Gesund leben

Gesund durch die Sommerhitze: mit Sonnencreme und mit "Drinke" von Klabes

Martina Dammrat · 15.06.2021

Wasser mit Minze, Limette oder Zitrone. Das ist lecker und gesund! Foto: Pixabay

Wasser mit Minze, Limette oder Zitrone. Das ist lecker und gesund! Foto: Pixabay

Lesen Sie außerdem Expertentipps zu Sonnenschutz, Ernährung und Mineralhaushalt.

Viele Menschen leiden unter der Sommerhitze. Auf was man achten sollte, besprach KölnerLeben mit Dr. Jochen Hoffmann, dem Leiter des Zentrums für Altersmedizin am Malteser Krankenhaus St. Hildegardis.

Herr Dr. Hoffmann, ist heißes Sommerwetter für manche Menschen wirklich gefährlich?
Ja, in gewisser Weise schon. Besonders ein älterer oder geschwächter Körper stellt sich langsamer auf Veränderungen ein – das bedeutet, diese Menschen haben bei hohen Temperaturen mehr Schwierigkeiten, alle Körperfunktionen aufrechtzuerhalten und zu regulieren. Dazu gehören der Stoffwechsel, der Salz- und Mineralhaushalt, die Körpertemperatur und der Flüssigkeitshaushalt. Riskant ist auch, wenn das Durstgefühl nachlässt.

Welche Risiken drohen genau?
Ein geschwächtes Herz-Kreislauf-System reagiert zum Beispiel mit Schwindel, Ohnmacht, aber auch Herzjagen oder Herzrhythmusstörungen. Auch Herzinfarkt und Schlaganfall können eher auftreten. Eine Nierenschädigung wird bei Flüssigkeitsmangel schnell zum Nierenversagen. Sommerliche Hitze kann also für einen älteren Menschen eine wirkliche Herausforderung sein.

Worauf muss man konkret achten, wenn die Temperaturen steigen?
Grundsätzlich ist die wichtigste Regel: bewusst und genug trinken. Ausreichend heißt: zwischen 1,5 und 2 Litern am Tag zu sich nehmen. Wichtig ist, bewusst zu trinken – auch wenn man vielleicht gar keinen Durst verspürt. Dabei kann es helfen, einige Tage lang ein Trinkprotokoll zur Selbstkontrolle zu führen.

Erfrischung zwischendurch:
Die kölsche Band Klabes mit dem Musikvideo "Drinke"!


Die Band Klabes produzierte für das Projekt "Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter" den Projektsong "Drinke". Er besingt in kölscher Sprache wie man sich vor sommerlicher Hitze schützt. Quelle: Klabes auf Youtube

Welche Getränke eignen sich besonders gut?
Ideal sind natürlich Mineralwasser, aber auch Tees oder Saftschorlen. Zu jeder Tasse Kaffee sollte man ein Glas Wasser trinken und Alkohol in großen Mengen meiden. Trotzdem muss niemand auf sein Kölsch am Abend verzichten. Wenn er vorher genug Gesundes getrunken hat.

Sollten die Getränke gekühlt sein?
Besser sind lauwarme Getränke. Auf kalte reagiert der Körper mit zusätzlicher Wärmeproduktion, die zum Schwitzen führt.

Gibt es auch für das Essen bei warmem Wetter Regeln?
Auch bei hohen Temperaturen sollte man das Essen nicht vergessen! Da bei starker Wärme der Appetit eher gezügelt ist, empfehlen sich frische, möglichst fettarme und leichte Speisen. Mit Obst und Gemüse, Salaten und Milchprodukten bekommt der Körper neben Wasser auch die Vitamine und Energie, die er jetzt braucht.

Das klingt sehr nach den üblichen Ernährungstipps für gesundes Essen.
Bei extremen Temperaturen darf eine ausgewogene Ernährung auch einmal pausieren. Wer jetzt Appetit auf etwas stark Gesüßtes, Saures oder kräftig Gewürztes hat, sollte – und das entspricht nicht den gängigen Ernährungsempfehlungen – sich das gönnen. Für manche ist es auch angenehmer, viele kleine statt weniger großer Mahlzeiten zu essen.

Sollte man sich bei hohen Temperaturen bewegen?
Ein gemütlicher Spaziergang, am besten in den kühleren Morgenstunden, tut gut und ist gesund. Bei großer Hitze kann man auch einmal einen Tag faul bleiben. Auf jeden Fall sollte man bei Hitze extreme Belastung vermeiden – ein älterer Körper kommt da schnell an seine Grenzen.

Hilft es denn, die Beine hochzulegen?
Manche stellen ja die Füße in kaltes Wasser. Beides ist gut, aber mit unterschiedlicher Wirkung: Die Beine hochlegen hilft den Kreislauf zu stabilisieren. Kalte Fußbäder bewahren den Körper vor Überhitzung. Wichtig ist aber, dass die Fußbäder nicht zu lang sind und beides nicht zu oft gemacht wird.

Und wenn man unterwegs ist?
Am besten nimmt man eine Flasche Wasser mit und trinkt hin und wieder etwas. Luftige und leichte Kleidung aus Naturfasern ist empfehlenswert, denn Kunstfasern stauen die Körperwärme. Auch die Schuhe sollten luftig sein, damit das Blut gut zirkuliert.

Muss man beim Thema Sonnenschutz etwas Besonderes beachten?
Ältere Menschen reagieren noch empfindlicher auf Sonneneinstrahlung – deswegen sollte ein Hut oder eine Mütze aus hellem, leichtem Stoff getragen werden. Beim Sonnenbad oder auch bei längeren Aufenthalten draußen darf das Sonnenschutzprodukt je nach Hauttyp ruhig einen Schutzfaktor von 50 haben.

Das Gespräch führte Martina Dammrat.

Sonnenschutzcreme benutzen. So geht's richtig:


Endlich Sonne genießen. Auf den Schutz kommt es an. Foto: Pexels / Skitterphoto

Zu Beginn der warmen Jahreszeit: Tipps zur richtigen Handhabung von Sonnencreme vom Krebsifnormationsdienst des Deutschen Krebsforschungzentrums. Eincremen mit einer Sonnencreme oder -milch mit einem hohen Lichtschutzfaktor kann zumindest teilweise vor der schädlichen UV-Strahlung schützen. Das ist bekannt. Es gibt aber weitere Details und Hinweise, die zu beachten sind, um das Schutzpotenzial der Sonnencreme bestmöglich zu nutzen. Zum Beispiel sollten Sonnenschutzmittel 30 Minuten vor dem Aufenthalt im Freien aufgetragen werden. Erst danach hat sich die schützende Wirkung voll entwickelt.

Wieviel sollte es sein?

Empfohlen werden zwei Milligramm des Sonnenschutzmittels pro Quadratzentimeter Haut. Bei einem Erwachsenen entspricht das vier gehäuften Esslöffeln für den ganzen Körper. Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums meint dazu: „Meist werden Sonnenschutzmittel zu sparsam verwendet – nicht ohne Folgen. Denn wird zum Beispiel nur die Hälfte der empfohlenen Menge verwendet, verringert sich der Lichtschutzfaktor um zwei Drittel und es kommt viel schneller zu Sonnenbrand.“

Die Finger-Regel

Vier Esslöffel – und wie werden die bestmöglich auf dem Körper verteilt? Auskunft gibt die Finger-Regel, bei der als Maßeinheit für die Sonnencreme-Menge die Länge des Fingerendglieds („finger-tip“) eines Erwachsenen zugrunde gelegt wird. Und so geht es: Die zweieinhalbfache Menge eines „finger-tip“ wird auf Gesicht und Kopf aufgetragen, dreimal so viel auf jeden Arm, sechsmal so viel auf jedes Bein und die siebenfache Menge auf Oberkörper und Rücken.

Eincremen ist kein Freifahrtschein

Wichtig zu wissen: Sonnenschutzmittel, auch mit sehr hohem Lichtschutzfaktor, können die UV-Strahlung nicht komplett blockieren und ersetzen darum auf keinen Fall andere UV-Schutzmaßnahmen, wie Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Aufenthalt im Schatten. Um die Wirksamkeit des Sonnenschutzmittels zu erhalten, ist es wichtig, wiederholt nachzucremen. Aber Achtung: Nachcremen ersetzt nur die Sonnencreme, die zum Beispiel beim Schwimmen oder Schwitzen verloren gegangen ist – die Wirkdauer verlängert sich dadurch nicht.

Was machen mit Resten vom Vorjahr?

Wenn es noch Restbestände geben sollte: In einer aktuellen französischen Studie wurden erhöhte Gehalte an Benzophenon nachgewiesen. Die internationale Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) hat Benzophenon 2013 als möglicherweise krebserregend eingestuft. Fazit des Krebsinformationsdienstes: Eine Sonnencreme vom Vorjahr zu verwenden, ist vermutlich besser, als gar keine. Frische Produkte sollten aber bevorzugt eingesetzt werden. Alternativ kann auch auf eine Sonnencreme ohne Octocrylen zurückgegriffen werden.

UV-Strahlung nicht unterschätzen

Hauptrisikofaktor für schwarzen und hellen Hautkrebs ist die ultraviolette Strahlung durch intensive Sonnenbelastung. Mit mehr als 200.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung in Deutschland. An der gefährlichsten Form, dem malignen Melanom der Haut, erkrankten 2016 rund 23.200 Personen neu. Rund 3.000 verstarben daran. Gemäß dem gesetzlichen Früherkennungsprogramm haben Männer und Frauen ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Hautuntersuchung, zum Beispiel durch einen Dermatologen oder Hausarzt mit entsprechender Fortbildung.


Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.dkfz.de.

 

Beratungstelefon:

Der Krebsinformationsdienst beantwortet alle Fragen zu Krebs täglich von 8 bis 20 Uhr telefonisch unter 0800-420 30 40 oder unter der E-Mail-Adresse krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Weitere Informationen zum Thema: Verhalten bei Hitze

"Hitzeknigge" - eine Broschüre des Bundesumweltamtes - enthält wichtige Tipps, wie man sich vor extremer Hitze schützen kann und wie man sich am besten auf mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen einstellt. Herunterladen können sie die Übersicht auf der Webseite des Umwelt- und Verbraucherschutzamtes.

Interessierte für regelmäßige Hitzewarnungen können den Newsletter des Deutschen Wetterdienstes abonnieren.

Ältere und chronisch erkrankte Menschen gehören zur Hauptrisikogruppe für einen schwerwiegenden Covid19-Erkrankungsverlauf. Sie müssen daher besonders geschützt werden – sowohl vor einer Infektion als auch vor Hitzebelastungen. Das Klinikum Uni München hat deshalb eine Broschüre unter dem Titel „Gut durch die Sommerhitze während erhöhten Infektionsschutzes“ herausgebracht. Auch pflegende Angehörige, Pflegekräfte und Ehrenamtliche finden hier viele nützliche Tipps für den Alltag.

Das könnte Sie auch interessieren:

Bereiten Sie frische und gesunde Speisen mit saisonalen Wildpflanzen: Nicht nur ein Augenschmaus

Trinken Sie viel Wasser, denn es ist gut: Dat Wasser vun Kölle

Tags: Gesundheit , Hitze

Kategorien: Gesund leben