Gesund leben

Brustkrebs-Früherkennung: Hand auf die Brust!

Lydia Schneider-Benjamin · 28.10.2021

Illustrationen: Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V.

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Brustkrebs ist die häufigste Tumorform bei Frauen. Inwiefern fördern Vorsorgeuntersuchungen die Heilungschancen? Lesen Sie eine Anleitung zur Selbstuntersuchung.

Um Brustkrebs zu entdecken, wird seit 2005 jede Frau im Alter ab fünfzig Jahren alle zwei Jahre zu einer kostenlosen Untersuchung eingeladen. Bei der Mammographie werden Brustgewebe und Brustwarze durchleuchtet. Durch die Röntgenuntersuchung können Ärzte Veränderungen im Gewebe schon früh erkennen. Und: Je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

Doch die Einladung zum Mammographie-Screening endet mit 69 Jahren. Aber endet in diesem Alter etwa auch das Risiko, zu erkranken? Mitnichten. Fakt ist: 2018 sind in Deutschland fast 70.000 Frauen und auch etwa 700 Männer neu an Brustkrebs erkrankt, gut ein Drittel davon war bei der Feststellung über siebzig Jahre alt.

In Köln wurde 2017 in dieser Altersgruppe bei 869 Frauen erstmals ein Mammakarzinom diagnostiziert, 189 verstarben. Das Risiko für Frauen über siebzig zeigt auch eine 2020 veröffentlichte Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zur Brustkrebs-Sterblichkeit bei älteren Frauen. Sie vergleicht zwischen Deutschland und den USA. Die größten Unterschiede beobachteten die Forscher bei Patientinnen, die siebzig Jahre und älter waren. Im Jahr 2015 lag die Neuerkrankungsrate in dieser Altersgruppe in Deutschland um 19 Prozent niedriger, die Sterblichkeit jedoch um 45 Prozent höher als bei den US-amerikanischen Frauen.

Versorgung bei Brustkrebs ist gut

„Die Unterschiede in der Brustkrebs-Sterblichkeit bei älteren Frauen lassen sich nicht durch Unterschiede in der Qualität der Krebsversorgung erklären“, betont Studienleiter Hermann Brenner. „Die Ergebnisse unterstreichen einmal mehr, wie wichtig Vorsorge und Früherkennung für eine verbesserte Krebsbekämpfung sein können.“ Hier sieht der Vorsorgeexperte gerade in Deutschland noch weiteren erheblichen Forschungsbedarf.

Auch der Coautor der Studie, Alexander Katalinic, sieht Handlungsbedarf: „Auf Basis der Studienergebnisse sollte auch darüber diskutiert werden, ob das deutsche Mammographie-Screening nicht zu früh, nämlich schon mit 69 Jahren, endet“, gibt er zu bedenken.

Es gibt aber auch Stimmen gegen eine routinemäßige Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung ab siebzig. Diskutiert wird, ob alle im Frühstadium erkannten Tumore tatsächlich den Betroffenen langfristig geschadet hätten. Zwar lassen sich auch bei den über Siebzigjährigen Tumore mit der Mammographie gut erkennen. Aber: Der Brustkrebs ist in diesem Alter meist nicht die Todesursache. Der Tumor hätte in den meisten Fällen sogar keine Beschwerden verursacht. Damit die Frauen nicht unnötig behandelt werden, raten manche Experten von der Mammographie ab siebzig ab.

Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust

1. Stellen Sie sich vor einen Spiegel. Hat sich die Brust in ihrer Form oder im Umfang verändert? Gibt es Hautveränderungen?
Illustration: Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V.

2. Mit hochgestreckten Armen: Sind Veränderungen wie Hautfalten, Hauteinziehungen oder Verwölbungen zu sehen?
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3. Erscheint eine Flüssigkeit durch Drücken der Brustwarze, die andersfarbig ist als „weiß“?
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4. Beide Brüste mit allen Fingern der flachen Hand abtasten – die rechte Brust mit der linken Hand, die linke Brust mit der rechten Hand.
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5. Im Uhrzeigersinn vorgehen – jeweils ein Viertel der Brust abtasten. Gibt es Verhärtungen, Knötchen oder empfindliche Stellen?
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6. In Rückenlage die Arme nach unten und oben heben. Sind Veränderungen oder Verdickungen zu spüren? Auch die Achselhöhlen abtasten.
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Seinen eigenen Weg zur Diagnose finden

Jede Frau sollte sich also ruhig einmal fragen, wie sie – ihrem Alter entsprechend – mit einer etwaigen Brustkrebs-Diagnose umgehen würde. Wer sich nicht mehr die je nach Fortschritt des Tumors mehrstufige und kräftezehrende Therapie antun möchte, vermisst die Einladung zum Mammographie-Screening vielleicht nicht. Wer aber Klarheit haben möchte, kann sie jederzeit bekommen. Denn natürlich haben Sie auch ab siebzig einen Anspruch auf eine jährliche Tastuntersuchung der Brust bei einem Gynäkologen.

Ist der Befund auffällig, wird bei Frauen jeden Alters eine Mammographie zur Überprüfung der Diagnose veranlasst. Klar ist: Jede Frau muss für sich selbst abwägen, ob und wie umfänglich sie Bescheid wissen will. Wie weit sie eine Therapie mitmachen möchte. Ob das Wissen um die potenzielle Brustkrebsdiagnose für sie belastend ist, ihre Lebensqualität womöglich schmälert, wenn sie eine Therapie ohnehin ablehnt.

Ein guter Mittelweg zwischen Mammographie und Nichtstun können regelmäßige Tastuntersuchungen sein. Jede Frau kann sie einfach selbst zu Hause durchführen. Für die nächsten Schritte bleibt dann noch genug Zeit.

Krebsinformationsdienst
Tel. 0800 / 420 30 40 (täglich, 8–20 Uhr)
E-Mail: krebsinformationsdienst@dkfz.de

Brustkrebs Deutschland e. V.
Kostenloses Brustkrebstelefon: 0800 / 011 71 12
Mo 17.30–19 Uhr (ärztliche Telefonsprechstunde)
www.brustkrebsdeutschland.de

Präventionsblatt „Brustkrebs erkennen“
Zu bestellen bei der Deutschen Krebshilfe unter Tel. 0800 / 80 70 88 77
(Mo–Fr 8–17 Uhr)
Sie können die PDF hier herunterladen. (554 KB)
Mehr Infos auf www.krebshilfe.de.

Psychosoziale Krebsberatungsstelle Köln des Vereins LebensWert e. V.
Verschiedene Außenstellen in Kölner Krankenhäusern, weitere Informationen unter Tel. 0221 / 47 89 71 84
Mo–Do 9–16 Uhr, Fr 9–13 Uhr
www.vereinlebenswert.de

Zertifizierte Brustkrebszentren Köln
Gibt es im Heilig Geist-Krankenhaus, Universitätsklinikum, St.-Elisabeth Krankenhaus und den Kliniken der Stadt Köln in Holweide.

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Tags: Krebsdiagnose , Vorsorge

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