Leben in Köln

Zentrum für Beratung und Hilfsangebote – „dieKümmerei“

Diana Haß · 27.08.2022

Zwei Mitarbeiterinnen der „Kümmerei“ im Beratungsgespräch. Foto: Bettina Bormann

Zwei Mitarbeiterinnen der „Kümmerei“ im Beratungsgespräch. Foto: Bettina Bormann

Wer in „dieKümmerei“ kommt, erhält Unterstützung in Fragen zu Familienproblemen, Versicherung, Schulden und Gesundheit.

„Egal was man hat, die helfen einem“, sagt eine junge Syrerin. Sie war schon mehrmals in der Kümmerei, einem Beratungszentrum mitten zwischen den Hochhäusern von Chorweiler, ganz in der Nähe des Einkaufszentrums. Seit Oktober 2021 läuft hier ein bundesweit einmaliges Modell. Es unterstützt Menschen dabei, Hilfsangebote zu finden und zu nutzen. Ein Erfolgsprojekt.

Inzwischen ist „dieKümmerei“ – so die offizielle Schreibweise – derart bekannt, dass die Mitarbeitenden die Anfragen nach Dringlichkeit sortieren müssen, um ihnen nach- zukommen. Förderer des Modells sind zwei Krankenkassen: die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) und die Innungskrankenkasse (IKK classic).

Auch die Stadt Köln unterstützt das Projekt. Das Management übernahm die HerzNetzCenter GmbH, ein wissenschaftlich geführtes Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, neue, ganzheitliche Versorgungsmodelle zu schaffen.

„Vertrauen und Beziehung sind der Schlüssel, damit sich die Leute öffnen. “

Birgit Skimutis, Leiterin der Kümmerei

Ganzheitliche Hilfsangebote

In der Kümmerei geht es darum, dass alle Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten. Aber das ist längst nicht alles, denn laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“. „Das ist auch unser Ansatz“, erläutert Birgit Skimutis, Sozialpädagogin und Leiterin der Kümmerei, „deshalb sind die sechs Beraterinnen, allesamt medizinisches Fachpersonal, weit mehr als nur Wegweiserinnen in unserem komplizierten Gesundheitssystem.“

„Wir kümmern uns darum, dass die Menschen, die zu uns kommen, den richtigen Arzt finden und eine passende Behandlung und Therapie erhalten“, sagt Skimutis. Das sei auch sehr wichtig, besonders in einem Stadtteil wie Chorweiler. Viele dort lebende Menschen haben ihre Wurzeln in anderen Ländern. Sie verstehen oft kaum Deutsch und durchschauen die deutschen Systeme nicht. Vor allem nicht das Gesundheitssystem – mit Fachärzten, Überweisungen und Therapieangeboten.„Wir beraten und schließen die Informationslücken. Viele brauchen einfach jemanden, der sie durch das Dickicht führt“, berichtet Skimutis.


Engagiert und fachlich kompetent – die Beraterinnen der Kümmerei. Foto: Foto: Bettina Bormann

Sprachmittlung für viele Kulturen

Doch damit nicht genug: Wenn nötig begleiten die Mitarbeiterinnen ihre Klienten auch zum Arzt oder Therapeuten. „Alle, die hier arbeiten, haben Erfahrungen mit dem Leben in anderen Kulturen“, sagt Skimutis. In 13 Sprachen von Persisch über Russisch bis hin zu Farsi können sich die Mitarbeiterinnen mit den Ratsuchenden unterhalten. So übersetzen sie, geben Rückhalt und vor allem Verständnis. Dabei sind gesundheitliche Fragen oft der Einstieg zu einem Rattenschwanz weiterer Probleme. „Vertrauen und Beziehung sind der Schlüssel, damit sich die Leute öffnen. Wir erfahren von Schulden, Arbeitslosigkeit, von pflegebedürftigen Angehörigen, Entwicklungsstörungen bei Kindern, von Gewalt in der Familie“, nennt Skimutis einige Beispiele. In allen Fällen bleibt die Beratungsstelle am Ball. „Wir haben ein sehr gutes Netzwerk“, sagt Skimutis. Alleine in den vier Räumen der Kümmerei bieten an unterschiedlichen Tagen Ansprechpartner aus fast zwanzig Organisationen Sprechstunden an.

Für ältere Menschen und muslimische Frauen

Das Spektrum reicht von Versicherungsfragen über Familien- und Schuldnerberatung bis hin zu Angeboten für ältere Menschen und muslimische Frauen. „Auch die Fall- managerinnen und -manager des Jobcenters sitzen bei uns und sind so ohne Termin erreichbar. Das ist super“, freut sich Skimutis. Ein Erfolgsmodell, das weiterbestehen soll Prozentual kommen mehr Frauen als Männer. Aber: „Über die Frauen erreichen wir die Männer“, so die Kümmerei-Leiterin. Sie freut sich über viele Erfolgserlebnisse. So wie über die junge Syrerin. Die hat mithilfe der Kümmerei einen Kita-Platz für ihre Tochter gefunden und steht jetzt kurz davor, eine Ausbildung zu beginnen. Das Modell „dieKümmerei“ ist bis Ende 2024 angelegt. Skimutis hofft, dass es danach fortgesetzt und in die Regelversorgung überführt wird.

dieKümmerei
Osloer Str. 8,
50765 Köln,
Tel. 0221 / 17 08 65 91
Internetseite: www.diekuemmerei.de

Frühstück und Ideenwerkstatt
Jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat ab 9 Uhr.
Alle älteren Menschen, die Lust auf Austausch oder neue Aktivitäten haben, sind herzlich eingeladen.

Anmeldung erbeten bei:
Sarika Kratz,
Tel. 0151 / 15 21 92 59,
sarika.kratz@awo-mittelrhein.de

 

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Tags: Beratung und Hilfsangebote , Integration geflüchteter Menschen

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