Leben in Köln

Kölner Tafeln: Verteilen statt Vernichten

pph · 25.12.2018

Fragen Porträt von Professor Stefan Selkean Prof. Stefan Selke (Foto: Neumann und Rodtmann), Soziologe und Autor. Er hat zu Tafeln geforscht und sich einen Namen als Kritiker der „vermeintlichen sozialen Bewegung“ geschaffen:

Warum sind Tafeln ein Problem?

Das ist ein privates Almosensystem mit vormodernem Charakter. Tafeln ersetzen schleichend grundgesetzlich garantierte Leistungen des Sozialstaates. Sie sind alles andere als eine soziale Bewegung. Ich sehe sie als moralische Unternehmen, die nach ökonomischen Kriterien arbeiten und vor allem die Helfer belohnen.

Die Tafeln sehen ihre Aufgabe pragmatisch darin, die Verschwendung von Lebensmitteln zu beenden und mit dem Überfluss Gutes zu tun.

Das ist nur oberflächlich plausibel. Die für die Lebensmittelindustrie imagefördernde und kostensparende Entsorgung der Überschüsse durch die Tafeln löst weder das Überschuss- noch das Armutsproblem ursächlich. Und darum sollte es gehen. Diese Verbindung ist nichts als ein PRErfolg der Tafeln.

Richtet aber auch keinen Schaden an, oder? Weil sie nicht verlässlich sind, könne sich niemand auf eine Versorgung durch sie verlassen, argumentieren die Tafeln.

Das mag das Selbstbild der Tafeln sein. Die Realität sieht anders aus. Unsere Forschungen zeigen, dass sich Menschen sehr wohl in der Welt der Tafeln einrichten. Das sind Parallelwelten, die sie von der Gesellschaft entkoppeln statt zu integrieren. Für mich ist es eine Schande, dass sich ein reiches Land wie Deutschland diesen Zivilisationsbruch leistet, ohne die Ursachen von Armut zu bekämpfen.

Informationen

Kölner Tafel e. V.
Kirschbaumweg 18a, 50996 Köln
Tel. 0221 / 35 10 00
www.koelner-tafel.de

Auf der Webseite der Kölner Tafel erfahren Sie alle Ausgabestellen. Eine Anmeldung und ein Nachweis der Bedürftigkeit sind erforderlich, dazu reicht der Köln-Pass, Hartz-IV- oder Rentenbescheid.

Tags: Ehrenamt

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