Leben in Köln

Alter schützt vor Toren nicht

dk · 17.10.2018

Den Blick fest aufs Tor gerichtet: Stürmer Carlo Licata zieht ab. Foto: Thilo Schmülgen

Den Blick fest aufs Tor gerichtet: Stürmer Carlo Licata zieht ab. Foto: Thilo Schmülgen

Ihre Fußball-Leidenschaft ist ungebrochen: Auch als Alte- Herren-Mannschaft wird regelmäßig trainiert und gespielt, und man ist stolz auf die hervorgebrachten Fußballstars. KölnerLeben hat die Mannschaft der Spielvereinigung Porz beim Training und zu einem Turnier begleitet.

Auf der linken Seite des Spielfelds setzt Dieter Wesseling zu einem Slalomlauf an. Drei seiner Gegner in rot-blauen Trikots schauen zu, wie der 62-Jährige den Ball an ihnen vorbeidribbelt. Stoppen kann ihn nur noch der Torwart. Doch Wesseling bleibt ruhig, versenkt den Ball in der linken Ecke. Eins zu null für die Alte-Herren-Mannschaft der Spielvereinigung Porz. „Der Dieter ist echt ein Phänomen. Wenn man den sieht, meint man, der hätte vor 15 Jahren die Zeit angehalten“, sagt Mannschaftskamerad Lothar Lutzner am Spielfeldrand. Es ist das dritte Vorrundenspiel des Porzer Ü60-Teams (Ü steht für Über, die 60 für das Alter der Spieler) in den rot-weißen Trikots. Mit einem Sieg kommen sie ins Halbfinale des Turniers, das heute in Lindlar im Bergischen Land stattfindet. Nach Wesselings Treffer stehen die Chancen ausgezeichnet.

Der Ball rollt, der Ehrgeiz bleibt

An diesem Samstagnachmittag knallt die Sonne auf den Kunstrasenplatz. Die Porzer treten heute zu zwölft an, gespielt wird mit sechs Feldspielern und einem Torwart. Angereist sind Mannschaften aus dem Bergischen Land, aus Siegburg, auch aus Bonn und aus Rheinberg bei Dinslaken. Wer im fortgeschrittenen Alter noch Fußball spielen will, muss mitunter weite Strecken fahren. „Das klingt etwas lustig, aber auch die Alten Herren haben Nachwuchsprobleme“, erklärt Fritz Reiners. Der 63-Jährige ist Organisator, Trainer und Manager des Teams.

Trainer hört er allerdings nicht so gern, er nennt sich selbst scherzhaft „Mädchen für alles“. Wenn er über seine Mannschaft spricht, funkeln seine Augen. „Ich muss mir immer gut merken, wer wie viel gespielt hat. Die halten das ganz genau nach.“ Dann überlegt er kurz und sagt: „Vielleicht bin ich der, auf den die Jungs ein bisschen hören.“ Womöglich helfe sein früherer Job als Kundendienstleiter, da habe er auch mit unterschiedlichsten Menschen zu tun gehabt. Die Spieler sind sich einig: Ohne Fritz läuft nichts. Er ist auch eine moralische Instanz.

„Ohne Regeln geht es nun mal nicht“, sagt Teammitglied Lutzner. Einer müsse darauf achten, dass schwächere Spieler nicht niedergemacht werden und dass nicht zu viel gemeckert wird. Denn wenn der Ball einmal rollt, dann ist bei den Spielern der sportliche Ehrgeiz geweckt. Und dann wird es schon mal etwas ruppiger: Als Carlo Licata, der kleine Stürmer aus Sizilien, im ersten Spiel eine klare Chance liegen lässt, darf er sich von seinen Mitspielern einiges anhören. „Komm, wigger Männer, Fußball spielen“, ruft Fritz Reiners dazwischen. Und mit schelmischem Lächeln meint er: „Alter führt nicht unbedingt zu Einsicht.“

Porzer Idole

Torschütze Wesseling gehört mit 62 Jahren zu den Jüngsten im Team, der Älteste ist Hilmar Kuhn. Der wartet gerade auf seinen Einsatz und erzählt, er werde im September 74. „Am elften, wie der Franz Beckenbauer“, sagt Kuhn. Den habe er 1994 kennengelernt, als der ehemalige Profi Wolfgang Weber zum 50. Geburtstag seinen Abschied vom Rasen feierte, mit einem Spiel der Porzer gegen eine Oldie-Auswahlmannschaft. „Da waren alle dabei, Beckenbauer, Seeler, Overath, Allofs“, erinnert sich Kuhn. Wie das kam? „Der Wolfgang hat wie Bernd Cullmann in Porz angefangen, bevor er zum FC ging und Nationalspieler wurde.“ Seinem Heimatverein Porz sei er immer verbunden geblieben, er komme oft zu den Spielen, sagt Kuhn und läuft auf den Platz. „Das motiviert sehr, wenn man weiß, wer hier mal alles gespielt hat“, sagt der 68-jährige Lutzner und wird etwas melancholisch. Denn ob er selbst nochmal Fußball spielen kann, weiß er nicht, er bekommt bald eine neue Hüfte.

Auf dem Platz schießt einer der Porzer Gegner aus der Halbdistanz. Jetzt ist Torwart Gerd „Bär“ Heinze gefragt. Der Mann mit dem weißen Bart fliegt durch die Luft – Glanzparade. Gegenangriff, die Porzer sind wieder am Drücker. Nummer 14 hält ansatzlos aufs Tor, doch der Keeper wehrt ab. „Mach ihn doch rein, Helmut!“, ruft sein Mitspieler, den sie hier nur „Peng“ nennen. Der wieselflinke Wesseling hat jetzt wieder den Ball, gibt ab auf Carlo, der aus kurzer Distanz verwandelt. Doch auf einmal wirkt die Porzer Abwehr unsicher, ein Gegner feuert den Ball an die Latte. Kurz vor Ende der 15- minütigen Spielzeit geraten beide Teams ins Japsen, den Gegnern gelingt der Anschlusstreffer. Doch dann der Abpfiff, die Porzer sind im Halbfinale.

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