Leben in Köln

Kölner Krippenweg: Von Bethlehem bis an den Rhein

Diana Haß · 29.12.2021

Lokale Krippendarstellung im Hänneschen-Theater. Foto: Caroline Maria Weber

Lokale Krippendarstellung im Hänneschen-Theater. Foto: Caroline Maria Weber

Maria, Josef und das Kind dürfen beim Weihnachtsfest nicht fehlen. In den Krippen Kölns gibt es aber so viel mehr zu entdecken.

„Schon als kleines Mädchen bin ich mit meiner Mutter Krippen gucken gegangen“, erzählt Susanne Gehrke mit leuchtenden Augen. Mit ihrer Tochter hat sie die Tradition fortgesetzt. Heute kümmert sie sich zusammen mit einigen anderen Frauen um den Aufbau der Krippe in der Kirche St. Kolumba.

Kreppche luure, also Krippen anzusehen, macht vielen Freude. „Die Vielfalt ist beeindruckend“, schwärmt eine, die es wissen muss: Caroline Maria Weber ist Vorsitzende des Vereins Krippenfreunde Region Köln und Veranstalterin des Kölner Krippenwegs. Die Geschichte der Krippe reicht weit zurück.

Belegt ist inzwischen, dass die bildhafte Darstellung der Menschwerdung Gottes auf Franziskus von Assisi zurückgeht. „Er wollte im Jahr 1223 den Menschen die Umstände der Heiligen Nacht mit einer Krippe, einem lebendigen Ochsen und Esel so anschaulich wie möglich machen und bezog sie in die weihnachtliche Feier der Eucharistie mit ein“, weiß Weber. Gesichert für Köln ist: 1568/69 stellten Jesuiten hier mit Figuren die Geburt Christi nach. Gerade die katholische Kirche vermittelte gerne biblische Botschaften für alle Menschen verständlich durch Bilder.

Grenzenlos kreativ

Damals wie heute faszinieren Krippen. „Das Thema ist nie auserzählt, sondern kann immer fortgeschrieben und aus neuen Blickwinkeln betrachtet werden“, erläutert Weber. „Krippen haben ein spielerisches Element, wie ein heiliges Spielzeug für Große.“ Bei Material und Umsetzung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Beim Stil gibt es zwei große Richtungen“, so Weber. Die sogenannte Heimatkrippe zeigt Bekanntes: Stall, Fachwerk und ein – blondes – Jesuskind im Stroh. In Köln wird es noch lokaler. So begrüßen die Knollendorfer aus dem Hänneschen-Theater das Jesuskind. Die orientalische Krippe verlegt das Geschehen in das Geburtsland Judäa. „Höhlen, Grotten, Wüsten, Beduinengewänder sind typisch“, weiß Weber.


Die Friedenskrippe im Hauptbahnhof erinnert an die Schrecken des Krieges und das Leben in den Trümmern. Foto: Caroline Maria Weber

Immer neue Szenen

Vor allem in Kirchen stellen sogenannte Wandelkrippen die wichtigsten Stationen der Weihnachtsgeschichte in verschiedenen Szenen nach. Am ersten Advent die Verkündigung an Maria, dann die Herbergssuche, die Geburt Jesu, die Ankunft der Heiligen Drei Könige und die Flucht nach Ägypten. „Abgebaut wird oft nach dem Dreikönigsfest, zuweilen steht die Krippe auch bis Mariä Lichtmess am 2. Februar“, so Weber. Es lohnt sich also, eine Krippe häufiger zu besuchen.

Alte Symbolik

Und: Man versteht mehr, wenn man etwas über die vielfältige Symbolik weiß. Die Farben beispielsweise. Weber erläutert sie: „Im Gewand von Maria steht das Weiß für die Reinheit. Das Blau steht dafür, dass Maria als Mutter Jesu Himmelskönigin ist. Das Rot steht als Farbe des Blutes für die Liebe Gottes, die sich im Tod Jesu ausdrückt. Als Farbe des Feuers steht das Rot aber auch für den Heiligen Geist, der Maria bei Jesu Empfängnis überschattet hat – die Farbsymbolik verweist also auch auf den dreieinigen Gott, zu dem Maria eine einzigartige Beziehung hatte.“

Josef wird in seiner Vorbild- und Tugendhaftigkeit oft in Erdfarben gezeigt, die an die Gewänder vieler Mönche erinnern. Die Heiligen Drei Könige sind mehrdeutig. „Sie symbolisieren entweder die zur Geburt Christi bekannten drei Kontinente Afrika, Asien und Europa oder die drei unterschiedlichen Lebensalter“, erklärt Weber.

Aber es gibt auch viel künstlerische Freiheit – und jeder Einzelne hat seinen ganz eigenen Blick. „Ich entdecke immer wieder etwas Neues, auch noch nach Jahrzehnten“, sagt Krippenfreundin Gehrke.

KölnerLeben lädt zu einer kleinen Krippentour:


Stimmungsvolle Anmut in St. Kolumba


Wunderschöne Krippenfiguren in der St. Kolumba. Foto: Csaba Peter Rakoczy.

Zart und anrührend wirkt die Figur der Maria. Die Entwürfe der beweglichen, geschnitzten Gliederfiguren aus dem Jahr 1935 stammen von der bekannten Kölner Krippenkünstlerin Lita Mertens (1879– 1979). Beim Aufbau der Szenen wird Wert auf jedes Detail gelegt: Blickrichtungen, Gesten, der Faltenwurf der Kleidung. Die ursprüngliche Anordnung hat Mertens selbst ausgeführt. Die Wandelkrippe wird immer wieder umgebaut. So gibt es etwa – ganz ungewöhnlich – die Szene des ersten Bades Jesu. Öfter hingehen lohnt sich.

St. Kolumba, Brücken-/Kolumbastraße, So, 28.11.21 bis Mi, 2.2.22
www.kolumba.de

Krippe des Hohen Doms zu Köln, Fenster Römisch-Germanisches Museum


Foto: Csaba Peter Rakoczy

Kölsches Leben im Dom „Wo ist der Straßenkehrer?“, fragt eine Besucherin. In der Krippe des Künstlerehepaars Barbara und Theo Heiermann, die im Nordturm des Doms steht, gibt es weitaus mehr Figuren als nur die Heilige Familie. Fast fünfzig Personen der Stadtgeschichte seit der Gründung lassen sich finden. Dabei: ein FC-Fan, das Maskottchen Hennes und zahlreiche Berufsvertreter – vom Polizisten bis hin zum Straßenkehrer. Bemerkenswert auch: die prächtigen Stoffe. Diese Krippe zaubert ein Lächeln auf die Lippen.

Kölner Dom, So, 28.11.21 bis Mi, 2.2.22
Homepage: www.koelner-dom.de

Moderne Lebensnähe in Worringen


Kunstvolle Keramik in der Krippe der Friedenskirche. Foto: Csaba Peter Rakoczy

Ein Häftling, eine Schwangere, ein Blinder, ein Verletzter: Die kunstvollen Keramikfiguren in der Krippe der evangelischen Friedenskirche in Worringen zeigen hilfsbedürftige Menschen. Renate Löhr, Töpfermeisterin aus Schleswig, hat die soziale Verantwortung der Kirche thematisiert. „Die Krippe zeigt, dass jeder willkommen ist, so unterschiedlich wir auch sind“, interpretiert Pfarrer Volker Hofmann-Hanke die Weihnachtsszene.

Evangelische Friedenskirche, Hackenbroicher Str. 59–61, Mitte Dezember bis Do, 6.1.22
Homepage: www.hoffnungsgemeinde-koeln.de

 


Foto: Csaba Peter Rakoczy

Orientalische Romantik in Libur

Aus dem Jahr 1913 stammt die Krippe in der Kirche St. Margaretha im Stadtteil Libur. „Wir hier sind sehr stolz auf sie“, sagt Diakon Christian Gawenda. Ein unbekannter Künstler aus Tirol hat die Krippe im sogenannten Nazarener Stil, einem traditio- nellen, eher romantischen Stil, geschnitzt. Sie ist ein Paradebeispiel für eine orientalische Krippe. Statt im Stall sind Maria, Josef und das Jesuskind in einer Grotte untergekommen, statt Fichten wachsen im Hintergrund üppige Palmen. Kurios ist ein nacktes schwarzes Kind, das andächtig niederkniet. St. Margaretha, Pastor-Huthmann-Str. 9, Sa, 25.12.21 bis Do, 6.1.22

Mehr Krippenbilder finden Sie in der Fotogalerie.

Der Krippenweg
Seit nunmehr 26 Jahren lotsen die Krippenfreunde Region Köln e. V. in der Weihnachtszeit durch die Vielfalt der Kölner Krippen – mit dem sogenannten Krippenweg. In einer übersichtlichen Broschüre werden über hundert Krippen in Wort und Bild vorgestellt, dazu gibt es Informationen, Adressen und Öffnungszeiten. So kann man auf eigene Faust die Krippen erkunden oder sich einer Führung anschließen. Die Broschüre gibt es online, an ausgewählten Verkaufsstellen und auf Bestellung.
Kontakt: 0221 / 67 78 72 70
www.koelner-krippenweg.de

Tags: Krippenweg , Weihnachten

Kategorien: Leben in Köln