Kultur

Römerjahr – Ein Stadtrundgang durch das römische Köln

Thomas Dahl · 29.04.2022

Freuen sich auf die Ausstellung: der stellvertretende RGM-Direktor Dirk Schmitz (links) und sein Kollege vom MiQua, Thomas Otten. Foto: Thomas Dahl

Freuen sich auf die Ausstellung: der stellvertretende RGM-Direktor Dirk Schmitz (links) und sein Kollege vom MiQua, Thomas Otten. Foto: Thomas Dahl

Die Archäologische Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ veranschaulicht römische Siedlungspolitik in der einstigen Provinz Niedergermanien.

Von der Kolonie zur Weltstadt – Kölns Geschichte ist über mehr als zwei Jahrtausende geschrieben worden und trotz des Alters nie verblichen. Mit dem Wissen und der Technik unserer Zeit lassen die Veranstalter der Archäologischen Landesausstellung „Roms fließende Grenzen“ nun die Antike in fünf Städten wiederauferstehen, um an die Besiedlung des Rheinlands zu erinnern.

In Köln wird die Ausstellung vom Römisch-Germanischen-Museum (RGM) und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) als Träger des Projektes „Museum im Quartier (MiQua) mit dem noch im Bau befindlichen Jüdischen Museum gemeinsam kuratiert. Unter dem Titel „Rom am Rhein“ wird der Alltag in der damaligen Hauptstadt der Provinz Niedergermanien („Germania inferior“) dokumentiert und aufgezeigt, wie die Bürger gelebt haben, welche Besucher es hierhin zog und mit welchen Waren gehandelt wurden.


Terrakotten Rudolfplatz: Die Götterfiguren aus Terrakotta, die in Töpferöfen am Rudolfplatz gefunden wurden, werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert Copyright: Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln, Rheinisches Bildarchiv, Anja Wegner

Weltkulturerbe niedergermanischer Limes

Insgesamt soll das Leben entlang des niedergermanischen Limes für die Besucher so greif- und erlebbar wie möglich gemacht werden. Die rund 400 Kilometer lange Flussgrenze des Imperiums, die den linksrheinischen Teil des Rheinlands von den wenig durch die Römer kontrollierten rechtsrheinischen Gebieten abtrennte, bestand mehr als 450 Jahre und wurde 2021 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

„Wir zeigen neue Objekte, beispielsweise aus dem Antoniterquartier und Thermen, die die Bodendenkmalpflege zu Tage gebracht hat, aber auch Einsichten in das spätantike Deutzer Kastell oder das Praeteritum unter dem Spanischen Bau des Rathauses“, verrät etwa der stellvertretende RGM-Direktor Dirk Schmitz.

Neue Funde werden gezeigt

Da das RGM zurzeit kein eigenes Dach überm Kopf hat und vorübergehend im Belgischen Haus an der Cäcilienstr. 46 untergebracht ist, ist man für die Sonderausstellung zu Gast im Rautenstrauch-Joest und Schnütgen Museum am Neumarkt. Dort steht eine über 1000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Für Kuratorin Michelle Rossa vom LVR gleicht die Ausstellung einem „Stadtrundgang“ durch das römische Köln, bei dem die Besucher in verschiedenen Stationen die wichtigsten Aspekte des alltäglichen Lebens in Köln kennenlernen können – vom Hafen über das Handwerk, Heiligtümer, Monumentalarchitektur, Villen, Amphitheater, Thermen, Friedhöfe und auch die Rheinflotte.

Neben Exponaten aus dem RGM werden neue Fundstücke gezeigt. Besonders hübsch: mit Muscheln verzierte Wand- und Deckenmalereien von Überresten einer bei Bauarbeiten an der Vogelsanger Straße gefundenen Landvilla. Auch Überreste eines römischen Lastenschiffs, geborgen am Heumarkt, werden gezeigt. Ebenso wie Lederobjekte wie Schuhe oder auch Türgewände mit hochqualitativen Reliefs von Tieren wie Eber oder Panther.


Römische Lederschuhe: Gut erhalten ist dieses Paar römischer Sandalen aus Leder. Copyright: Römisch-Germanisches Museum der Stadt Köln, Rheinisches Bildarchiv, Anja Wegner

Besonderes Kuriosum: Ein Grabstein eines Fleischhändlers, üppig mit Schinken verziert. Auch die Terrakottafiguren von Göttern, die in Töpferöfen am Rudolfplatz gefunden wurden, werden erstmals öffentlich präsentiert.

Digitale Technik macht Antike lebendig

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist ein Film, der das römische Köln durch digitale Rekonstruktionen wieder auferstehen lässt. In diesem Gemeinschaftsprojekt der TUs Budapest und Darmstadt mit Unterstützung von MiQua, RGM sowie TH Köln wird ein Gang von Nord nach Süd durch die antike Stadt visualisiert. Dabei werden verschiedene Bauwerke wie das Nord- und Südtor, das Forum oder die Bibliothek detailliert gezeigt.

Das Ausmaß der Hauptstadt der Provinz Niedergermanien wird zudem mit Hilfe eines großen Panoramabildes in Form einer bedruckten Folie eindrucksvoll dargestellt. Auch MiQua-Direktor Thomas Otten ist überzeugt, dass diese detailgetreue Nachbildung „ein Knüller“ wird, der den „Organismus der Metropole“ aufzeigt. Überhaupt stelle die Forschung zur Antike keine abgeschlossene Arbeit dar: „Das römische Köln wird ständig fortgeschrieben. Es gibt jedes Jahr neue Paukenschläge“, so der Historiker.


Eindrucksvoll präsentierte sich Köln als Hauptstadt der römischen Provinz Niedergermanien. Ein Film lässt mit Hilfe digitaler Computertechnik das Leben in der antiken Stadt wiederauferstehen. Copyright: Mikko Kriek, Amsterdam, Forschungsmodell römisches Köln: TU Budapest, MiQua, RGM, TH Köln, TU Darmstadt

29.4. bis 9.10.2022
Ausstellung „Rom am Rhein“
Rautenstrauch-Joest Museum im Kulturzentrum am Neumarkt
Cäcilienstraße 29–33,
50676 Köln,
Tel. 0221 / 221 - 244 38

Alle Infos unter www.roemer.nrw

Ergänzt wird das Programm durch eine Vortragsreihe und Führungen.

VHS:
Die Volkshochschule bietet am 15.5., 17.7. und 18.9., jeweils um 13 Uhr eine kostenlose Führung durch die Ausstellung an. Anmeldung erforderlich über www.vhs-koeln.de

Museumsdienst:
Der Museumsdienst der Stadt Köln bietet ab Mai über die gesamte Länge der Ausstellung Führungen durch die Sonderausstellung an. Sonntags jeweils um 11 Uhr und dienstags immer um 15 Uhr. 2 €. Keine Anmeldung erforderlich. Treffpunkt: Kasse Kulturzentrum Neumarkt.
www.roemisch-germanisches-museum.de/Veranstaltungen

Zusätzlich gibt es am 23.6., 15 Uhr, eine Führung speziell für Senioren, die im regulären Eintrittspreis inbegriffen ist. Auch hier ist keine Anmeldung erforderlich.

Römergrab Weiden:
Die römische Grabkammer in Köln-Weiden ist eines der herausragenden Zeugnisse Kölns aus römischer Zeit. Jeden dritten Samstag im Monat von 12.30 Uhr bis 16.30 Uhr bietet der Förderverein Römergrab Weiden e.V. halbstündige Führungen an. 10 €. Anmeldung: 0221 / 221 - 244 25. Aachener Straße 1328. www.roemergrab.de

Tags: Ausstellung , Stadtgeschichte

Kategorien: Kultur