Ratgeber

Mit der Energie haushalten und Kosten sparen

David Korsten · 16.03.2022

Foto: Petra Beerhalter / AdobeStock

Foto: Petra Beerhalter / AdobeStock

Die Preise für Strom, Gas und Öl steigen und steigen. Wie lassen sich Energieverbrauch und -kosten im Alltag wirkungsvoll senken? Wann lohnt sich ein Anbieterwechsel? KölnerLeben hat Experten nach Tipps gefragt.

Heizkostenzuschuss

Das Bundeskabinett hat am 2.2.2022 eine Einmalzahlung beschlossen, um die jüngst gestiegenen Heizkosten von privaten Haushalten mit niedrigen Einkommen abzufedern. Der einmalige Heizkostenzuschuss ist nach der Haushaltsgröße gestaffelt und richtet sich an rund 710.000 Haushalte, die in den Monaten Oktober 2021 bis März 2022 Wohngeld beziehen. Ein 1-Personen-Haushalt erhält 135 Euro; ein 2-Personen-Haushalt 175 Euro; für jede weitere Person im Haushalt werden 35 Euro gezahlt. Es muss kein Antrag gestellt werden. Der Auszahlungstermin wird im Sommer sein, wenn die Heiz- und Nebenkostenabrechnungen meist anstehen.
Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft

Es sind besorgniserregende Nachrichten für Verbraucher: Im Winter 2021/22 kostet Erdgas im Großhandel mehr als doppelt so viel wie im Frühjahr. Einige der Gründe: Die Wirtschaft erholte sich im Zuge der Corona-Krise allmählich, der Gasbedarf stieg und damit die Preise. Außerdem sind die europäischen Gasspeicher nicht so gut gefüllt wie in der Vergangenheit. Hinzu kommt die Bepreisung von Treibhausgasen, ein politisches Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Auch Öl kostet inzwischen etwa 60 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.


Grafik: Verbraucherzentrale NRW

Die Folge: Kunden müssen nach der kalten Jahreszeit möglicherweise mit Nachzahlungen rechnen, denn viele Energieversorger geben einen Teil des Preisanstiegs an ihre Kunden weiter – rund 12 Prozent mehr stehen bei einigen Anbietern zur Debatte. Bei der RheinEnergie sind es sogar 26 Prozent, also rund 18 Euro mehr pro Monat für die Kölner Durchschnittswohnung. Und das könnte in so manche Haushaltskasse ein Loch reißen. Mit einfachen Energiesparmaßnahmen lässt sich das womöglich mildern.

Ein neuer Kühlschrank lohnt sich meistens

Die wichtigsten drei Einsparmöglichkeiten bringt Gerhild Loer, Energieexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, auf den Punkt: „Herausfinden, welche Haushaltsgeräte die meiste Energie verbrauchen, das Verhalten ändern und über einen Anbieterwechsel nachdenken.“ Sinnvoll sei es beispielsweise, den Stromverbrauch des Kühlschranks zu überprüfen. Messgeräte verleiht die Verbraucherzentrale für 14 Tage kostenlos. „Weil die Dämmung des Kühlschranks mit den Jahren abnimmt, lohnt es sich meist, das zwanzig Jahre alte Modell gegen ein neues auszutauschen“, sagt die Energieexpertin.

Der geringere Verbrauch gleiche die Anschaffungskosten schon bald aus. Es muss aber nicht immer gleich ein neues Gerät sein. Bei Waschmaschinen zum Beispiel lohne sich der Neukauf meist nicht, so Loer. „Hier sollte man eher bei der Nutzung ansetzen“, empfiehlt sie. Unterwäsche bei 90 Grad zu kochen, wie viele es gewohnt seien, ist nach neuen Erkenntnissen nicht erforderlich. Für normal verschmutzte Wäsche reichten 30 bis 40 Grad. Und um Krankheitserreger abzutöten, seien 60 Grad plus Vollwaschmittel völlig ausreichend.

Energielabels der Europäischen Union

Wie energieeffizient Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner sind, erkennt man an den neuen Energielabels der Europäischen Union. Diese haben nur noch die Effizienzklassen A bis G. Weggefallen sind die Klassen „A+“ und „A++“. Die neuen Labels zeigen den tatsächlichen Verbrauch im Alltag genauer, haben also für mehr Transparenz gesorgt.


Energielabel Alt und Neu (seit September 2021). Grafik: © Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Jetzt neu:

  • Die Effizienzklassen von A bis G. Die Klassen A+ und A++ entfallen.
  • Ein QR-Code. Dieser führt zu weiteren Detailinformationen.
  • Für das neue EU- Energielabel gilt eine Umstellungsfrist bis zum 28.02.2023.

Heizen und Lüften

Auch beim Heizen, dem größten Faktor der Wohnnebenkosten, lässt sich schon mit kleinen Verhaltensänderungen sparen. Jedes Grad weniger reduziert den Verbrauch um 6 Prozent. Mit Stufe 3 am Heizungsregler erzielt man etwa 20 Grad, jede Stufe mehr bedeuten 3 bis 4 Grad. Wer sparen will, sollte die Temperatur in weniger genutzten Räumen verringern und die Heizung immer herunterregeln, wenn niemand zu Hause ist.

Der mit Abstand größte Wärmefresser: Fenster auf Dauerkipp. Das schlägt gut und gerne mit rund 200 Euro pro Heizsaison zu Buche, hat der Deutsche Mieterbund ermittelt. Viel besser ist das Stoßlüften, also die Fenster mehrfach täglich für etwa fünf Minuten ganz zu öffnen. Dann spart das Lüften sogar Energie: denn frische Luft erhitzt sich besser als verbrauchte, trockene Luft.


So nicht, das ist wohl die teuerste Heizmethode. Foto: Bettina Bormann

Lampen und Elektrogeräte

Noch mehr spart, wer Fenster und Türen gut abdichtet und nichts auf Heizkörper legt oder davorstellt. Heimliche Stromräuber Stromspartipps hat auch Frank Gatana, Experte bei der RheinEnergie: „Glüh- und Halogenlampen lassen sich durch moderne LEDs ersetzen.“ Die verbrauchten nur ein Fünftel der Strommenge herkömmlicher Glühlampen, hielten aber 30-mal so lang.

„Heimliche Stromräuber sind auch alle Elektrogeräte, die sich nicht komplett abschalten lassen“, erläutert Gatana. Viele Geräte sind nämlich an, selbst wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind – typischerweise Fernseher, Computer, Musikanlagen. So könnten pro Jahr rund 100 Euro an Kosten zusammenkommen. Abhilfe schafften Steckerleisten mit Schalter, an die sich mehrere Geräte anschließen lassen, sagt Gatana.

Wasser sparen

Gerhild Loer nennt einen weiteren häufig unterschätzten Stromfresser: die Warmwassererwärmung mit dem strombetriebenen Durchlauferhitzer. „Das durchschnittliche Duschverhalten, also täglich acht Minuten bei 38 Grad, kostet pro Person und Jahr rund 450 Euro“, rechnet sie vor. Für vier Minuten Duschen täglich fallen jährlich nur rund 230 Euro an.

Besonders ins Geld geht ein tägliches Wannenbad, für das rund 200 Liter Wasser erwärmt werden müssen. Gatana kennt einen einfachen Trick: ein kleines Kunststoffplättchen mit Gummiring zwischen Schlauch und Duschkopf einlegen. Das lässt weniger Wasser durch, weshalb weniger Wasser erwärmt werden muss. Solch ein Durchfluss-Begrenzer sei in jedem Baumarkt erhältlich, so effektiv wie ein Sparduschkopf und nicht weniger komfortabel.


Hier kann einfach gespart werden: kleines Ei, kleiner Topf. Foto: Bettina Bormann

Vergleichsportale im Internet nutzen

Manchmal kann es sich auch lohnen, den Energieanbieter zu wechseln. Wichtig zu wissen: Meldet der aktuelle Anbieter eine anstehende Preisänderung, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Es reicht ein formloses Schreiben ohne Unterschrift per Brief, Fax oder E-Mail. Am besten zuerst preiswerteren Lieferanten auswählen, die meisten übernehmen auch die Kündigung des alten. Aber wie findet man einen passenden Tarif? Am einfachsten über Vergleichsportale im Internet, zum Beispiel Verivox oder Check24.

Christina Wallraf, Energiemarktexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW, warnt: „Weil sich derzeit die Tarife schnell ändern, finden Verbraucherinnen und Verbraucher dort nicht immer aktuelle Informationen.“ Wer sich also über einen vermeintlich günstigen Tarif freut, sollte auf jeden Fall beim betreffenden Anbieter direkt abgleichen. Menschen ohne Internetzugang oder denen diese Suche zu kompliziert ist, können sich von Verwandten und Bekannten helfen lassen oder an die kostenlose Anbieterwechselberatung der Verbraucherzentralen wenden.

Nachteile für Neukunden

„Die Nachfrage ist allerdings derzeit sehr groß, entsprechend lang können die Wartezeiten sein“, so Wallraf. „Trotz der stark gestiegenen Preise sollten Verbraucher nicht in Panik verfallen“, beruhigt sie. So stiegen bei Energieversorgern wie der RheinEnergie zwar auch für Bestandskunden die Preise, Neukunden zahlten oftmals aber noch mehr. Wechseln ist also gar nicht in jedem Fall sinnvoll. „Insbesondere bei Gas kommt man beim Grundversorger derzeit oft günstiger weg“, so Wallraf und ergänzt: „Viele Menschen fragen häufiger nach Preisgarantien. Diese schützen aktuell gut vor steigenden Beschaffungskosten. Von einem überteuerten Tarif mit Preisgarantie sollten Verbraucher dennoch absehen.“


Die Bereitschaft ist da, aber wie fängt man mit dem Energiesparen an? Foto: Bettina Bormann

Ein paar Experten-Tipps

Wussten Sie, dass ...

... der Austausch alter, ineffizienter Thermostatventile und Durchlauferhitzer gefördert wird?

Für den Kauf voreinstellbarer „intelligenter“ klassifi- zierter Thermostatköpfe gibt der Staat bis zu 75 Euro/ Stück dazu. Wird ein hydraulischer Durchlauferhitzer durch deutlich effizientere elektronische oder vollelektronische Durchlauferhitzer ersetzt, wird dies mit 150 Euro pro Stück gefördert. Zu diesen und vielen weiteren Maßnahmen berät:

Stadt Köln
Umwelt- und Verbraucherschutzamt
Telefonische Beratung montags bis freitags
9 bis 12 Uhr unter 0221 / 221-3 43 44
E-Mail: altbausanierung@stadt-koeln.de
www.stadt-koeln.de

... auch Mieter mit Stecker-Solargeräten eigenen Sonnenstrom erzeugen können?

Auch auf dem Balkon oder der Terrasse kann Solarstrom erzeugt und im Haushalt verbraucht werden (siehe Infografik). Die Anschaffung lohnt sich finanziell langfristig. Auch dazu berät die Energieberatung der Verbraucherzentrale.

www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie www.machdeinenstrom.de

... leere Kühlschränke mehr Energie verbrauchen als volle?

Lebensmittel funktionieren als Kältespeicher. Also: Wer wenig Essbares drin hat, kann ihn gut mit Wasserflaschen auffüllen und so den gleichen Effekt erzielen. So lassen sich ca. 5 Euro im Jahr sparen. Wichtig ist auch der richtige Standort: Steht der Kühlschrank direkt neben Herd oder Backofen, braucht er mehr Energie zum Kühlen. Wer ihn nicht umstellen kann, kann mit einer dünnen Styroporplatte zwischen beiden Geräten zusätzlich dämmen.

... es preiswerter ist, Wasser in einem Wasserkocher zu erhitzen?

Energie spart auch, wer nur so viel Wasser kocht, wie man wirklich benötigt. Also für eine Tasse Tee die Menge in der Tasse abmessen und dann erst erhitzen.

... es besser ist, mit wenig Wasser zu kochen?

Kartoffeln und Gemüse müssen nicht komplett mit Wasser bedeckt sein, um gegart zu werden. Halb bedeckt mit Deckel drauf reicht vollkommen aus – probieren Sie es!

... die Spülmaschine weniger Energie verbrauchen kann als ein Handspüler?

Denn mit dem Energiesparprogramm (Eco) ist der Wasser- und Stromverbrauch unschlagbar niedrig.

Hilfe bei Grundsicherung

Steigende Energiepreise betreffen insbesondere auch viele ältere Kölnerinnen und Kölner. Von den rund 200.000 Menschen in der Stadt über 65 Jahre sind laut Statistischem Jahrbuch der Stadt Köln 2020 immerhin etwa 15.000 Grundsicherungsempfänger, das entspricht 7,5 Prozent. Und bei vielen weiteren ist die Rente knapp. „Jede Stromsperrung ist eine zu viel“ Frank Gatana, der sich auch im Arbeitskreis Energiearmut engagiert, sagt: „Dass manche älteren Menschen im Winter aufs Heizen verzichten, um sich nicht zu verschulden, darf es nicht geben.“

Er erklärt, dass die RheinEnergie seit jeher mit Stromsperrungen äußerst zurückhaltend umgegangen ist und dass diese in den vergangenen Jahren stetig abgenommen haben. Im Jahr 2020 lagen sie unter 0,5 Prozent bezogen auf die Kölner Haushalte, im Jahr 2021 noch weiter darunter. „Leider trifft es dabei auch ältere Menschen.“ An Betroffene appelliert er daher, sich in Notlagen bei ihrem Energieversorger oder bei Sozialverbänden zu melden, die Situation zu schildern und gemeinsam eine Lösung zu suchen. „Jede Sperrung ist eine Sperrung zu viel“, betont er.

Austausch über Energiearmut

Dr. Harald Rau, Sozialdezernent der Stadt Köln, stellt jedenfalls klar: „In einem reichen Land wie dem unseren soll es keine Energiearmut geben.“ Steigende Energiekosten sollten zwar dazu beitragen, den Klimaschutz zu intensivieren. „Sie dürfen aber nicht dazu führen, dass Menschen in finanzielle Notlagen geraten“, so Dr. Rau. Auf lokaler Ebene sei es deshalb wichtig, dass sich alle Akteure – Stadtverwaltung, Jobcenter und RheinEnergie – weiter zu dem Thema austauschen.

Balkonkraftwerke – Stecker-Solargeräte


Infografik: Verbraucherzentrale NRW

1 Solarstrommodule

Ein Stecker-Solargerät besteht aus ein bis zwei Solarmodulen. Ein Modul hat circa. 300 Watt Nenn- leistung, ist ca. 1 x 1,70 Meter groß und wiegt bis zu 20 kg. Manche Systeme bestehen auch aus mehreren kleineren Modulen.

2 Wechselrichter

Er ist in das Solarmodul integriert oder separat befestigt, zum Beispiel am Modulrahmen.

3 Anschlusskabel

Vom Wechselrichter führt ein Kabel zu einer geeig- neten Außensteckdose.

4 Funktionskontrolle

Mithilfe eines Strommessgeräts – mit oder ohne Internetverbindung – können Sie prüfen, wie viel Strom produziert wird.

Informationen:

Die Energieberatung Köln der Verbraucherzentrale NRW e. V.
bietet auch kostenfreie Hausbesuche für einen Basis-Check für Mieter und Eigentümer an und verleiht Strommessgeräte. Die Beratung zu Gebäudedämmung oder modernen Heizungsanlagen für Eigentümer kostet 30 Euro, ist aber für einkommensschwache Haushalte ebenfalls kostenfrei.
Frankenwerft 35
50667 Köln
Tel. 0221 / 84 61 88 01
www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie

Hotline „Der Energielotse“
Tel. 0211 / 33 996 555
Mo–Fr 9–17 Uhr

Caritas Köln Stromspar-Check für Haushalte mit geringem Einkommen (z. B. KölnPass-Inhaber)
Sie erhalten hier gratis Energiespar-Artikel von LED-Birnen bis zum Wasserspar-Duschkopf im Wert von bis zu 70 Euro sowie bis zu 300 Euro Zuschuss für ein neues Kühlgerät.

rechtsrheinisch:
Gotenring 38, 50679 Köln
Tel. 0221 / 98 63 80 10
E-Mail: stromsparcheck@caritas-koeln.de

linksrheinisch:
Warthestr. 24
50765 Köln
Tel. 0221 / 708 85 35
E-Mail: stromspar-check-koeln@netcologne.de
www.caritas-koeln.de/hilfe-beratung/energiekosten-senken-stromspar-check/

Energieberatung der RheinEnergie
Tel. 0221 / 33 77 99 89
Mo–Fr 8–18 Uhr.
www.rheinenergie.com/de/ privatkunden/energieloesungen/ energieberatung/energieberatung.html

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