Kultur
„#StolenMemory” Wanderausstellung erinnert an Opfer der NS-Verbrechen
Redaktion · 29.10.2026
Bernstein Schmuck von Wiesława Brzyś aus Polen. Foto: Arolsen Archives
Eine Uhr, ein Ehering, eine Brille, ein Foto mit Widmung: Die Nationalsozialisten nahmen den Häftlingen in den Konzentrationslagern ihre persönlichen Besitztümer ab. Die Wanderausstellung „#StolenMemory” der Arolsen Archives erzählt die Geschichten hinter diesen Gegenständen und zeigt, wie engagierte Freiwillige helfen, sie an die Familien der einstigen Besitzerinnen und Besitzer zurückzugeben.

Foto: Arolsen Archives
Vom 30. Oktober bis zum 24. November 2026 ist die Ausstellung in einem umgebauten Schiffscontainer auf der Kölner Schildergasse direkt vor der Antoniterkirche zu sehen. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 29. Oktober, um 18.30 Uhr mit einem Vortrag und Gespräch im Citykirchenzentrum im AntoniterQuartier.
Hintergrund

Foto: Arolsen Archives
Seit 1963 bewahren die Arolsen Archives rund 4.700 Umschläge mit persönlichen Gegenständen ehemaliger KZ-Häftlinge auf. Die Kampagne #StolenMemory recherchiert seit 2016 ihre Herkunft: Mehr als 1.000 Familien von NS-Verfolgten konnten bereits gefunden werden.
Für Angehörige ist die Rückgabe oft eine greifbare Verbindung zu einem verfolgten Verwandten – und kann eine Lücke in der Familiengeschichte schließen. Die AntoniterCityKirche und die Melanchthon Akademie holen die Ausstellung mit Unterstützung des evangelischen Netzwerks „hier+weiter" nach Köln. Sie macht die Lebensgeschichten hinter den Gegenständen sichtbar.
Das Begleitprogramm verbindet Erinnerung an die NS-Verbrechen mit Fragen nach Verantwortung und Antisemitismus heute. Es beleuchtet unter anderem die Rolle der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus, Widerstand gegen das Regime und jüdisches Leben in Köln. Zu den Höhepunkten zählen Veranstaltungen zu Elisabeth Schmitz, Helmuth James von Moltke und Holocaust-Überlebendem Albrecht Weinberg.
Begleitprogramm
(Auswahl)
Do, 29.10., 18.30 Uhr
Eröffnung der Ausstellung
Vortrag und Gespräch „Wie #StolenMemory Geschichte und Gegenwart verbindet"
Dr. Anke Münster (Arolsen Archives) stellt das Projekt vor, das seit zehn Jahren persönliche Gegenstände von KZ-Häftlingen an deren Familien zurückgibt. Citykirchenpfarrer Markus Herzberg (Antoniterkirche) und Dr. Stefan Hößl (Melanchthon Akademie) erläutern, warum sie die Ausstellung nach Köln geholt und ein umfangreiches Begleitprogramm dazu zusammengestellt haben. Mit einem Grußwort der Stadt Köln.
Mo, 02.11., 18.30 Uhr
Filmvorführung und Gespräch
Der Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“ (2026) porträtiert einen der letzten Überlebenden des Holocaust, der mit seiner Unterstützerin Gerda Dänekas bis zuletzt Schulen besuchte, um Zeugnis abzulegen. Weinberg starb im Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Im Gespräch mit Pfarrer Markus Herzberg geht Gerda Dänekas der Frage nach, was von seinem Zeugnis bleibt und wie die Erinnerung weitergetragen werden kann, wenn die Zeitzeug:innen fehlen.
Mi, 04.11., 18:30 Uhr
Lesung und Gespräch TheoLogisch: „Warum habt ihr geschwiegen? - Kirche und Judenfrage im Nationalsozialismus"
Die Lesung lässt Stimmen der Zeit zu Wort kommen und fragt, wie die evangelische Kirche mit der Verfolgung der Jüdinnen und Juden umging. Im Mittelpunkt steht die Berliner Lehrerin Elisabeth Schmitz, die vergeblich dafür kämpfte, dass die Bekennende Kirche für die Juden eintritt. Mit Dr. Richard Janus (Institut für Evangelische Theologie, Universität Paderborn) sowie den Pfarrer:innen Nicola Thomas-Landgrebe und Mathias Bonhoeffer (Evangelische Gemeinde Köln).
Moderation: Citykirchenpfarrer Markus Herzberg
Veranstaltungsort dieser Veranstaltungen ist jeweils das Citykirchenzentrum im AntoniterQuartier, Antoniterstraße 14-16, 50667 Köln
www.antonitercitykirche.de
Stolpersteinverlegung
Fr, 13.11.,8.30 Uhr
Stolpersteinverlegung für Lilli Wolff
Bis 1938 führte die jüdische Modedesignerin Lilli Wolff ein erfolgreiches Geschäft auf der Hohe Straße, dann nahmen ihr die Nationalsozialisten die Existenz. Der Stolperstein erinnert an sie und an alle vergessenen lesbischen jüdischen und mehrfach verfolgten Leben. Ihr Sohn Klaus Driessen und seine Frau Patty werden als Ehrengäste erwartet.
Hohe Straße 148-150,
50667 Köln
https://tour.unerasure.org
Mo, 16.11., 15–17 Uhr
Rundgang Stolpersteine rund um die Synagoge Roonstraße
Die Journalistin Petra Pluwatsch erzählt bei einem Spaziergang, wie Menschen verfolgt wurden: von gelungener Flucht bis zur Deportation. Sie ist Autorin zweier Bücher über Kölner Stolpersteine.
Treffpunkt: Bücherschrank auf dem Rathenauplatz,
50674 Köln
Anmeldung erforderlich www.melanchthon-akademie.de
Alle Veranstaltungen finden Sie auf der Website und im Programm (Pdf-Datei, 598 KB).
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Tags: Antisemitismus , Ausstellung , Diskussion , Film , Juden , jüdisches Leben , Lesung , Novemberpogrome , Pogrom , Stolpersteine
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