bord Pistolen für die Erschießung.

Der große Tag auf der Galopprennbahn

Am 21. September 1969 fanden sich stolze 18.000 Besucher zu dem spektakulären 6.000-Meter-Rennen auf der Galopprennbahn ein. Vor dem Lauf wurde über Lautsprecher ein Danktelegramm des damaligen Bundesaußenministers Willy Brandt an König Hassan verlesen. Im Rennen selbst wurden acht Renndromedare eingesetzt, die auf geraden Strecken Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer in der Stunde erreichen können.

Und genau das kannten die Tiere nur: schnurgerade Wüstenpisten. Kurven in Höchsttempo auf Grasboden waren ihre Sache dagegen nicht. Der Favorit „Tuareg“ landete in der letzten Kurve sogar in einer Begrenzungshecke. Es gelang dem Reiter aber, das Dromedar zu drehen und mit einem rasanten Endspurt doch noch zu siegen. Da das Spektakel bei den Besuchern gut ankam und auch beachtliche 35.000 Mark verwettet wurden, beabsichtigte man, weitere Kamelrennen in Köln zu veranstalten. Letztlich blieb es aber bei dieser einmaligen Episode der Stadtgeschichte.


Weitere Informationen beim LVR-Informationssystem KuLaDig – Kultur. Landschaft. Digital.
www.kuladig.de und www.luftfahrtarchiv-koeln.de.

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Tags: Kölner Stadtgeschichte , Sportverein

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