Leben in Köln

Gelebte Völkerverständigung

Anne Kotzan-KölnerLeben Ausgabe 5/2016 · 16.03.2017

Foto: Monika Bongartz

Foto: Monika Bongartz

Aus Fremden werden Freunde. Das ist das Ziel, dem sich die zahlreichen Partnerschaftsvereine verschrieben haben.

Das schöne Kölner Herbstwetter lädt zum Bummeln ein. Und wenn man dann vom Klingelpütz zum Gereonswall spaziert, steht man bald an der Ecke Kyotostraße und Kyotoplatz. Ungewöhnliche Namen für die traditionsgeprägte Innenstadt. Die Erklärung findet sich schnell. Bereits 1963 wurde zwischen Köln und Kyoto eine Städtepartnerschaft gegründet und 2003 erhielt der kleine Platz zum 40-jährigen Jubiläum einen Namen. Heute ist die Domstadt mit 22 Städten weltweit partnerschaftlich verbunden, die neueste Partnerschaft mit Rio de Janeiro stammt aus dem Jahr 2011, wohl im Hinblick auf verschiedene Großsportereignisse vorangetrieben.

Aber diese formalen Partnerschaften, die die Stadt mit den jeweiligen offiziellen Vertretern eingeht, müssen mit Leben gefüllt werden. Und dies übernehmen die 24 Partnerschaftsvereine in Köln.

„Die zahlreichen Städtepartnerschaftsvereine sind ja unsere wichtigsten Unterstützer in Sachen lebendiger Kontakte“, so Gabriele Kaiser vom Büro für Internationales der Stadt Köln, dort zuständig für sechs der Partnerschaften. „Ehrenamtliche organisieren ganzjährig tolle Veranstaltungen, wie Kunstausstellungen, Konzerte oder Fußballturniere. Einige Vereine planen auch regelmäßig Reisen in ihre Partnerstadt, die allen Kölnern offenstehen. Für die Vereinsarbeit zahlt die Stadt Köln jährlich einen kleinen Zuschuss oder fördert besondere Projekte.“

Wo hier klare Organisationsstrukturen die Zusammenarbeit fördern, sieht es auf der Partnerseite oft anders aus, weiß Matthias Welpmann, Vorsitzender des Vereines Köln-Cork: „Dort ist es oft schwierig, ein Pendant zu finden, denn der Verein ist ein typisch deutsches Gebilde.“

Dieses Jahr feiert die Partnerschaft Kattowitz-Köln ihr 25-jähriges Jubiläum. „Wir leben in einer Zeit, wo globale Probleme zu lokalen Problemen werden. Die Städte auf der ganzen Welt müssen sich dem stellen und der beste Weg dabei ist, voneinander zu lernen. Das geht am besten durch persönliche, lebendige, freundliche und offene Kontakte, die unsere beiden Städte von Anfang an verbinden“, begrü̈ndet Katarzyna Wlodarczyk, Mitarbeiterin bei der Stadt Kattowitz, das Interesse an der Partnerschaft. Zum Jubiläum stattete eine Kölner Delgation unter der Leitung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker der Partnerstadt einen offiziellen Besuch ab.

Initiator der Verbindung mit der polnischen Stadt war der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Norbert Burger. „Meinem Mann waren Städtepartnerschaften sehr wichtig. Für ihn war das gelebte Außenpolitik. In seiner Nachfolge engagiere ich mich weiterhin, bin Mitglied in verschiedenen Partnerschaftsvereinen und war 2014 Gründungsmitglied von Cologne Alliance, einem Dachverband, der sich die Förderung der Städtepartnerschaften zur Aufgabe gemacht hat“, so Vorstandsmitglied Claudia Maria Burger. Cologne Alliance hat es sich zum Ziel gesetzt, den Partnerschaftsvereinen ein zeitgemäßes Image zu geben, denn neben Völkerverständigung spielen auch Bildung und Wirtschaft eine Rolle. Die Vereine übernehmen dabei die Funktion des Türöffners.

Foto: Revital Genislav

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Tags: Städtepartnerschaft

Kategorien: Leben in Köln