Leben in Köln

Kontakte löten und knüpfen

Frank Brehm-KölnerLeben Ausgabe 3/2017 · 30.05.2017

Defekte Geräte werden im Repair Café zu neuem Leben erweckt. © Frank Brehm

Defekte Geräte werden im Repair Café zu neuem Leben erweckt. © Frank Brehm

Der Toaster wird nicht mehr heiß, der Henkel der Handtasche ist abgerissen. Ab in den Müll damit? Wegwerfen ist oft eine schlechte Idee, seit es Repair Cafés gibt.

Die 61-jährige Heidi Kohlmann aus Bayenthal besuchte vor gut einem Jahr zum ersten Mal das Repair Café im Bürgerhaus Stollwerck. Sie hatte den Tipp von einem Bekannten erhalten und brachte ihr geliebtes Küchenradio mit. Das hatte ihr fast zwei Jahrzehnte gute Dienste geleistet, doch plötzlich gab es nur noch ein schwaches Rauschen von sich. „Die Reparatur war eine Sache von zehn Minuten. Ein Kontakt hatte sich gelöst und musste wieder angelötet werden. Dann lief es wieder“, freut sich Heidi Kohlmann heute noch. Sie besucht regelmäßig das Repair Café, auch wenn sie nichts zum Reparieren hat.

Müllvermeidung leichtgemacht

Ob Lampe, Kopfhörer, Bügeleisen oder CD-Player - defekte oder nicht mehr einwandfrei funktionierende Geräte wandern heutzutage meistens wie selbstverständlich in den Müll. Sogar liebgewonnene Dinge, von denen man sich eigentlich nicht trennen möchte, weil sie mit schönen Erinnerungen an besondere Menschen, Orte oder Zeiten verbunden sind. Garantieansprüche existieren nicht mehr, und mögliche Reparaturen oder gar der Neukauf erscheinen viel zu teuer. Ganz zu schweigen davon, dass gerade die neue digitale Technik häufig im billigen Plastikgewand daherkommt und gar keine Reparatur mehr möglich macht.

„Den Leuten kann geholfen werden und gleichzeitig der Umwelt“, sagte sich die Niederländerin Martine Postma vor gut einem Jahrzehnt und organisierte 2009 das erste offizielle Repair Café in Amsterdam. Mit so großem Erfolg, dass die Idee auch nach Deutschland kam. Inzwischen gibt es auch Repair Cafés in Köln. Hier tritt man nicht nur der Wegwerfgesellschaft entgegen, sondern steht auch füreinander ein. Jasmin Klein betreut das Repair Café im Bürgerhaus Stollwerck und verdeutlicht die Grundidee: „Auf der einen Seite haben wir unsere ehrenamtlichen Reparateure, auf der anderen unsere wissbegierige „Kundschaft“. Und alle haben Spaß miteinander, selbst wenn ein Problem mal nicht gelöst werden kann.“

Eine clevere Idee macht Schule

Meistens dreht es sich um elektrische Geräte, aber auch kaputte Spielzeuge, Fahrräder oder Kleinmöbel können mitgebracht werden. Der „Kunde“ ist beim Reparaturvorgang immer mit dabei und lernt so etwas über Technik, Materialien, Werkzeuge und die entsprechenden Handgriffe. „Grundsätzlich ist jede Reparatur kostenlos und schont damit ganz klar den Geldbeutel“, betont Jasmin Klein. „Natürlich müssen wir uns auch finanzieren. Für benötigte Spezialwerkzeuge und Verbrauchsmaterial, aber auch für die Bewirtung stellen wir deshalb immer eine Spendenbox auf.“ Ohne die ehrenamtlichen Fachmänner und -frauen liefe in den Repair Cafés natürlich nichts. Ob Elektriker im Ruhestand, ausgewiesener Computerexperte oder erfahrener Hobbybastler - jeder kann sich für die gute Sache einbringen. Es spielt keine Rolle, ob sich die Reparateure ihr Wissen beruflich oder privat angeeignet haben. Wer eine mitunter harte Nuss knacken und sein handwerkliches Können unter Beweis stellen möchte, sich gerne für mehr Nachhaltigkeit einsetzt oder anderen Menschen hilft, ist hier richtig aufgehoben. Manch einer ist froh, auf diese Weise sein Wissen weitergeben zu können, wieder mehr Liebe zum Detail sowie mehr Bewusstsein für den Wert der Dinge zu schaffen.

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