Leben in Köln

Kölner Köpfe – Ingeborg Haarer

Diana Haß · 26.01.2023

Foto: ©Diana Hass

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Auch mit 94 Jahren ist die Schauspielerin Ingeborg Haarer neugierig und umtriebig. Im vergangenen Jahr noch bestritt sie drei Lyrikabende.

Wieso sind Sie Schauspielerin geworden?

Ich bin 1928 in Frankfurt am Main geboren, die Zeit des Nationalsozialismus habe ich also als Kind und Jugendliche erlebt. In meiner Familie hatten Kunst und Kultur einen hohen Stellenwert und waren von zentraler Bedeutung für mein Leben. Ich durfte viel spielen, habe musiziert, bin in Rollen geschlüpft – das hat meine Kindheit bestimmt. Meine Eltern haben mir viele Freiheiten gewährt. Nach dem Krieg war ich begierig auf Kunst und Kultur. Ich bin zuerst zum Musikstudium ans Mozarteum nach Salzburg gegangen, 1950 dann zum Schauspielstudium nach München an die Otto-Falckenberg-Schule. Im Anschluss daran war ich Mitglied des Ensembles der Münchener Kammerspiele unter dem Intendanten Hans Schweikart. Dieses Theater galt in der Nachkriegszeit in Westdeutschland als das Theater der Moderne, an dem beispielsweise die Erstaufführungen neuer Stücke von Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch stattfanden. Der Rang dieses Theaters hat mich geprägt. Die Aufführungen hatten höchstes Niveau. Es folgten Engagements unter anderem am Landestheater Tübingen, an den Städtischen Bühnen Bielefeld, am Staatstheater Wiesbaden ...

1984 sind Sie nach Köln gezogen. Warum?

Ich arbeitete als Sprecherin an den Kölner Rundfunkanstalten. Daneben gab es Gastrollen in Theaterproduktionen und Lesungen von Prosa und Lyrik.

Vergangenes Jahr haben Sie mit drei Paul-Celan-Lyrikabenden am Theater im Bauturm gastiert. Was fasziniert Sie an ihm?

Ich halte Paul Celan für den bedeutendsten deutschen Sprachkünstler seit Hölderlin. Daneben bin ich selbst jemand, dem der bewusste Umgang mit Sprache wichtig ist.

Was ist außerdem wichtig für Sie?

Das Wichtigste ist mir die Teilnahme am Leben meiner drei Kinder. Auch am Leben meiner Freunde und an Menschen überhaupt. Aber vor allem: das Verfolgen des Zeitgeschehens in Zeitungen, im Fernsehen und in Büchern. Ich lese viel; obwohl es durch schlechtes Sehen mühsam ist. Lesen ist mein Lebenselixier. Ich lese auch immer wieder in Büchern, die ich schon kenne. Glücklicherweise habe ich sehr viele.

Online gibt es einen Film über Sie.

Ja. Laurenz Leky vom Theater im Bauturm hat 2021 den Film „Der Unrast ein Herz“ gedreht. Er hat ihn mir auf dem Fernseher gezeigt. Das ist ein guter Blick auf mein Leben.

Das Gespräch führte Diana Haß.

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Tags: Kunst und Kultur , Literatur , Theater

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