Leben in Köln

Kölner Köpfe – Christian Horsters

Jürgen Schön · 23.11.2022

Foto: Privat

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Er selbst nennt sich den Backwarenretter der Republik, denn es tut ihm um jedes Brötchen leid, das im Müll landet.

Christian Horsters (67) wuchs am Niederrhein auf. Seine Eltern hatten eine Gaststätte. Ihn aber zog es lieber in die nahe Bäckerei. Der Duft von frisch gebackenem Brot hatte ihn gefangen – und begleitet ihn durch sein Leben. Ein Duft, der ihn wohl zum effektivsten Lebensmittelretter Kölns gemacht hat.

Gegen die Vernichtung von Lebensmitteln

Einem, der – nicht nur, aber am liebsten – Backwaren vor der Vernichtung rettet. Davor war er als „DJ der guten Laune“ bekannt geworden. Eine Zufallskarriere, für die er seinen Job in einem Textilverlag aufgab. Sie begann 2010 durch ein Youtube-Video, das ein professioneller Kameramann drehte, als er als Discjockey bei einer Hochzeitsfeier auflegte – es wurde millionenfach geklickt.

Er verdiente gut, ging sogar früher in Rente. Und hatte so Zeit für seinen jetzigen ehrenamtlichen Vollzeitjob. Den Anstoß gab vor zehn Jahren der Film „Taste the Waste“ über die Vernichtung von Lebensmitteln. „Im Kino traf ich Regisseur Valentin Thurn, wir kamen ins Gespräch – und es hat Klick gemacht.“

Ökologie und Nachhaltigkeit

Schon früh hatte Horsters ein Gefühl für Ökologie und Nachhaltigkeit. „Weniger Fleisch essen, gebrauchte Klamotten“ – für ihn so selbstverständlich wie das Fahrradfahren. Auf seiner Erfolgsliste steht, dass er drei große Kölner Bäckereiketten überzeugte, Backwaren vom Vortag nicht wegzuwerfen, sondern sozialen Organisationen zu überlassen, die sie an Bedürftige verteilen.

Dank seiner charmant-energischen Überredungskunst folgten viele Kölner Filialen von Supermarktketten, die heute keine Lebensmittel mehr in den Müll entsorgen. „Nur wenige machen noch nicht mit, aber das wird sich ändern“, ist er überzeugt. Eine bundesweite Bäckerei hat er noch im Fokus. Die schreddert ihre in Plastik verpackten Brote, verkauft sie als Tierfutter.

Vor allem aber organisiert er die Abholung und Verteilung der Lebensmittel. Dafür initiierte er vor acht Jahren die „BrotFairteilung“ an der Thomaskirche im Agnesviertel. „Leider tun sich hier andere Kirchen schwer, diesem Beispiel zu folgen“, wundert er sich. Außerdem gründete er den Verein „Food for Future Köln e. V.“. Der verteilt alle 14 Tage im großen Stil Backwaren an der Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz. Aber auch Küchenabfälle wie Kartoffelschalen haben noch einen Wert. Sein Appell an alle KölnerLeben- Leserinnen und -Leser: „Bestellen Sie bei den AWB eine Bio-Tonne!“

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Tags: Ehrenamt und Freiwilligkeit , Kölner Köpfe , Ökologie und Nachhaltigkeit

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