Leben in Köln

Bestattungstrends: Vielfalt für eine kleine Ewigkeit

Karin Bünnagel · 20.10.2020

Foto: FriedWald GmbH

Foto: FriedWald GmbH

Das klassische Reihengrab kommt immer mehr aus der Mode. Lesen Sie, welche Bestattungstrends KölnerLeben-Autorin Karin Bünnagel ausgemacht hat.

Eigentlich war es entschieden: Ich bin gerne draußen in der Natur unterwegs und habe keine in Köln lebenden Familienangehörigen – also werde ich mich auf einem Wald-Friedhof bestatten lassen. Das dachte ich zumindest, doch durch den Tod meines Vaters habe ich mich näher damit beschäftigt.
Will ich nicht lieber dort bestattet sein, wo mein Leben seit Jahrzehnten stattfindet? Erst informieren, dann entscheiden – und so mache ich mich auf den Weg.

Dass es einen Wandel in der Bestattungskultur gibt, war mir schon bei Spaziergängen auf einem Friedhof aufgefallen. Und die Umfrage der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, die ich anforderte, bestätigt das: Reihengräber als dominierendes Bild auf deutschen Friedhöfen sind passé.


Wild duftender Wandel in der Bestattungskultur: In den als Naturwiesen, Bauern-, Auen- oder Rosengärten gestalteten Feldern werden die einzelnen Grabstätten zurückhaltend gekennzeichnet. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

In Deutschland ruhen

Heutzutage möchten nur noch 25 Prozent der Deutschen so traditionell ihre letzte Ruhestätte finden. 40 Prozent wünschen sich eine Baumbestattung im Wald oder eine pflegefreie Beisetzung auf einem Friedhof. 20 Prozent würden eine Bestattung im Meer oder sogar eine Naturbestattung wählen, bei der die Urne zum Beispiel in einem See versenkt oder die Asche in der freien Natur verteilt wird. Und 9 Prozent sind „Heimschläfer“, sie würden gerne ihre Urne im eigenen Garten oder Haus aufstellen lassen.

Diese letztgenannten Wünsche würden mir jedoch, zumindest in Deutschland, nicht erfüllt werden. Hier gilt der Friedhofszwang, das bedeutet: Verstorbene müssen ihre letzte Ruhe in einem offiziellen Grab finden. Auch andere Menschen sollen die Möglichkeit haben, an einer öffentlich zugänglichen Stelle um einen Verstorbenen zu trauern. Diese Vorschrift kann ich durchaus nachvollziehen, obwohl es inzwischen Bestatter einrichten, durch Export der sterblichen Überreste ins benachbarte Ausland und deren Reimport diese Regel in einem, sagen wir, „gesetzlichen Graubereich“ zu umgehen.


Pflegeleicht, doch für manche Angehörige problematisch: die anonyme Bestattung auf einem Rasenfeld. Foto: Stadt Köln

Zum Wohnungsmangel auch Grabplatzmangel?

Aber für mich wäre das keine Option. Ich kann mich mit einem Platz auf dem Friedhof anfreunden, und auf jeden Fall in Köln. Doch wie sieht es aus, gibt es neben Wohnungsmangel auch einen Mangel an Grabstellen? Beim zuständigen Amt für Landschaftspflege und Grünflächen erfahre ich: Die Stadt Köln hält ausreichend Platz auf insgesamt 55 Friedhöfen bereit.

Der Südfriedhof mit einer Fläche von 61,5 Hektar ist der größte. Doch die meisten Gräber, es sind 55.400, finden sich auf Melaten. Der kleinste ist übrigens der alte Widdersdorfer Friedhof mit 260 Grabstellen. Dank der hohen Zahl an Friedhöfen kann man in der Nähe seines Veedels bestattet werden, sodass es Freunde und Angehörige nicht so weit haben.

Der zuständige Abteilungsleiter für die Kölner Friedhöfe, Peter Figgen, mit dem ich darüber spreche, unterstreicht:

„Die multikulturelle Stadtgesellschaft spiegelt sich auf den Friedhöfen wider.“

Er engagiere sich daher dafür, dass die verschiedenen Religionszugehörigkeiten auf einem Friedhof Platz finden. „Die Gemeinde einer Glaubensrichtung hat zum Beispiel die Möglichkeit, ein gesamtes Feld für ihre Mitglieder zu reservieren“, erzählt er mir.

Mir ist klar, dass für immer mehr Menschen Religion keine wichtige Rolle mehr spielt, andere Leidenschaften und Überzeugungen rücken für manche eher in den Lebensmittelpunkt. Wie ich las, haben beispielsweise Schalke-04-Fans in Gelsenkirchen ihr eigenes Grabfeld – ganz in Königsblau mit Blick aufs Stadion. In Köln wird das zwar oft und gerne diskutiert, ein solches Feld gibt es allerdings nicht. Vielleicht, weil die FC-Fans schon im Leben genug trauern müssen …


Ein kleiner Findling mit Namen ist bei Baumgrabstätten auf Friedhöfen möglich, muss aber nicht sein. Foto: Stadt Köln

Die Urne als Trendsetter

Also Platz wäre da, aber muss sich dann jemand um die Grabpflege kümmern? Wie ich wissen auch immer mehr Menschen, dass ihre Angehörigen dies nicht übernehmen werden: sei es aus Zeitmangel oder weil sie zu weit weg wohnen.

Und in so einem Fall wäre auch der finanzielle Aufwand für die Grabpflege für 25 Jahre durch eine Firma sicher nicht unerheblich. Und das bestätigen meine Recherchen. Geringere Kosten sind damit einer der Gründe, warum Urnenbestattungen – auch in katholischen Regionen wie Köln – immer attraktiver werden. Denn ein Urnengrab bedeutet weniger Fläche und somit weniger Kosten und Pflegeaufwand.

Lesen Sie über weitere Gestaltungsmöglichkeiten und erfahren Sie mehr über die Kosten auf Seite 2

Tags: Bestattung , Friedhöfe

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