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Wildtiere in Köln: Was tun, wenn man einen Igel gefunden hat?

René Denzer · 26.11.2021

Sind Igel im Winter hilfsbedürftig? Foto: René Denzer

Sind Igel im Winter hilfsbedürftig? Foto: René Denzer

Ist ein Igel wirklich in Not, braucht er die richtige Behandlung. Lesen Sie, wie man erkennt, ob ein Igel krank ist und wie man den Tieren am besten hilft.

Kleine Knopfaugen, spitze Nase, winzige Beinchen – richtig zum Knuddeln wirken Igel. Wenn da nicht das Stachelkleid wäre. Doch ein „Ach, wie süüüüüß“ wird dem Tier nicht gerecht. Karin Oehl weiß das ganz genau. Über vierzig Jahre lang hat sie im Rhein- Erft-Kreis eine Igelstation geleitet.

Igel sind keine Haustiere, im Gegenteil. Sie sind Wildtiere. Und zwar solche, die der Mensch eigentlich nicht so oft zu Gesicht bekommt. „Igel sind dämmerungsaktive Tiere“, sagt Oehl. Einen gesunden Igel am Tag sieht man so gut wie nie.


Foto: René Denzer

 

„Im Winter gefundene Igel gehören in eine Igelstation oder Pflegestelle“

Karin Oehl, Igelexpertin

Bloß nicht mit Milch füttern!

Auch wenn das Tier ein Sympathieträger ist, über die Bedürfnisse, Lebensweise und Ansprüche an die Nahrung wissen viele Menschen wenig. Oehl kennt das aus eigener Erfahrung: „Als ich die ersten Igel fand oder bekam, starben sie alle.“

Die heute 77-Jährige wusste nicht, dass sie krank waren, gab ihnen Kuhmilch zu trinken. Irgendwo hatte sie das mal aufgeschnappt. „Und ich machte es ohne nachzudenken nach.“ Heute weiß sie: Igel vertragen – wie viele Säugetiere – nicht so gut artfremde Milch.

Auch Lena Licht weiß, wie es ist, wenn man unbedarft an den Igel herangeht. In Brück hatte sie an einem heißen Sommertag abends mit weit offener Terrassentür kräftig durchgelüftet. Am nächsten Morgen fand sie einen stacheligen Gast im Keller. Licht zog sich Lederhandschuhe an, setzte das Tier in einen Karton und später wieder in den Garten, wo der Igel schnell verschwand.

Was nicht verschwand, waren seine „Mitbringsel“: Flöhe. Arztbesuche, Kammerjäger, Teppichreinigung – das Ganze sei eine lehrreiche Geschichte gewesen, sagt sie. Normalerweise sind Igelflöhe wirtsspezifisch, weiß Karin Oehl. Der Mensch sei eigentlich nicht der Zielorganismus. Das heiße aber nicht, dass sie nicht doch mal auf den Menschen überspringen.


Ein Igeljunges wird mit Spezialmilch aufgepäppelt.
Foto: René Denzer


So „nackig“ ist der Igel ein leichtes Opfer für Fressfeinde, ansonsten geht es ihm trotz Hautpilz gut. Er braucht aber einen Schutzort, bis die Stacheln nachgewachsen sind.
Foto: René Denzer

Igel in Not erkennen

Lehrreich ist alles, was Oehl an Erfahrungen über Igel gesammelt hat. Zuallererst: Nicht jeder Igel braucht auch Hilfe. Wichtigstes Merkmal: Kranke und hilfsbedürftige Tiere werden meist am Tag und ohne Deckung liegend gefunden. „Die brauchen sehr schnell Hilfe und können nicht auf einen Tierarzttermin warten.“

Schlitzförmige oder geschlossene Augen, eine trockene Nase, kaum oder gar nicht aufgestellte Stacheln sind weitere Warnzeichen. Ebenso die Form des Igels. Ist er gesund, ist sie tropfenförmig: vorne spitz und hinten rund. Ist sie walzenförmig mit einem deutlichen Halsansatz, ist der Igel krank.

Die richtige Haltung von Wildtieren

Nur im Notfall dürfen die Tiere ins Haus genommen werden, sagt das Tierschutzgesetz. Dort braucht der Igel zunächst ein Gehege, rund 1,5 Quadratmeter groß und mit Zeitungspapier ausgelegt. „Nicht mit Heu, Laub oder Katzenstreu“, mahnt Oehl. Gebraucht wird auch ein Schlafhaus mit Schlupfloch, zehn mal zehn Zentimeter groß, mit Zeitungen und Knüllpapier ausgelegt. Gereinigt werden sollte einmal täglich.

In zwei Blumenuntersetzer aus Ton kommen Wasser und Futter. „Es eignet sich zum Beispiel zucker- und getreidefreies Katzenfutter angereichert mit Maiskeimöl und Kleie.“ Man kann auch gekochtes Hühnerfleisch geben, ungesalzenes Rührei oder gebratenes Rinderhack. Tabu sind Nüsse und Obst – schließlich ist der Igel in freier Wildbahn ein Insektenfresser.

Überwintern im Garten oder Igelstation?

„Finder sollten sich darüber klar sein, dass sie mit der Aufnahme notleidender Tiere eine Verantwortung übernehmen“, betont Oehl. Ist das Tier aufgepäppelt, stellt sich die Frage: auswildern oder überwintern? Das Erste sei eigentlich vorzuziehen, sagt Oehl. Doch wenn das Tier wegen des Wintereinbruchs nicht mehr freigelassen werden kann, sollte man ihm Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Die Kälte fordert Reserven und es fehlen Insekten als Nahrung, so dass der Igel sonst verhungert.


Wie groß, wie schwer sollte ein gesunder Igel sein? Das können Experten am besten beurteilen.
Foto: René Denzer

Beim Überwintern brauchen die Tiere qualifizierte Hilfe. Laien könnten zu viele Fehler machen. „Im Winter gefundene Igel gehören in eine Igelstation oder Pflegestelle“, betont Karin Oehl. Sie hat noch einen Tipp, was all diese Hilfen unnötig macht: durchlässige, „wilde“ Gärten, heimische Pflanzen, die heimische Insekten anlocken. Und vor allem: keine Steingärten und Mähroboter. Dann kann der Igel sich bestens selbst helfen.

Tierrettung Feuerwehr Köln: 112

Tierheim Köln-Dellbrück
Tel. 0221 / 68 49 26 (Mo–Sa 10–13 Uhr)
www.tierheim-koeln- dellbrueck.de

NABU Kreisgruppe Köln
Tel. 0221 / 790 28 89
www.nabu-koeln.de

BUND Büro Köln
Tel. 0221 / 283 37 14
www.bund-koeln.de

Verein der Igelfreunde
Infos rund um den Igel
www.igelverein.de

Pro Igel, Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e. V.
E-Mail für Fragen und Beratung: info@pro-igel.de
www.pro-igel.de

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Tags: Natur- und Umweltschutz , Tierschutz , Wildtiere

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