Leben in Köln

Kontakte löten und knüpfen – im Repair Café

Frank Brehm-KölnerLeben Ausgabe 3/2017 · 31.01.2023

Bevor man ein defektes Haushaltsgerät ersetzt, kann man den vermeintlichen „Abfall“ mit in ein Repair Café nehmen. Oft wird es dort zu neuem Leben erweckt. Foto: © Frank Brehm

Bevor man ein defektes Haushaltsgerät ersetzt, kann man den vermeintlichen „Abfall“ mit in ein Repair Café nehmen. Oft wird es dort zu neuem Leben erweckt. Foto: © Frank Brehm

Der Toaster wird nicht mehr heiß, der Henkel der Handtasche ist abgerissen ... Ab in den Müll damit? Wegwerfen ist oft eine schlechte Idee, erst recht in Zeiten von Inflation und extremen Preissteigerungen. Zum Glück gibt es Repair Cafés.

Die 61-jährige Sigrid Köhler aus Bayenthal besuchte vor einiger Zeit zum ersten Mal das Repair Café im Bürgerhaus Stollwerck. Sie hatte den Tipp von einem Bekannten erhalten und brachte ihr geliebtes Küchenradio mit. Das hatte ihr fast zwei Jahrzehnte gute Dienste geleistet, doch plötzlich gab es nur noch ein schwaches Rauschen von sich. „Die Reparatur war eine Sache von zehn Minuten. Ein Kontakt hatte sich gelöst und musste wieder angelötet werden. Dann lief es wieder“, freut sich Sigrid Köhler heute noch.

Haushaltsgeräte, Elektrogeräte reparieren statt wegwerfen

Sie besucht regelmäßig das Repair Café, auch wenn sie nichts zum Reparieren hat. Ob Lampe, Kopfhörer, Bügeleisen oder CD-Player – defekte oder nicht mehr einwandfrei funktionierende Geräte wandern heutzutage meistens wie selbstver- ständlich in den Müll. Sogar liebgewonnene Dinge, von denen man sich eigentlich nicht trennen möchte, weil sie mit schönen Erinnerungen an besondere Menschen, Orte oder Zeiten verbunden sind.

Garantieansprüche existieren nicht mehr, und mögliche Garantieansprüche existieren nicht mehr, und mögliche Reparaturen oder gar der Neukauf erscheinen viel zu teuer. Ganz zu schweigen davon, dass gerade die neue digitale Technik häufig im billigen Plastikgewand daherkommt und gar keine Reparatur mehr möglich macht. „Den Leuten kann geholfen werden und gleichzeitig der Umwelt“, sagte sich die Niederländerin Martine Postma und eröffnete im Jahr 2009 das erste offizielle Repair Café in Amsterdam.

Mit so großem Erolg, dass die Idee auch nach Deutschland kam und damit auch nach Köln. Hier tritt man nicht nur der Wegwerfgesellschaft entgegen, sondern steht auch füreinander ein. Jasmin Klein gründete das Repair Café im Bürgerhaus Stollwerck und verdeutlicht die Grundidee: „Auf der einen Seite haben wir unsere ehrenamtlichen Reparateure, auf der anderen unsere wissbegierige ‚Kundschaft‘. Und alle haben Spaß miteinander, selbst wenn ein Problem mal nicht gelöst werden kann.“

Selbst reparieren mit fachkundiger Anleitung. Foto: Frank Brehm

Kaputte Spielzeuge, Fahrräder, Möbel kostenlos reparieren

Meistens dreht es sich um elektrische Geräte, aber auch kaputte Spielzeuge, Fahrräder oder Kleinmöbel können mitgebracht werden. Der „Kunde“ ist beim Reparaturvorgang immer mit dabei und lernt so etwas über Technik, Materialien, Werkzeuge und die entsprechenden Handgriffe. „Grundsätzlich ist jede Reparatur kostenlos und schont damit ganz klar den Geldbeutel“, betont Jasmin Klein. „Natürlich müssen wir uns auch finanzieren. Für benötigte Spezialwerkzeuge und Verbrauchsmaterial, aber auch für die Bewirtung stellen wir deshalb immer eine Spendenbox auf.“

Ohne die ehrenamtlichen Fachmänner und -frauen liefe in den Repair Cafés natürlich nichts. Ob Elektriker im Ruhestand, ausgewiesene Computerex- pertin oder erfahrener Hobbybastler – jeder kann sich für die gute Sache einbringen. Es spielt keine Rolle, ob sich die Reparateure ihr Wissen beruflich oder privat angeeignet haben. Wer eine mitunter harte Nuss knacken und sein handwerkliches Können unter Beweis stellen möchte, sich gerne für mehr Nachhaltigkeit einsetzt oder anderen Menschen hilft, ist hier richtig aufgehoben.

Manch einer ist froh, auf diese Weise sein Wissen weitergeben zu können, wieder mehr Liebe zum Detail sowie mehr Bewusstsein für den Wert der Dinge zu schaffen. Repair Cafés finden regelmäßig in öffentlichen Räumen statt. Anders als etwa beim Fachhändler kann hier auch jeder selbst versuchen, seine defekten Dinge mit dem passenden Werkzeug unter fachkundiger Anleitung wieder in Gang zu setzen oder wie neu aussehen zu lassen.

Kaffee, Kuchen und Kontakte

Kaffee, Kuchen und Kontakte Geselligkeit spielt dabei eine äußerst wichtige Rolle, denn bei Kaffee und Kuchen, interessanten Gesprächen und wertvollem Wissensaustausch fühlen sich alle Besucher immer sichtlich wohl. Auf einem Lesetisch liegen zudem stets Bücher und Zeitschriften zum Thema Reparatur und Heimwerken parat. Manch einer hat sich hier schon zu Neuem inspirieren lassen und damit nicht nur seinen alten Schatz wieder nach Hause getragen.

Sigrid Köhler jedenfalls betont den geselligen Aspekt der Repair Cafés: „Ich treffe hier nette Menschen, lerne etwas über Technik und schaue Fachleuten über die Schulter“, sagt sie lächelnd. „Spannend sind auch viele der Histörchen über die Dinge, die hier vorbeigebracht werden.“

Repair Cafés in Köln

Repair Café Südstadt

Geöffnet an jedem 2. Sonntag im Monat,
14–19 Uhr

Bürgerhaus Stollwerck,
Dreikönigenstr. 23

E-Mail: info@repair-cafe-koeln-suedstadt.de

Repair Café im BüzE

Geöffnet an jedem 3. Samstag im Monat,
11−16 Uhr

Bürgerzentrum Ehrenfeld,
Venloer Str. 429 

Tel. 0221 / 579 60 76

Repair Café Köln Dellbrück

Geöffnet an jedem 1. Montag im Monat,
16−19 Uhr

Bergisch Gladbacher Str. 1006 

Tel. 0221 / 986 561 67

RepairCafé in Mülheim
Geöffnet am Sonntag, 26. März, 4. Juni, 10. September und 10. Dezember 2023,
11–15 Uhr

August-Bebel-Haus,
Krahnenstr. 1
Tel. 0221 / 64 54 05

Weitere Informationen im Internet unter www.repaircafe.org

Tags: Hilfe für Senioren , Nachhaltigkeit

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