Ratgeber

Individuelle Grabgestaltung

Heidemarie Breer · 19.08.2021

Im Garten der Lichter auf Melaten kann man der Grabstätte trotz eines Gestaltungs- und Pflegekonzepts eine persönliche Note geben. Foto: Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner

Im Garten der Lichter auf Melaten kann man der Grabstätte trotz eines Gestaltungs- und Pflegekonzepts eine persönliche Note geben. Foto: Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner

Individuell wie das Leben werden heute auch Gräber gestaltet. Naturnähe und Digitalisierung spiegeln den Zeitgeist.

Seit einigen Jahren lässt es sich beobachten: Die Bestattungskultur ist vielfältig geworden, Grabgestaltung und Grabpflege haben sich auf allen Friedhöfen verändert. Es gibt keine verbindlichen gesellschaftlichen Vorgaben mehr, wie ein Grab auszusehen hat. Doch dürfen die örtlichen Friedhofssatzungen nicht gesprengt werden.

Klassische Grabstätten sind aus der Mode

Laut einer Studie des Max-Planck- Instituts ist dabei der Trend zur Individualisierung deutlich. Das hat verschiedene Gründe: Viele Menschen haben sich von den Riten der Kirche entfernt, dazu kommt die Auflösung traditioneller Familienverbände. Die Mobilität ist gestiegen, die Ausgabebereitschaft gesunken, und geänderte Bedürfnisse haben neue Angebote entstehen lassen.

Der „Gottesacker“ von früher, mittlerweile auch geschätzte grüne Lunge in der Großstadt, zeigt recht deutlich die Entwicklung der Abschiedskultur auf: Vorgegebene Traditionen und althergebrachte Muster sind weitgehend aus der Mode gekommen. Die klassische Grabstätte für den normalen Geldbeutel schaute einmal so aus: ein grauer Stein, meist mit Kreuz und minimalen Angaben zur Person: Name, wann geboren, wann gestorben. Davor Stiefmütterchen im Frühjahr, dann Sommerbegonie, dann Heide. Das war einmal.


Steinmännchen sind nicht nur dekorativ, sondern als Wegmarke oder Grenzpunkt auch symbolisch bedeutsam. Foto: Heidemarie Breer

In Stein gemeißelt

Die Grabstätten neuerer Zeit sehen anders aus. Sie „erzählen“ etwas über die verstorbene Person, ihre Vorlieben, ihre Persönlichkeit. Das beginnt beim Stein. „Die christliche Symbolik tritt immer mehr in den Hintergrund“, sagt Adelheid Biermann. Sie ist seit 26 Jahren selbstständig als Steinmetzmeisterin und bekommt zudem als Obermeisterin der Steinmetzinnung Köln Entwicklungen und Trends mit.

Möglichst individuell soll der Stein heute sein, so ihre Erfahrung, angefangen bei der Gravur: „Da sind Schreibschriften immer mehr gefragt.“ Lebensweisheiten, Zitate oder persönliche Abschiedsworte schlagen eine Brücke zwischen den Lebenden und den Toten. Weitere Entwicklungen: Naturfelsen haben an Beliebtheit gewonnen, mehrfarbige Steine und spezielle Formen, etwa ein Herz, oder Sockel, Pfeiler und Säulen ganz unterschiedlicher Ausprägung statt des traditionellen Rechtecks.

 

Materialien aus der Region

Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. So finden sich auf Kölns Friedhöfen zum Beispiel Leuchttürme oder Pyramiden. Auf heimische Materialien wird wieder mehr Wert gelegt, erläutert Biermann. Da hat die hiesige Region einiges zu bieten, wie etwa die Grauwacke, einen Sandstein aus dem Oberbergischen. Die Besinnung aufs Regionale sei unter anderem durch die Corona-Pandemie befördert worden: Es gab Lieferschwierigkeiten für die günstigere ausländische Ware.

Auch ein schlechtes Image fördert das Umdenken. Vor ein paar Jahren lösten preiswerte Steine aus Indien, wo häufig Kinder in Steinbrüchen arbeiten, Diskussionen in Köln aus. Sie mündeten darin, dass in die Friedhofssatzung die Empfehlung aufgenommen wurde, „von einer Aufstellung von Grabsteinen aus ausbeuterischer und Leben zerstörender Kinderarbeit freiwillig Abstand zu nehmen“.


Wie verwittertes Holz sieht der Grabstein aus. Die zwei Steine zeigen doch gleich, dass hier zwei begraben sind. Foto: Heidemarie Breer

Doch wann kann überhaupt der Grabstein aufgestellt und das Grab bepflanzt werden?

Ins Reich der Mythen gehört das Jahr Wartezeit. Letztlich hängt es von der Bodenbeschaffenheit ab, also wie schnell sich das Erdreich über dem Sarg setzt. Für Köln sind das etwa vier bis sechs Monate – die gehen von der Ideensuche bis zum Aufstellen des Steins ohnehin ins Land. Mit der Gestaltung eines Urnengrabs kann sogar gleich nach der Bestattung begonnen werden. Immer zählt aber die eigene Befindlichkeit, niemand ist zur Eile angehalten.

Urne oder Sarg

„Urnen können auf sehr verschiedene Weise bestattet werden“, erläutert Peter Figgen, im Grünflächenamt der Stadt Köln für die 55 städtischen Friedhöfe zuständig. So zum Beispiel pflegefrei an einem Baum oder in einem Bestattungsgarten, für den dann Pflegekosten anfallen. Die Nachfrage nach diesen Grabarten wächst.

Der Gedanke „weg vom klassischen Grab“ ist ebenso Grund dafür wie ein geringer Pflegeaufwand. Hinzu kommt aber auch die Freude an Gestaltungen nach vorgegebenen Themen wie Bauern-, Rosen- oder Lichtergarten, die sich auf dem eigenen kleinen Grabfeld gar nicht verwirklichen ließen. Ob man dann der Grabstätte doch noch eine ganz persönliche Note geben darf, hängt von den jeweiligen Standortregelungen ab und sollte rechtzeitig und umfassend abgefragt werden.


Liegt hier ein begeisterter Segler begraben? Die Liebe zum Meer ist für alle ersichtlich. Foto: Heidemarie Breer

Erlaubt ist, was gefällt? Die Friedhofssatzung

Wer die ganze Grabgestaltung selbst in die Hand nehmen möchte und dafür ein klassisches Wahlgrab erwirbt, der steht auf jeden Fall vor den Fragen: Was möchte ich, was darf ich, was ist möglich? Und will ich die Pflege später einmal an eine Firma vergeben? Wenngleich es keine wirklich unterhaltsame Lektüre ist, sollte die örtliche Friedhofssatzung gründlich studiert werden.

In Köln sind etwa die Verwendung von Torf, um das Grab abzudecken, und Gestecke und Sträuße aus nicht verrottbarem und nicht biologisch abbaubarem Material ausdrücklich untersagt, ebenso wie chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel. Die Werkstoffe für Grabmale sind ebenso vorgeschrieben wie die Maße der Beete und wie Einfassungen auf der Grenze des Grabbeetes zu verlegen sind.

Pflanzen, Kies und Schotter

Stehen Stein und Grabeinfassung, kann man mit der Pflanzenauswahl beginnen. „Wichtig für die gärtnerische Gestaltung ist es, die Bedingungen am Standort abzufragen“, erläutert Lutz Pakendorf vom Vorstand der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner. Entscheidend sind Licht- und Bodenverhältnisse: Liegt das Grab in der Sonne oder im Schatten, ist ein Baum in der Nähe, wie ist das Erdreich, nimmt es genug Wasser auf? Welche Bepflanzung harmoniert mit dem Grabstein? „Gräser waren früher selten, auch Stauden hat man kaum gehabt“, erläutert Pakendorf.

Im Trend lägen derzeit bunt durchmischte Strukturbeete, also Mischbepflanzungen, „als ob man einen kleinen Garten anlegt, maximale Vielfalt auf kleiner Fläche“. An bienenfreundliche Pflanzen dächten die Leute heute mehr und klimabedingt an sukkulente Pflanzen, Durstkünstler und solche, die an heiß-trockenes Klima angepasst sind: etwa Wollgarbe (Achillea), Kugelblume (Globularia), Ehrenpreis (Veronika) und Thymian.


Bunte Beete, die wie kleine Gärten wirken, eignen sich auch als Erstbepflanzung des Grabhügels. Foto: Heidemarie Breer

Insektenfreundlicher Lebensraum

Ordentlich Wärme vertragen auch die Katzenpfötchen (Antennaria dioica). Diese kriechende Staude lockt während der Blüte zwischen Mai und Juni Bienen und Schmetterlinge an. „Eine sehr schöne Lösung, mittlerweile recht verbreitet“, sagt der Friedhofsgärtner, ebenso wie wasserspeichernde Dickblattgewächse der Gattung Sedum.

Bei der Formgebung seien die Wünsche individueller geworden, so die Erfahrung von Lutz Pakendorf. Das kreisrunde Beet für die Wechselbepflanzung in der Mitte des Grabes werde oft abgelöst durch diagonale oder fließende Formen. Mittlerweile ist auch die Kombination aus Bepflanzung und kleinflächigen dekorativen Elementen aus Kies und Schotter beliebt. Pakendorf hält persönlich davon nicht so viel: „Das kann sehr gut aussehen, aber die Natur freut sich mehr über Pflanzen.“ Die ziehen auch viele Tiere an, und so ist für Insekten, Vögel, Eichhörnchen und Kaninchen der Friedhof ein toller Lebensraum.

Zeichen der Zeit: QR-Code



Der QR-Code am Grab von Marie- Luise Nikuta. Foto: Heidemarie Breer
  Auch die moderne Technik hält auf Gräbern Einzug: Seit 2014 ist es in Köln erlaubt, die Grabstätte mit einem QR-Code auszustatten (englisch für Quick Response = schnelle Antwort). Dazu wird er auf einem separaten Schildchen oder direkt auf dem Grabstein aufgebracht.


Der Scan mit dem Smartphone gewährt Einblick in das Leben der „Motto-Queen“ des Kölner Karnevals. Foto: Heidemarie Breer
  Kurz mit dem eigenen Smartphone erfasst, schon erscheinen auf dem Display Bilder, Botschaften und Biografisches über die Verstorbenen. Oder Lieder, wie beim Melaten- Grab von Marie-Luise Nikuta, der 2020 verstorbenen „Motto-Queen“ des Kölner Karnevals. Die Nachfrage nach QR-Codes ist bislang allerdings nicht sehr groß – wer weiß, vielleicht bleibt die letzte Ruhestätte doch noch eher der Ort stiller Zwiesprache.

 

In Köln und Umgebung bietet unter anderem die Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner und die Steinmetz und Bildhauer Genossenschaft „Rundum-sorglos-Pakete“ für Grabstellen in Ruhe- und Best attungsgärten an.

Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG
Tel. 0221 / 569 10 48-0
www.friedhofsgaertner-koeln.de

Steinmetz und Bildhauer Genossenschaft Köln eG
Tel. 02238 / 47 99-991
www.steinmetz-genossenschaft.de

Friedhofssatzung auf www.stadt-koeln.de

QR-Code
Bei der Zusammenstellung der Inhalte und Bereitstellung der Technik helfen Experten, in Köln etwa www.momente-weitergeben.de,
Tel. 0177 / 822 02 65.

Tag des Friedhofs am Sonntag, den 19. September
Der Aktionstag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Natürlich erinnern“. So wird es beispielsweise auf dem Friedhof Rodenkirchen, Sürther Straße, um 15 Uhr eine Führung inklusive Gärtnertipps mit Günter Leitner geben.
Anmeldung erforderlich: 0221 / 52 56 58.
Weitere Infos: www.bund-deutscher-friedhofsgaertner.de

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Tags: Bestattung , Friedhof , Grabgestaltung

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