Leben in Köln

Wo Puppen musizieren

Jürgen Schön-KölnerLeben Ausgabe 1/2017 · 16.03.2017

Musikautomat mit Puppe.Foto: Bettina Bormann

Musikautomat mit Puppe.Foto: Bettina Bormann

Wunderliche Dinge beflügelten die Sammlerlust eines Kölners.

Still, mit weißem Kleidchen, liegt es da in einem gläsernen Sarkophag: ein lebensgroßes Jesuskind. Doch plötzlich bewegt es die Augen und hebt die Arme. Kirchenmusik ertönt.

Dieser Musikautomat ist einer der wunderlichsten, die in dem kleinen Kölner Privatmuseum, der Sammlung Jacobi, zu sehen sind. Bekannter sind die großen Wurlitzer Jukeboxen, die noch in den 1960er Jahren in den Kneipen für Unterhaltung sorgten, sowie die Drehorgeln und Lochstreifen-Automaten. Fast 500 Objekte sind im Museum zu sehen und zu bestaunen. Zusammengetragen hat sie der inzwischen verstorbene Rolf Jacobi, Mitbesitzer des Modehauses Jacobi.

Enstanden ist eine außergewöhnliche Sammlung von Musikautomaten

Eine kleine Plattenspieldose der Firma Symphonion, ein Geschenk seiner Mutter, weckte Jacobis Leidenschaft für diese technischen Wunderdinge. Er begann zu sammeln – von der kleinen Handspieluhr bis zur großen Kirmesorgel. Heute gibt die Sammlung einen kompletten Überblick über alles, was sich Erfindergeist ausgedacht hat, um Musiker auf der Kirmes, im Gasthaus oder im heimischen Wohnzimmer durch Automaten zu ersetzen. So empfingen wohlhabende Gastgeber in England ihre Gäste im 19. Jahrhundert mit „God save the Queen“ – dank einer Salonorgel. Das älteste Stück stammt aus dem Jahre 1780: ein Kabinettschränkchen in Form eines Tempels mit Uhr. Jacobis Frau Heidi führt seit seinem Tod das Museum weiter, unterstützt von dem Ingenieur Rainer Scharl, der nicht nur dank seiner Mechanikkenntnisse eine große Hilfe ist.

Strickende Puppen

Besonders faszinierend ist die Technik, die die Musikautomaten zum Klingen bringt. Die Musik kann von Wachs- oder Metallwalzen, von Lochstreifen oder Platten erzeugt werden – allein bei den Platten wetteiferten 26 verschiedene Größen um die Gunst der Musikliebhaber. Manche Automaten sehen aus wie die „originalen“  Musikinstrumente, nur dass sich bei den Klavieren die Tasten wie von Geisterhand bewegen. Oder sie kommen in „Verkleidungen“ daher: Affen können Geige spielen, Harlekine um die Wette trommeln. Möpse, Schweine und Krokodile zeigen sich überraschend musikalisch. Auch aus Büchern kommt Musik. Ein Clown turnt eine Leiter hoch, eine Puppe im barocken Seidenkleid strickt ewig und endlos.

Lesen Sie weiter im Magazin KölnerLeben Ausgabe Februar/März 2017

Privatsammlung Jacobi
Linnicher Str. 52–54a
50933 Köln-Müngersdorf
Tel. 01 71 / 879 20 89

Besuch nur im Rahmen einer Führung: jeden letzten Sonntag des Monats um 11 und 15 Uhr, Eintritt 5 Euro.

Tags: Kultur