Gesund leben

Online Arztbesuch: Fernsprechstunde per Videotelefonie

Ulrike Süsser · 04.03.2022

Foto: Agenturfotografin / AdobeStock

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Wer medizinischen Rat braucht, muss nicht unbedingt das Haus verlassen. Immer mehr Ärzte bieten eine Visite zu Hause an – via Smartphone oder Tablet.

Eigentlich besucht Christine L. gerne die Sprechstunde ihrer Hausärztin. Diese nimmt sich immer viel Zeit für sie, vieles kann die 72-Jährige in Ruhe ansprechen. Aber manchmal ist ihr die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu aufwendig, und nicht selten sitzt sie lange im Wartezimmer.

Allerdings muss sie regelmäßig kontrollieren lassen, ob ihre Wunde gut abheilt. Telefonisch geht das schlecht. Aber bei einer Videosprechstunde ist das möglich. Erst vor kurzem hat sie von solchen Online-Sprechstunden gehört, bei denen sich Ärzte auf der einen Seite und Patienten auf der anderen am Bildschirm von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen – ohne Maske und ganz entspannt. Christine L. informiert sich bei ihrer Praxis – ja, dort besteht diese Möglichkeit.

Nur wenig Technik notwendig

Eine gewisse technische Ausstattung braucht sie aber: einen Computer mit fest eingebauter oder stationärer Kamera, Mikrofon und Lautsprecher. Oder einen Tablet- PC. Oder ein Smartphone. Und natürlich eine Internetverbindung. Christine L. hat ein geeignetes Handy, und sie verabredet mit der Sprechstundenhilfe einen Termin.

Datum und Uhrzeit werden ihr mitgeteilt, und gleichzeitig erhält sie eine Internetadresse sowie einen Code. Sie wird darüber aufgeklärt, dass die Adresse zu einem Internetanbieter gehört, mit dem die Praxis zusammenarbeitet. Er ist zertifiziert und gewährleistet einen sicheren Datenschutz. So wird das Arztgeheimnis gewahrt.

Kosten übernimmt die Krankenkasse

Vor dem Termin bereitet sich die Patientin auf den virtuellen Arztbesuch vor, sie legt ihr Smartphone bereit und sorgt für eine ruhige Umgebung. Ein paar Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit meldet sie sich bei der Internetadresse mit dem Code an. Am Handy-Bildschirm erscheint ein Formular, in das sie ihren Namen eingibt. Dann wartet sie im „Online-Wartezimmer“, bis ihre Ärztin zu hören und zu sehen ist.

Sie sprechen miteinander, Christine L. zeigt ihre Wunde. Nach zehn Minuten ist die Sitzung vorüber. Kosten entstehen der Patientin nicht, die Videosprechstunden werden bei gesetzlich Versicherten von der Krankenkasse übernommen.

"1.000 Kölner Arztpraxen bieten Telesprechstunden. Darunter sind rund 750 Psychotherapie-Praxen.

Rasantes Wachstum: waren es 2019 erst 500 digitale Visiten, sind es 2021 schon 380.000.“

(bezogen auf Bezirk Nordrhein, Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein/KVNO, Stand: November 2021)

Einfache Kontrollen und Krankschreibungen

„Natürlich eignet sich die Videosprechstunde nicht bei Verdacht auf eine akute Blinddarmentzündung oder wenn bei starken Halsschmerzen ein tiefer Blick in den Rachen erforderlich ist“, sagt Dr. Christian Flügel-Bleienheuft. Er ist niedergelassener Internist und Vorsitzender des Gesundheitsnetzwerkes Köln-Süd (GKS), dem zahlreiche Ärztinnen und Ärzte angeschlossen sind.

Er hält diese Art der Versorgung vor allem bei Bagatell-Erkrankungen, für Verlaufskontrollen zum Beispiel bei Wunden oder bei Krankschreibungen für sinnvoll. Und natürlich für Patienten, die das Haus nicht verlassen können oder wollen. „Das ist eine gute Entlastung für Arzt und Patient“, betont er.

Mit Telemedizin ist eine Menge möglich: Das Befinden kann abgefragt und der Allgemeinzustand bewertet werden. Die Ärzte beraten, hören zu, sprechen Handlungsempfehlungen aus oder verordnen Medikamente. Besonders oft wird dieser Weg für psychotherapeutische Sitzungen genutzt.

Nicht bei Schmerzen und im Notfall

Zusammenfassend kann man sagen: Videosprechstunden können und sollen immer nur eine Ergänzung zum persönlichen Arztkontakt sein. Ihre Grenze ist bei Schmerzen oder anderen Notfällen erreicht. Sie erlauben immer nur grobe Einschätzungen und ersetzen keine „echten“ Untersuchungen durch Abhören und Tasten und den Einsatz moderner Geräte wie Ultraschall und Röntgen.

Dennoch geht die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) davon aus, dass die Anwendung von Videotelefonie in Zukunft weiter wachsen wird. Bislang wird sie zwar vorwiegend von Jüngeren angewendet. Aber so wie Christine L. holen viele Ältere in der digitalen Welt rasant auf. Und Christine L. freut sich, den Nachmittag statt beim Arzt mit ihrer Enkelin zu verbringen.

Wer mehr über die Videosprechstunde wissen will, fragt am besten bei seinem Praxisteam nach oder informiert sich im Internet. www.kvno.de

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Tags: Arztbesuch , Smartphone und Tablet

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