Leben in Köln

Durch die Jahrhunderte unterwegs

dt · 30.05.2019

Vor St. Peter, heute Kunststation, zeigt Hiertz, was die – leider beim Besuch geschlossene – Kirche zu bieten hat: Das „Martyrium des Petrus“ von Peter Paul Rubens. Fotos: Martina Dammrat

Vor St. Peter, heute Kunststation, zeigt Hiertz, was die – leider beim Besuch geschlossene – Kirche zu bieten hat: Das „Martyrium des Petrus“ von Peter Paul Rubens. Fotos: Martina Dammrat

Vom Mittelalter bis in die Nachkriegszeit reichten die Anekdoten und Informationen, mit denen Paula Hiertz „ihr Veedel“ rund um den Griechenmarkt vorstellte. Eine Aktion von „MehrErleben mit KölnerLeben“.

Den ganzen Vormittag tröpfelte es, manchmal regnete es in Strömen. Kein Wetter, um vor die Haustür zu gehen. Aber Paula Hiertz hatte angekündigt, dass sie bei jedem Wetter geht. Also rein in die Jacke und los.

Eine große Schar hat sich am Treffpunkt eingefunden. Teils mit Kapuze, teils mit Schirm will man dem Wetter trotzen. Ein erster Trost: Paula Hiertz verteilt ihr Buch „Die Kölner Mundart im Wandel der Zeit“ gegen die mitgebrachten Geschenkgutscheine, die ihr freudig entgegengestreckt werden.

Denn Paula Hiertz ist nicht nur als Stadtführerin unterwegs. Sie ist auch Autorin kölscher Bücher und ebensolcher über ihre Muttersprache, Komponistin kölscher Lieder, Rundfunksprecherin, Theaterregisseurin – ein Multitalent eben. Ein Steckenpferd aber sind ihre Kenntnisse der Kölner Stadtgeschichte. Und die gab sie nun auf der Führung preis. Und während der Regen entschwand und die Gruppe durch die Straßen des Veedels zog, kam mehr und mehr die Sonne hervor.

Hiertz erzählt über das Leben im Veedel rund um den Griechenmarkt. Es geht vom Mittelalter übers Barock ins 19. Jahrhundert hinein, zu Franzosen und Preußen. Aber wenn sie ankündigt: „Jetz jonn ich widder in de hüggiche Zick“, dann wird es spannend. Es sind vor allem die ganz persönlichen Geschichten und Erinnerungen aus Paulas Kindheit, die fesseln. Ob ihre Kommunion, die Schulzeit, die Erlebnisse im Bunker etwa beim großen Peter-und-Paul-Angriff, die Abenteuer auf den Schutthalden oder das nachbarschaftliche Leben im Viertel – von Paula Hiertz aus ihrer Erinnerung erzählt, kann ein Veedel kaum lebendiger vor Augen stehen. Es war ein wunderbarer, von außen wie innen wärmender Nachmittag. Der lange und laute Applaus war dafür noch der kleinste Dank.

Was der Rundgang nicht mehr zeigen konnte, trug Paula Hiertz (vorne links) in einer dicken Rolle mit sich: große Fotos und Grafiken, die sie unermüdlich zeigte und erklärte:

Wo endet die Fleischmengergasse, wo beginnt der Kleine Griechenmarkt? Paula Hiertz weiß, dass sie früher durch eine Mauer getrennt waren – und es hätten Welten zwischen Hier und Dort gelegen, auch sozialgesellschaftlich. Heute geht man einfach weiter …

Das Griechenmarktviertel wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört. Stehen geblieben ist Haus Bachem an der Ecke Bachemstraße/Großer Griechenmarkt. Es wurde 1590 erbaut. Seit 1838 beherbergte es zahlreiche Schankwirtschaften mit Hausbrauerei. Hiertz zeigt eine davon im Bild. Heute ist es Sitz des Literaturhaus Köln e. V.

Am Schluss las Hiertz eine herrliche Anekdote aus ihrem Buch „Der Don Camillo vun Zi Pitter“ vor, das sie dem Pfarrer ihrer Kinder- und Jugendzeit gewidmet hat. Denn St. Peter war „ihre“ Kirche mitten im Veedel.

Wer gerne auch einmal mit Paule Hiertz durch das Griechenmarktviertel gehen möchte, hat dazu einige Gelegenheit. Als Stadtführerin ist sie von April bis Oktober immer wieder mit Gruppen unterwegs, neben dem Griechenmarktviertel auch „der Wall erav vun der Ülepooz bes nohm Bayeturm“. Ihr umfangreiches Wissen gibt sie unterhaltsam und gerne in einem gut verständlichen Kölsch weiter. www.paula-hiertz.de

Tags: Geschichte , Stadtteile

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