Ratgeber

E-Bikes, Pedelecs und Lastenräder in Köln

Tim Farin · 13.09.2021

Das Kabinen-Pedelec bietet Platz für zwei, Sicherheit und Komfort – und ein Dach über dem Kopf. Foto: www.biohybrid.com.

Das Kabinen-Pedelec bietet Platz für zwei, Sicherheit und Komfort – und ein Dach über dem Kopf. Foto: www.biohybrid.com.

Immer neue Modelle machen das Fahrradfahren attraktiver. Mit Motorunterstützung, neuester Technik und Wetterschutz ersetzen sie im Stadtverkehr fast das Auto.

Die Verkehrswende verändert das Stadtbild. Am Stau vorbei strampeln, Alt und Jung auf Hollandrädern, Touren-Bikes und Rennmaschinen. In den nächsten Monaten werden wahrscheinlich weitere Gefährte über die Kölner Radwege rollen: Fahrräder, die mit ihren vier Reifen und der Überdachung allerdings eher wie kleine Autos aussehen, Fachbegriff: Kabinen-Pedelecs.

Der Anteil der Radfahrenden in Köln steigt nicht erst seit Corona rasant an, aber gerade die Pandemie hat den Trend noch mal befeuert. Nach viel Rückstau nimmt der Umbau der Rad-Infrastruktur im Stadtgebiet an Fahrt auf, die bundesweit überarbeiteten Verkehrsregeln machen die Bewegung für Alltags- und Freizeitradler potenziell sicherer und angenehmer – und immer neue Unterarten von Fahrrädern bieten Lösungen für den Mobilitätsbedarf aller Altersklassen.

Die mit einem elektrischen Motor betriebenen Pedelecs sind ein alter Hut, aber „mit ihrer Weiterentwicklung, mit technischen Innovationen wie einem Antiblockiersystem fürs Fahrrad, das vor Stürzen schützt, und auch mit spezialisierten Modellen wird das Fahrrad für immer mehr Menschen wieder attraktiv, die sich zuvor nicht mehr aufs Rad begeben haben“, sagt Hannes Neupert, einer der führenden Experten für Pedelecs in Deutschland.

E-Bike

wird oft als Überbegriff für Fahrräder mit Motorunterstützung benutzt, bezieht sich aber streng genommen nur auf bis zu 25 Stundenkilometer schnelle Räder, bei denen man nicht mittreten muss.

Pedelecs

Das sind die allermeisten Räder mit Motor. Sie bieten Motorunterstützung nur beim Treten – fahren also nicht ohne Muskelkraft. Ihre Geschwindigkeit ist auf 25 Stundenkilometer begrenzt.

S-Pedelecs

nennen sich Fahrräder mit E-Motor, die bis zu 45 Stundenkilometer schnell sind. Sie benötigen ein Kennzeichen und eine Versicherung sowie einen Führerschein der Klasse AM.

Kompakträder

sind kleine Räder, die sehr oft über Faltmechanismen verfügen und sich deshalb gut verstauen und transportieren lassen, etwa im Zug.

Kabinen-Pedelecs mit Platz für zwei Personen

Doch zurück zu Kabinen-Pedelecs. Ein Musterbeispiel für diese Fahrzeuge ist der überdachte Zweisitzer von Bio-Hybrid. Knapp unter 10.000 Euro kostet ein solches Fahrrad, bei dem die Muskelkraft durch den E-Motor unterstützt wird. Auf vier Rädern, mit Allwetterreifen und fest verbautem Licht bietet das Fahrzeug zudem eine vom Auto gewohnte Sicherheit. „Dieser Aspekt unserer Pedelecs spricht gerade ältere Menschen an, die sich oft im Straßenverkehr auf dem Rad unwohl fühlen“, sagt Jakub Fukacz, der für das junge Technik-Unternehmen spricht.

Die Kabinen-Pedelecs versprechen zugleich große Vorteile gegenüber dem eigenen Auto: Sie lassen sich sehr viel leichter parken und sind günstiger im Unterhalt: Rechtlich als Fahrrad betrachtet, fallen weder Kosten für Steuer noch für die Versicherung an. Zwar gibt es jedes Jahr unzählige Weiterentwicklungen für viele Zielgruppen, mit mehr Sicherheitstechnik und Komfort, doch das Beruhigende angesichts aller Neuerungen ist: Das Fahrrad ist immer noch ein Fahrrad. Das heißt: Auch Menschen, die den Wiedereinstieg suchen, können sich schnell mit jedem Rad zurechtfinden.

Nur mit welchem? Der Markt bietet eine Menge zum Ausprobieren. Und das sollte man auch, raten Experten. Am besten nimmt man ein Rad vom Händler mal für ein, zwei Tage zur Testfahrt mit nach Hause, fährt es auf unterschiedlichen Strecken mit Gepäck und probiert auch das technische Zubehör aus, etwa das Laden des Akkus.


Der tiefe Einstieg ist bequem und ermöglicht das Fahren oft bis ins hohe Alter. Foto: www.flyer-bikes.com

Kompakte Pedelecs zum Zusammenklappen

Eine Reihe von Tiefeinsteigern zum Beispiel lassen sich dank Motorunterstützung flüssig bewegen, sie halten auch bis zu 180 Kilogramm Gesamtgewicht aus. Diese Fahrräder sind für den Alltag geeignet, ermöglichen aber auch sportliches Fahren. „Sehr beliebt und für die Großstadt bestens geeignet sind auch die Kompakträder mit Motorunterstützung“, findet Technik-Experte Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) in Köln, selbst 72 Jahre alt und begeisterter Fahrer eines Isy-Kompakt-E-Bikes.

Mit seinen 20-Zoll-Rädern sowie Faltmechanismus für Lenker und Pedale lässt es sich problemlos in die Wohnung mitnehmen. Das ist bei vielen Rädern schwieriger, etwa bei den zunehmend beliebten Lastenrädern. „Man sollte darauf achten, dass sich der Akku leicht herausnehmen lässt, damit man ihn zu Hause laden und vor zu kaltem Wetter gut geschützt aufbewahren kann“, erklärt Behrendt.



Kompakträder lassen sich platzsparend falten – ideal für Auto und Bahn (Foto: Stephan Behrendt). Wer Enkelkinder oder Getränkekästen transportieren will, hat es mit einem E-Lastenrad leichter. (Foto: www.pd-f.de / Florian Schuh)

Der Umbau der Radwege

Der seit Jahren gewachsene, vom Motor-Rückenwind und neuen Nutzungsformen getriebene Rad-Boom hat auch in Politik und Verwaltung einiges bewirkt. Das lässt sich in Köln gut beobachten, die Stadt gilt weiterhin als Entwicklungszone, schneidet in Tests nicht gerade gut ab. „Es war fast vierzig Jahre lang nichts für die Fahrradfahrer gemacht worden“, erklärt der Kölner ADFC-Vorsitzende Christoph Schmidt. Der ADFC findet es nicht nur wichtig, dass jetzt einzelne Straßen zugunsten von Radfahrenden umgestaltet werden, sondern dass auch durchgängige Fahrrad-Achsen durchs Stadtgebiet entstehen.

Fortschritte sind zu sehen, aber gehen dem ADFC mitunter nicht schnell genug. Eine solche Strecke: die Verbindung vom Volksgarten bis zur Cäcilienstraße, die Stück für Stück umgestaltet wird. Aber das dauert. Lange haben Schmidt und seine Mitstreiter kritisiert, dass der Umbau der Verkehrswege vor allem ein bisschen Farbe auf der Straße bedeute. Doch mittlerweile hat sich in Köln mehr getan. „Verschiedene Abschnitte fügen sich immerhin zusammen“, erklärt Schmidt. Das Paradebeispiel sind die Ringe, wo es nun eine eigene, breite Infrastruktur für Fahrradfahrer gibt. „Gerade an Kreuzungen wurde die Sicherheit deutlich erhöht“, sagt Schmidt. So trauen sich heute Tausende Radler wieder auf die Fahrbahn, wo sie bis vor wenigen Jahren noch jenseits der Parkplätze über einen schmalen Radweg hoppelten und Rechtsabbieger fürchten mussten.


Die Karte zur vollständigen Ansicht finden Sie auf der Internetseite der Stadt Köln. Grafik: Stadt Köln / isttoype.com

Neue StVO-Regeln: mehr Abstand, weniger Wartezeit

Dauerthema sind die Regeln, die das Radfahren attraktiver machen sollen. Schon vor einem guten Jahrzehnt gab es ein wichtiges Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: Demnach gehören Fahrräder im Regelfall auf die Fahrbahn, nicht auf Wege daneben. Nur wenn die Stadt ein „blaues Schild“ postiert, müssen die Radelnden auch den Weg an der Seite nutzen. Beim ADFC sieht man das aber kritisch, weil man eher davon ausgeht, dass die Mehrheit der Menschen einen abgetrennten Radweg auf der Straße als sicherer empfindet und eher nutzen würde.

Neben dem grünen Pfeil für Radfahrende weist ein weiteres, neues Schild auf spezielle Parkflächen für Lastenräder hin, zum Beispiel in der City, nahe der Hohe Straße. „Solche Parkplätze werden immer wichtiger und wir hoffen, dass sie sich bald auch in den Veedeln finden lassen“, sagt Schmidt. Denn wo immer mehr Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen, wächst auch der Bedarf an sicheren Abstellmöglichkeiten. Und schaut man sich die neuen, autoähnlichen Modelle an, wird der Platzbedarf noch steigen.

 



Seit einiger Zeit ist es erlaubt mit dem Rad bei dieser zusätzlichen Beschilderung entgegen der Einbahnstraße oder in die Fußgängerzone zu fahren.
Foto: Martina Dammrat



Noch ein neues Schild: der „grüne Pfeil“ für Radelnde. Hier darf man bei roter Verkehrsampel vorsichtig rechts abbiegen.
Grafik: lufotopixl10/ stock.adobe.com


So werden Parkplätze für Lastenräder ausgewiesen.
Foto: fotohansel / stock.adobe.com

 

6 Tipps gegen Fahrraddiebe

1. Das richtige Fahrradschloß

Diebe brechen den Versuch, ein Fahrrad zu stehlen, in der Regel nach wenigen Minuten ab. Deshalb sollte man es ihnen so schwer wie möglich machen. Einfache Kabelschlösser, also mit Kunststoff ummantelte Stahlseile, sind zwar leicht, flexibel und günstig, mit einem Bolzenschneider jedoch schnell durchtrennt.
Mehr her machen da schon die sogenannten Panzerketten: robuste und schwere Stahlketten, die allein schon optisch Eindruck schinden. Diese eignen sich jedoch eher für den Einsatz zu Hause, denn die schweren Ketten sind recht umständlich zu transportieren.
Einen Kompromiss aus Flexibilität und Sicherheit liefern Faltschlösser, die aus einzelnen Stahlelementen bestehen. Zusammengeklappt lassen sie sich an einer Halterung am Rahmen platzsparend verstauen. Die höchste Sicherheitsstufe bieten die aus durchgängigem Stahl bestehenden Bügelschlösser. Allerdings sind auch diese recht schwer und wegen der starren Verarbeitung unflexibel.

2. TÜV-Siegel für mehr Sicherheit

Einen hohen Sicherheitsstandard versprechen Siegel wie das CE-Zeichen, die DIN-Kennzeichnung oder das TÜV-Siegel. Diese bestätigen, dass die Schlösser den geltenden EU-Richtlinien entsprechen. Besonders aussagekräftig ist das VdS-Gütesiegel, das nach umfangreichen Tests des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft vergeben wird. Doch auch ohne ein solches Siegel können Fahrradschlösser eine hervorragende Qualität aufweisen. Zur individuellen Beratung lohnt ein Gang zum Fahrradhändler des Vertrauens, dessen langjährige Erfahrung bei der Entscheidung helfen kann.

3. Korrekt anschließen

Schließen Sie ihr E-Bike oder Pedelec möglichst an belebten Plätzen und nicht in dunklen Seitenstraßen an, unter Beobachtung klaut es sich nicht gern. Ziehen Sie das Schloss immer durch den Rahmen und auf keinen Fall nur durch die Speichen, denn ein Vorder- oder Hinterrad ist schnell abmontiert. Laternenpfähle, Verkehrsschilder oder Brückengeländer bieten sich zum Festketten an, auf keinen Fall an niedrigeren Pollern oder flexiblen Drahtzäunen anschließen. Bei längeren Schlössern können auch schmale Bäume herhalten. Zu Hause sollten Sie, wenn vorhanden, das Bike im Fahrradkeller oder in der Garage unterbringen. Wenn Sie nicht zu weit oben wohnen, tragen Sie E-Bike oder Pedelec in die Wohnung. Hier bieten sich Falträder an.

4. Extra sichern

Wertvolle Teile wie Akku oder Display montieren Sie nach der Fahrt ab und nehmen sie mit nach drinnen. Wenn Sie unterwegs beim Parken und Zurücklassen des Bikes nicht immer den Akku ausbauen wollen, bieten sich die NCM-Bikes an: Deren Akkus lassen sich mit einem Schlüssel sichern und sind so besser vor Diebstahl geschützt. Lassen Sie zudem keine Wertgegenstände in den Satteltaschen zurück. Besonders teure Bestandteile wie Sättel sind oft nur mit Schnellspannern gesichert. Tauschen Sie diese schnellstmöglich gegen sichere Schraubsysteme aus.

5. Versicherungsschutz klären

Den Diebstahl von Fahrrädern, E-Bikes und Pedelecs deckt für gewöhnlich die Hausratversicherung ab. Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten: So greift der Versicherungsschutz oft nur beim Abstellen im abgeschlossenen Keller oder Fahrradraum. Auch sind für gewöhnlich die Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr nicht abgedeckt. Erweitern Sie deshalb Ihren Versicherungsschutz um den Außer-Haus-Schutz und verlängern Sie ihn auch auf die Nachtzeiten, wenn Sie Ihr Fahrrad regelmäßig draußen abstellen. Das ist bereits für einen geringen Aufpreis möglich. Besonders für E-Bikes und Pedelecs lohnt sich eine alternative Fahrradversicherung: Sie deckt auch Elektronikschäden ab und zahlt den vollen Preis bei Diebstahl des oftmals teureren elektrisierten Drahtesels

6. Registrierung

… Über die Rahmennummer kann Ihr E-Bike oder Pedelec nach Diebstahl zu Ihnen zurückfinden. Die aus Buchstaben und Zahlen bestehende Nummer wird im Internet registriert oder in einem Fahrradpass vermerkt und wird bei einer Diebstahlsanzeige bei der Polizei angegeben. Einzelne Polizeidienststellen bieten zudem eine Codierung an. Hierbei wird ein Code am oberen Ende des Sattelrohres eingefräst. Damit kann ebenfalls der Besitzer direkt identifiziert werden.

Quelle. LeonCycle

 

Wer sein Fahrrad vor Diebstahl schützen möchte, kann es beim Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Köln e.V. codieren lassen. Mehr Infos unter: www.kreisverbaende.adfc-nrw.de.


Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Köln e. V.
Mauritiussteinweg 11
Tel. 0221 / 32 39 19
Internetseite: www.kreisverbaende.adfc-nrw.de

Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Köln & Umgebung e.V.
Melchiorstraße 3
50670 Köln
Telefon: 0221 / 739 39 33
E-Mail: info@vcd-koeln.de
Internetseite: : www.nrw.vcd.org/der-vcd-in-nrw/koeln

Tipps der Polizei


Was darf das E-Bike im Straßenverkehr? "Elektrofahrrad aber sicher!" - Sehen Sie das Aufklärungsvideo der Polizei. Quelle: Polizei/Youtube

Mehr Tipps zur Vermeidung von Fahrraddiebstahl finden Sie auf der Internetseiite der Polizei: https://koeln.polizei.nrw/artikel/fahrraddiebstahl-ist-vermeidbar

Angebote der Stadt Köln

Fahrradbeauftragter der Stadt Köln
Stadthaus Deutz
Willy-Brandt-Platz 2
E-Mail: fahrradbeauftragter@stadt-koeln.de

Angebot des ADAC Nordrhein
Sie sind schnell – und schnell passiert etwas. Der ADAC Nordrhein übt Anfahren, Bremsen, Ausweichen und Verhalten in heiklen Verkehrssituationen. Pedelec und Helm müssen mitgebracht werden. 29 E. Anmeldung: 472 76 26 oder per Mail an vku@nrh.adac.de.
Aktuelle Termine finden Sie auf der Internetseite des ADAC: https://www.adac.de.

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Tags: E-Bike , Mobilität

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