Leben in Köln

Gut sortiert

Philipp Haaser · 03.02.2020

Foto: Thilo Schmülgen

Foto: Thilo Schmülgen

Sperrmüll, Elektrogeräte, Altmetall, Schadstoffe, Grünschnitt – für manchen wertloser Abfall. Doch er wird gesammelt, sortiert und getrennt. Und das nicht ohne Grund.

Handbremse lösen, mit dem voll beladenen Auto anfahren und das Fenster herunterlassen: Den Kunden des Wertstoff-Centers in Ossendorf verlangt die Auffahrt zum Abladeplatz einiges ab. Eine alte Schreibmaschine kündigt ein älterer Herr dem Mitarbeiterin oranger Arbeitskleidung an. „Elektrisch oder analog?“, fragt der nach. Tatsächlich handelt es sich um ein mechanisches Modell: kein Elektroschrott also, sondern Altmetall.
Der Kunde steuert den entsprechenden Container an. Mitarbeiter Christian Wunderlich, 61 Jahre, beugt seinen Kopf zum nächsten Wagen und dirigiert auch ihn zügig zum richtigen Ziel. Es soll schnell gehen. Schließlich nutzen rund 1.500 Kölner täglich das Angebot der Abfallwirtschaftsbetriebe, kurz AWB, eine Tochtergesellschaft der Stadt Köln.

Bei allen weiteren Schritten können sich die Anlieferer auf die gründliche Beratung der Mitarbeiter verlassen. Sperrmüll, Elektrogeräte, Altmetall, Schadstoffe, Grünschnitt: Was nicht in die Mülltonne passt oder darf, nehmen Wunderlich und seine Kollegen im Wertstoff-Center der AWB entgegen, das meiste kostenlos. Die Dienstleistung ist in den kommunalen Müllgebühren enthalten. Den Kunden zu helfen, Platz zu schaffen in Kellern und Dachböden, ist aber kein Selbstzweck.


Kaum gebracht, werden die Abfälle – hier Grünschnitt – mit großen Walzen bearbeitet und gepresst. Foto: Thilo Schmülgen

Die AWB hat es auf Wertstoffe abgesehen. Sie sollen getrennt und erneut verwendet werden, gehäckselt für Spanplatten, kompostiert als Dünger, eingeschmolzen als Rohstoffe für Metalle und Kunststoffe. Ein Wertstoffkreislauf ist die Idealvorstellung, die der Gesetzgeber vorgibt. Je besser das funktioniert, desto weniger Müll muss verbrannt, desto weniger Ressourcen und Energie müssen für den Abbau von Rohstoffen verwendet, desto weniger Bäume müssen gefällt werden.


Foto: Thilo Schmülgen

Aber: Recycling ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Kunden und Mitarbeiter müssen möglichst gut vorsortieren. „Die meisten wollen da auch wirklich mithelfen“, sagt Wunderlich, der früher bei einem anderen Unternehmen Kühlschränke zerlegt hat. Nicht immer funktioniert das Zusammenspiel auf dem Wertstoffhof reibungslos. Ab und zu versucht jemand, kostenpflichtigen Bauschutt, Gewerbemüll oder mit Schadstoffen imprägnierte Hölzer in die Container zu schmuggeln.

Mitunter stellen auch besonders skurrile „Abfälle“ Wunderlich und seine Kollegen vor Probleme. Das leere Rohr einer Panzerfaust, ein Terrarium samt Kornnatter, ein Koffer gefüllt mit Schrotpatronen und – mehrfach: offene Tresore. Diese zogen jeweils Polizei- oder Feuerwehreinsätze nach sich.

 


Zupackend: Wer schwere Haushaltsgeräte, sogenannte weiße Ware, bringt, … Foto: Thilo Schmülgen


… muss sie nicht selber schleppen. AWB-Mitarbeiter sind immer zur Stelle. Foto: Thilo Schmülgen

Für Kölner in Köln kostenfrei

Die Mitarbeiter haben deshalb ein Auge auf das, was aus den Autos abgeladen wird. Für Fragen stehen sie stets bereit. Und viele Kunden nehmen das gerne in Anspruch, auch wenn der Umgangston manchmal der liebevollen Ruppigkeit der Köbesse ähnelt. Die Mitarbeiter kontrollieren außerdem die Kennzeichen. Die Nachbarkommunen verlangen zum Teil Gebühren. In Köln darf aber nur seinen Müll loswerden, wer auch in der Stadt Müllgebühren entrichtet. An diese Regeln müssen sich die Kunden halten. Nicht jeder zeigt sich einsichtig. „Ab und zu wird jemand mal beleidigend oder sogar handgreiflich“, sagt Wunderlich. Ein guter Zusammenhalt im Team sei deshalb wichtig.

Besondere Gewissenhaftigkeit erfordert die sichere Entsorgung gefährlicher Stoffe. Am deutlichsten wird das in dem bunkerartigen Flachbau, in dem die Gefahrenstoffe angenommen werden. Eine große Lüftung saugt schädliche Dämpfe ab. Eine Löschanlage und automatische Türen kommen zum Einsatz, sollte ein Brand ausbrechen. 10 bis 15 Sekunden bleiben dem Mitarbeiter in diesem Fall zum Verlassen des Baus. Wunderlich beantwortet die Frage nach dem Gefahrenpotenzial mit Verweis auf die nötige professionelle Haltung: „In dem Job dürfen Sie halt nicht kreativ sein.“

Erfahren Sie mehr über den Wertstoffkreislauf - Lesen Sie weiter auf Seite 2

Tags: Recycling , Rohstoffe

Kategorien: Leben in Köln