Leben in Köln

Wo Silberrücken sich wohl fühlen

David Korsten, KölnerLeben Ausgabe 2/2017 · 03.01.2018

Alltag und Alter im Veedel Riehl. Foto: Volker Dennebier

Alltag und Alter im Veedel Riehl. Foto: Volker Dennebier

Wenn es um Riehl geht, denkt man zuerst an Zoo und Flora. Aber der Stadtteil im Bezirk Nippes ist lebendig – für und mit Senioren allemal.

Im Osten der Rhein, im Süden die Innere Kanalstraße, im Westen die Amsterdamer Straße und im Norden der Gürtel: Diese Grenzen umschließen den Stadtteil, in dem die meisten hochaltrigen Bürgerinnen und Bürger Kölns wohnen: Jeder zehnte Riehler ist über achtzig! Überhaupt wohnen in kaum einem anderen Stadtteil mehr Seniorinnen und Senioren, und fast die Hälfte von ihnen lebt auf dem Gelände der Sozial-Betriebe-Köln (SBK). Mit 500 seniorengerechten Wohnungen und 603 stationären Pflegeplätzen bieten die SBK ihren Bewohnern ein lebenswertes Zuhause fürs Alter.

Wo jeder Dritte über sechzig Jahre ist, kommt dem Thema Lebensqualität mit seinen besonderen altersgemäßen Anforderungen eine große Bedeutung zu. Daher arbeitet Natascha Mark (SBK) seit März 2016 als Quartiersentwicklerin in Riehl. Sie setzt sich dafür ein, dass die Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. „Die Voraussetzungen dafür sind hier sehr gut“, sagt Mark. Grundsätzlich seien die Menschen sehr zufrieden. Dennoch könne man einiges verbessern. „Manche ältere Menschen wissen zum Beispiel nicht, dass die Angebote der SBK allen offen stehen – nicht nur den Bewohnern.“ Wichtig sei es daher, dass alle Senioren in Riehl von den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten erfahren und dass die unterschiedlichen Initiativen sich besser austauschen. Manchmal gehe es auch um kleinere, aber für die Lebensqualität wichtige Verbesserungen. So hätten viele Riehler den Wunsch nach einem Drogeriemarkt geäußert. Solch ein Laden fehle tatsächlich auf der Stammheimer Straße, bestätigen zahlreiche dort befragte Passanten.

Offenes Angebot, gute Versorgung

Das kleine Zentrum für Einkäufe in Riehl liegt nurwenige Gehminuten von den SBK entfernt. Bis auf den erwähnten Drogeriemarkt gibt es hier beinahe alle Geschäfte des täglichen Bedarfs, kleine Einzelhändler und Handwerksbetriebe. „Das ist sehr praktisch. Vor allem, wenn man wie wir nicht mehr sogut zu Fuß ist“, sagt eine 75 Jahre alte Anwohnerin.

Neben den Cafés und Bäckerläden auf der Stammheimer Straße ist der Riehler Wochenmarkt ein wichtiger Veedelstreffpunkt. Hier begegnen die Riehler mittwochs und samstags Bekannten und halten zwischen Obst- und Gemüsetheke, dem Käsewagen und vielen anderen Marktständen ein Schwätzchen. Auch Kölner aus anderen Stadtteilen bummeln an Markttagen regelmäßig über die Allee am Riehler Gürtel. „Ich bin wegen des Pferdemetzgers hier“, sagt etwa Herbert Meier (67) aus Niehl. „Bei uns gibt es solche Läden einfach nicht mehr.“

Riehler Senioren
Im grünen Riehl lassen es sich viele Senioren gut gehen. Foto: Volker Dennebier

Unkompliziert Barrieren beseitigen

Die Gewerbetreibenden sowie einige Privatleute haben sich 1989 zur Riehler Interessengemeinschaft (RIG) zusammengeschlossen. Alle Bürgerinnen und Bürger können ihre Anliegen und Vorschläge notieren und in den hölzernen Briefkasten einwerfen, der vor dem Laden von Karl-Heinz Lanz angebracht ist. Der Malermeister ist Vorsitzender der RIG und wohnt seit über40 Jahren im Veedel. „Meistens kommen die Menschen einfach zu mir herein und erzählen, was sie auf dem Herzen haben“, sagt er.

Kleinere Probleme ließen sich ganz unkompliziert regeln. Versperren beispielsweise Abfalltonnen den Senioren beim Überqueren der Straße die Sicht, schaffe schnell jemand Abhilfe. Für anderes brauche es mehr Zeit, sagt Lanz und nennt die Barrierefreiheit. So sei etwa die Haltestelle Slabystraße – unmittelbar am SBK-Gelände gelegen – nur über Treppen zu erreichen. Einen Aufzug oder Rolltreppen suche man dort vergebens. „Damit befasst sich aktuell eine Projektgruppe“, sagt der RIG-Vorsitzende. „Die Betroffenen gehen durchs Veedel und dokumentieren alle Stolperfallen.“ Das findet auch eine Spaziergängerin sehr wichtig, auch wenn sie selbst noch gut zu Fuß sei. „Ich genieße die Rheinauen, auch Zoo und Flora besuche ich häufig“, sagt die Siebzigjährige. Dorthin zieht es auch Menschen aus anderen Kölner Stadtteilen und von außerhalb, besonders an den Wochenenden. DiesePublikumsmagnete tragen viel zum hohen Erholungswert und zur Lebensqualität in Riehl bei – darin sind sich Bewohner, Besucher und Touristen einig.

In dieser Serie stellt KölnerLeben je ein Veedel aus jedem der neun Stadtbezirke vor:

Deutz
Dünnwald
Lindweiler
Neubrück
Godorf

Riehl in Zahlen
(in Klammern zum Vergleich immer kleinster und größter Wert in der Stadt Köln; Quelle:Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Stand: 31.12.2015)

Fläche: 2,39 Quadratkilometer
(Mauenheim 0,49 / Eil 16,25)

davon Erholungsflächen: 26 Prozent
(Immendorf 0,9 / Höhenberg 43,3)

Einwohner: 11.623 insgesamt

Einwohner je Quadratkilometer: 4.863
(Roggendorf 299 / Neustadt-Süd 13.596)

Alter: 3.918 (33 Prozent) älter als 60 Jahre
(Ehrenfeld: 15,3 / Heimersdorf 34,5)

Alle für Senioren wichtigen Adressen sind erhältlich beim Beratungstelefon für Senioren:Tel. 0221 / 221-2 74 00

Das Veedel im Internet

Tags: Stadtteile

Kategorien: Leben in Köln