Leben in Köln

Ich bin dann mal im Netz!

Frank Brehm-KölnerLeben Ausgabe 6/2017 · 04.01.2018

Foto: fotolia / Teodor Lazarev

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Keine Frage: Das Internet hat unsere Welt verändert. Um den Anschluss an die digitale Welt zu suchen, gibt es viele gute Gründe. Und mit etwas Mut und Unterstützung ist es sogar kinderleicht.

Erika Löhr ist 75 und wohnt allein im beschaulichen Auweiler. „Ich wusste erst gar nicht, was überhaupt eine Maus ist“, sagt sie schmunzelnd und bedient ihr Notebook, als wäre sie damit groß geworden. Tatsächlich hat sie ihr Sohn erst vor drei Jahren auf die Idee gebracht, einen Computer anzuschaffen und damit ins Internet zu gehen. „Oft mache ich tatsächlich Spiele, die meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen“, so Löhr. „Ich schlage aber auch gerne Dinge nach, die ich im Fernsehen gesehen habe, um mehr darüber zu erfahren. Und ich nutze sehr oft die Fahrplanauskunft oder Stadtpläne, um mich zu orientieren.“ Die Rentnerin bedauert es, dass sie nie einen Computerkurs besucht hat. „Wenn ich Fragen habe, erklären meine Kinder mir das, aber die wohnen weiter weg und sind natürlich nicht ständig erreichbar.“ Das mit dem Kurs will Erika Löhr so schnell wie möglich nachholen, damit sie sich künftig auch Dingen wie dem Internetbanking widmen kann. „Ich muss tatsächlich über zehn Kilometer zu meiner Bankfiliale fahren, um eine Überweisung zu tätigen“, ärgert sie sich.

Illa Decker aus Holweide kennt sich bereits wesentlich besser in der digitalen Welt aus. „Kurz vor meiner Rente bekam unsere Firma einen Internetanschluss. Mehr als fünfzig Jahre habe ich dort als Buchhalterin gearbeitet“, sagt sie. Sie besucht einen Anwenderkurs für Fortgeschrittene im SeniorenNetzwerk Holweide, dem ältesten seiner Art in Köln. „Ich habe damals schnell Feuer gefangen. Allein das Online-Banking war für mich als Buchhalterin schnell eine große Hilfe“, erzählt die 82-Jährige. Heute begeistert sie im Freundes- und Familienkreis vor allem mit ihren Foto-Collagen von gemeinsamen Ausflügen und Reisen. „An mir ist im hohen Alter noch eine echte Künstlerin verlorengegangen“, lacht sie.

Wer nutzt was? Eine Studie bringt Klarheit.

Im Rahmen des Projekts „Digital mobil im Alter – Tablet-PCs für Senioren“ hat der Telekommunikationsanbieter Telefónica gemeinsam mit der Stiftung Digitale Chancen kürzlich eine Studie durchgeführt. Diese zeigt auf, inwieweit ältere Menschen digitale Medien nutzen. Die mit 93 Prozent häufigste Antwort lautete „Mit dem Internet kann ich mein Wissen erweitern und immer noch dazulernen.“

Über 80 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihnen ihre Online-Aktivität viel Lauferei ersparen und ihre Selbstständigkeit stärken würde. Zwei Drittel nutzen darüber hinaus moderne Kommunikationsmöglichkeiten wie E-Mail, um mit Familienangehörigen und Freunden in Kontakt zu bleiben.

Im Rahmen der Studie hatten Internetneulinge im Alter von über siebzig Jahren zudem acht Wochen lang die Gelegenheit, das Internet unter fachkundiger Anleitung für sich zu entdecken. Tatsächlich haben die Teilnehmer während dieser Zeit die meisten Vorurteile über Bord geworfen – etwa, die digitale Welt sei zu kompliziert und brächte keinen Mehrwert. Mit etwas Übung informiert man sich im Internet genauso einfach wie mit Stadtplänen, Fernsehzeitschriften oder Telefonbüchern.

Bild:Foto: fotolia / TatianaK 

Von kinderleicht bis etwas komplizierter

Das Internet ist nicht nur etwas für Computerbesitzer. Die meisten Menschen gehen heute über ihr Smartphone ins Netz, ein modernes Handy, mit dem sich natürlich auch ganz normal telefonieren lässt. Zahlreiche Anwendungen, die sogenannten Apps, versorgen den Nutzer darüber hinaus mit allen gewünschten Informationen. Besonders hilfreich sind Orientierungshilfen wie Google Maps, also Kartendienste, die unterwegs in Echtzeit die schnellste Wegstrecke anzeigen. Auch lassen sich über das Smartphone von überall her E-Mails empfangen oder nützliche Internetseiten aufrufen. Oft auch in einer Version, die auf dem kleinen Bildschirm gut zu erkennen ist.

Wer Informationen jedweder Art sucht, wird im Internet schnell fündig. Dasselbe gilt für gern gehörte Musik, verpasste Fernsehsendungen oder aktuelle Nachrichten. Weniger geeignet ist das Smartphone, um im Internet einzukaufen, seine Bankgeschäfte zu erledigen oder eine Reise zu buchen. Dafür muss man ein Kundenkonto anlegen, das man mit einem Passwort schützt. Aber Smartphones bieten wenig Sicherheit bei der Datenübertragung. Besser geeignet für diese Art von sensiblen Geschäften sind ein Laptop oder ein PC.

Allen, die sich zu dem oft als heikel empfundenen Thema Sicherheit informieren wollen, ist die Webseite der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) sehr zu empfehlen. Sie berät anschaulich zu Sicherheitsaspekten wie dem Umgang mit E-Mails oder dem Bezahlen im Internet. Joachim Schulte von DsiN zum Thema: „Jeder kann von den Chancen der digitalen Welt profitieren, sollte aber auch bestimmte Sicherheitsregeln beachten. Dazu gehört die Verwendung eines Antivirenprogramms, die regelmäßige Aktualisierung installierter Software und die Verwendung sicherer Passwörter –am besten ein separates für jede Anwendung. Des Weiteren sollte man bei der Herausgabe persönlicher Daten generell nur Anbietern vertrauen, die man kennt.“ Ein wertvolles Hilfsmittel, um ein sicheres Passwort zu erstellen und es sich zu merken, ist die DsiN-Passwortkarte.

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