Leben in Köln

Nicht nur ein Augenschmaus

Jeanette Cwienk · 25.06.2019

Ein Chutney aus Löwenzahn, eine Suppe aus Brennnessel, ein Salat aus Giersch und Gänseblümchen – schon der Spaziergang und das Sammeln der Kräuter gehören zum Genuss. Foto: www.wilderwegesrand.de

Ein Chutney aus Löwenzahn, eine Suppe aus Brennnessel, ein Salat aus Giersch und Gänseblümchen – schon der Spaziergang und das Sammeln der Kräuter gehören zum Genuss. Foto: www.wilderwegesrand.de

Herrlich bunte Sommerwiesen laden ein zum Gaumenschmaus, denn viele Pflanzen sind essbar und gesund –aber welche?

Wer Ende Juni den Park von Schloss Türnich in Kerpen betritt, wird nicht nur von zwei imposanten Löwenfiguren empfangen, die das schmiedeeiserne Tor bewachen– es weht einem auch ein Willkommensgruß entgegen: Die Linden stehen in voller Blüte und verströmen einen betörenden süßlichen Duft. 111 dieser Bäumezählt die Allee im Park rund um das Wasserschloss.

Lindenblüten als Tee sind bekannt. Doch es gebe noch vielmehr verwendbare und essbare Blüten, sagt Wildkräuter-Expertin Tine Knauft. Die Kölnerin bietet unter dem Namen „wildes grün“ regelmäßig Kräuterspaziergänge rund um Schloss Türnich an.„Gänseblümchen und Margeriten schmecken mild nach Erbsen und peppen als Dekoration jedes Gerichtauf“, weiß Knauft. „Das Behaarte Franzosenkraut mit seinen kleinen weißen Blüten schmeckt nach Gurke und leicht nach Zitrone.“Seine zarten Blätter und Blüten dürfen roh in den Salat –die Stengel lassen sich wie Spinat zubereiten.

Auch die Blüten der weißen, gelben oder lilafarbenen Taubnesseln sind essbar. Wer einen Wildkräuterspinat plant, pflückt das obere Drittel der Taubnessel, behält die Blüten als Dekoration und gibt die Blätter zusammen mit zarten Löwenzahnblättern, Franzosenkraut oder Giersch in die Pfanne. Zwiebeln anbraten, Salz, Pfeffer, Weißwein dazu, und wer mag, nimmt etwas Muskatnuss, Knoblauch sowie Rahm oder Parmesan –fertig ist die warme Beilage aus„wildem Grün“.

Testen Sie Ihr Wissen über Wildpflanzen. Hier geht es zum Quiz.

Berührungsängste abbauen

Die Brennnessel etwa sei trotz ihres schlechten Rufs vielfältig einsetzbar und sehr gesund, erklärt Knauft. Die Pflanze besitze viel Kieselsäure, wichtig für Haut, Haare und Bindegewebe. „Brennnessel schmeckt herzhaft in Omelette und gibt Risotto einen nussigen Geschmack“, schwärmt sie. Vielen Schmetterlingsarten dient sie zudem als Futterpflanze. Also: Brennnessel im Garten lieber essen als bekämpfen.

Dass man zahlreiche Pflanzen vom Wegesrand, aus Wald und Wiese einfach ernten und essen kann, ist vielen Menschen nicht oder nicht mehr vertraut. Doch einige ältere Teilnehmer erinnern sich noch aus ihrer Kindheit an das ein oder andere Wildkraut.

Anfängliche Berührungsängste bauen sich während des eineinhalbstündigen Spaziergangs schnell ab. Manch einer traut sich auf der Runde durch den Schlosspark und das Gelände des angrenzenden Demeter-Betriebs sogar, ein paar Brennnesselblüten roh zu zerkauen. Anders als die Blätter und Stengel haben die nämlich keine Brennhaare. Mit ihrem Wissen will die Kölnerin ihre Teilnehmer wieder näher an das uns alltäglich umgebende Grün heranführen. „Mir ist es wichtig, mehr Bewusstsein für das Zusammenspiel von Mensch und Natur herzustellen und zu vermitteln, welchen Wert jede Pflanze in unserer Umgebung hat“, betont Knauft. Dazu zähle auch der Wert als Nahrungsmittel für den Menschen.

Nach der Tour stellt die Gruppe in einem halbstündigen Workshop ein Wildkräutersalz oder einen Wildkräutersalat her, der dann gemeinsam gegessen wird. Neben den Touren bietet Knauft auch Workshops an, in denen Produkte aus Wildkräutern hergestellt werden: Holunderblütenessig im Frühling, rosa Malvensalz oder Pesto aus Franzosenkraut, Giersch und Brennnessel im Sommer, Wildbeeren-Chutney im Herbst – was die Teilnehmer anschließend mit nach Hause nehmen, hängt immer von der Jahreszeit ab.

Probieren Sie das Wildkräuter-Rezept von Jean-Marie Dumaine

Wildkräuter de luxe im Ahrtal

Wie sich heimische Wildkräuter und französische Spitzenküche vereinen lassen, zeigt Wildkräuterkoch Jean-Marie Dumaine den Besuchern seiner Kräuterexkursionen im Ahrtal. In seinem Restaurant Vieux Sinzig im gleichnamigen Städtchen an der Ahrmündung kredenzt Dumaine einmal im Monat ein Wildkräuter-Menü. Schlemmen können Gäste zudem auf Dumaines Exkursionen.

Im Juni wird hoch oben auf der Burgruine Olbrück in der Vulkanregion Laacher See gespeist. Vorher aber lernen die Gäste alles über die Wildkräuter des Mittelalters kennen. Einer der Kräuter-Stars: der Beifuß. Ihn könne man getrocknet als Backzutat für herzhaftes Brot oder als Panade verwenden, sagt Dumaine. Als Kräuterwein sorge er für gute Verdauung.

Im August wird unten am Fluss getafelt. Auf der Uferwanderung geht es zuvor durch die Rheinauen und am Ufer der Ahr entlang. Auch Dumaine ist übrigens ein großer Fan der Brennnessel. „Mein selbst gebackenes Brot würze ich mit Blättern, Blüten und Samen“, erzählt der Koch. Auch ins hauseigene Wildkräuterpesto wandern Brennnesselsamen. Aus den Stielen kocht der Franzose einen dicken Sirup, der geschmacklich an Rüben- oder Apfelkraut erinnert. Brennnesselbrot mit Brennnesselaufstrich beim Picknick neben den Brennnesseln am Ahrufer – Wildkräuter-Erfahrung pur.


Kräuterwanderungen in und rund um Köln

 

wildes grün

Kräuterwanderungen und Workshops auf Schloss Türnich

Tine Knauft

Tel. 0176 / 34 68 04 66

http://www.wildkraeuterei-koeln.de

 

Wildkräuterei Köln

Kräuterkochkurse und Workshops in Köln

Mica Frangenberg

Tel. 0179 / 118 49 39

E-Mail: info@wildkraeuterei-koeln.de

www.wildkraeuterei-koeln.de

 

Vieux Sinzig

Wildkräuter-Restaurant und Kräuter-Exkursionen im Ahrtal

Jean-Marie Dumaine

Tel. 02642 / 427 57

www.vieux-sinzig.com

 

Die Autorin Jeanette Cwienk betreibt einen Blog zu „grünem Leben“.

http://www.wilderwegesrand.de

Tags: Kochen , Wildkräuter

Kategorien: Raus aus Köln