Leben in Köln

Im Todesfall – am Ende alles nach Wunsch

Diana Haß · 22.06.2022

Urne oder Sarg? Gut, wenn die wichtigsten Fragen geklärt sind. Foto: Aeternitas e. V.

Urne oder Sarg? Gut, wenn die wichtigsten Fragen geklärt sind. Foto: Aeternitas e. V.

Wer seinen Angehörigen die Organisation der Bestattung ersparen will, kann vorab zu Lebzeiten alles regeln.

Hellgrauer Teppichboden, ein lichtdurchfluteter Raum mit farbenfrohen Bildern. Vor dem Schreibtisch von Bestatterin Marita Ditscheid hat Irma H. auf einem bequemen schwarzen Sessel Platz genommen. „Ich möchte gerne meine Beerdigung regeln“, sagt die 84-Jährige.

Für Ditscheid gehört das zum Berufsalltag. „Immer mehr Menschen wollen Vorsorge treffen“, sagt die Riehlerin. Der häufigste Grund: der Wunsch, die Angehörigen zu entlasten. „Es gibt aber auch Menschen, die alleinstehend sind und sichergehen wollen, dass alles geregelt ist“, weiß die Bestatterin. Sie hält es für eine gute Idee, die eigene Bestattung zu planen: „Für Hinterbliebene ist es eine enorme Erleichterung, wenn sie sich in der belastenden Zeit nach dem Tod keine Gedanken über diese Dinge machen müssen.“

Beratung braucht Zeit

Weil es meist eine bis eineinhalb Stunden dauert, bis alles besprochen und schriftlich festgehalten ist, vergibt Ditscheid einen Termin. Zuerst wird geklärt, ob es Angehörige gibt. Sie rät, auf jeden Fall mit ihnen über die Bestattung zu sprechen und sich darüber auszutauschen. „Das fällt oft nicht leicht“, so die Erfahrung der Fachfrau. Der Tod sei für viele immer noch ein Tabu. „Manchmal meinen die Leute auch, wenn sie ihre Beerdigung planen, sterben sie bald.“ Auch Irma H. hat lange gezögert, bevor sie das Thema bei ihrer Tochter angesprochen hat. „Als ich ihr gesagt habe, dass ich anonym bestattet werden will, hat sie widersprochen. Also habe ich mich umentschieden“, erzählt sie. Dass Angehörigen ein Gedenkort oft wichtig ist, weiß auch die Bestatterin. Am liebsten ist ihr deshalb, wenn sie mit zum Gespräch kommen.


Ein Gedenkort wie diese Wiese mit Urnen hilft den Angehörigen in ihrer Trauer. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Zuerst muss man sich zwischen Erd- und Feuerbestattung entscheiden. Denn es ist erheblich für die letzte Ruhestätte, ob Urne oder Sarg beizusetzen sind. Wer sich für eine Feuerbestattung entscheidet, hat die größere Auswahl: anonym im Naturwald oder auf dem Friedhof in einer Urnengrabstätte, an einem Baum mit Namen oder in einer Grabeskirche mit Urnenschränken.

Private oder zeremonielle Ausstattung

Doch vor der Bestattung steht in der Regel die Trauerfeier. „Gehören Sie zu einer Kirche?“, fragt die Bestatterin. Wer in einer christlichen Kirche ist, möchte häufig eine entsprechende Zeremonie mit Geistlichem. Die Alternative: ein Trauerredner oder ein Familienmitglied. Auch der Ort, die Musikstücke, ein Foto, das aufgestellt werden soll, bis hin zur Blumendekoration müssen ausgesucht werden. „Schön ist, wenn man festlegt, aus welchen Lieblingsblumen ein Kranz sein soll“, findet Ditscheid. Schließlich hat sie schon erlebt, wie sich Kinder einer Verstorbenen stritten, welches Mamas Lieblingsblumen waren.

Auch wie Trauerkarten und eine Anzeige gestaltet werden, sei vielen Kunden wichtig. Manche bringen eigene Texte, andere suchen gemeinsam mit der Bestatterin einen Spruch aus. Die Gästeliste und wer darüber hinaus angeschrieben werden soll, wird ebenfalls besprochen. „Das Adressverzeichnis, das wir dafür anlegen, aktualisieren wir von Zeit zu Zeit“, sagt Ditscheid.


Während einer persönlichen Beratung können Entscheidungen ganz in Ruhe getroffen werden. Foto: Aeternitas e. V.

Am Ende der Planung kommt die Entscheidung, welcher Sarg oder welche Urne es sein soll. „Das mache ich immer als Letztes, denn es ist häufig ein emotionaler Moment, bei dem auch schon mal Tränen fließen“, so die Bestatterin. Und neben der eigentlichen Bestattung gibt es jede Menge Papierkram zu regeln, auch das wird besprochen. Es wird festgelegt, wohin die Sterbeurkunden geschickt werden sollen. Kopien von wichtigen Dokumenten wie Versichertenkarte oder Personalausweis werden in einer persönlichen Akte aufbewahrt.

Erleichterung für Angehörige

Sind alle Wünsche geklärt, rechnet die Bestatterin die Kosten zusammen. Diesen Betrag zahlt Irma H. auf ein Treuhandkonto bei der Deutschen Bestattungsvorsorge ein. Das ist eine Einrichtung, die vom Bundesverband Deutscher Bestatter e. V. und dem Kuratorium Deutsche Bestattungskultur getragen wird.

Gewählt werden kann zwischen einer Einmalzahlung oder mehreren Raten. Nach Angaben des Verbandes ist das Geld dort sicher verwahrt, selbst wenn das beauftragte Bestattungsunternehmen schließen sollte. Irma H. ist jedenfalls erleichtert, dass alles unter Dach und Fach ist; auch ihre Tochter ist froh, dass alles geregelt ist.

Witere Infos und eine gute Übersicht finden Sie auf: https://todesfall-checkliste.de

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Tags: Beratung im Todesfall , Bestattung in Köln

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