Gesund leben

Dat Wasser vun Kölle ...

David Korsten · 11.07.2019

Mineralien – Fluch oder Segen?

Eine Untersuchung der Stiftung Warentest von 2016 belegt die hohe Qualität des Trinkwassers in Deutschland. Es sei nicht nur viel günstiger und praktischer, weil keine Kisten geschleppt werden müssen. Es sei auch gesünder als so manches Mineralwasser– denn nur etwa jedes fünfte der getesteten Mineralwässer hat tatsächlich einen hohen Mineralstoffgehalt. Der hohe Kalziumgehalt im Trinkwasser hat jedoch einen Nachteil, den vor allem die linksrheinisch Wohnenden im Alltag erleben: Haushaltsgeräte wie Wasserkocher verkalken schnell.

Manche nutzen deshalb Wasserfilter. Davon rät Ina Bockholt, Redakteurin bei der Stiftung Warentest, allerdings ab: „In Wasserfiltern können sich Keime gut vermehren. Auch Filtersysteme wie Ionentauscher oder solche, die etwa mit dem Umkehrosmoseverfahren arbeiten, seien nicht empfehlenswert, so die Verbraucherzentrale. Die Systeme brächten zusätzliche Keime ins Wasser ein, entzögen ihm Mineralstoffe oder benötigten viel Energie oder Wasser. Außerdem erhöhten Filter in der Regel die Kosten: Während ein Liter Trinkwasser etwa 0,5 Cent kostet, könne der Preis mit dem Einsatz von Filtern auf bis zu 16 Cent pro Liter steigen.

Wasserwerke-Koeln-AktivkohlefilterBlickt man in den Wassertank hinein, sieht man am Grund die Aktivkohleschicht. Sie filtert Schadstoffe aus dem Wasser heraus. Foto: David Korsten

Wasser in Bewegung halten

Die hohe Trinkwasserqualität bestätigt auch Karin Gerhardy, Referentin für Wasserwirtschaft beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in Bonn: „Grenzwertüberschreitungen sind absolute Einzelfälle. Bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsanforderungen halten über 99,9 Prozent der überwachten Proben die strengen rechtlichen Vorgaben ein.“ Das gilt auch für Köln.

Aber auch die letzten Meter bis zum Wasserhahn sind wichtig. So sind etwa Kalkablagerungen ein Nährboden für Bakterien, die etwa zu Magen-Darm-Problemen führen können, sowie für Legionellen. Werden sie über den Wasserdampf beim Duschen eingeatmet, können sie die Legionärskrankheit verursachen. Hauseigentümer müssen die Trinkwasserinstallation daher regelmäßig untersuchen lassen.

Wasserwerke-Koeln_Versickerungsanlage
In der Versickerungsanlage in Esch werden Grund-und Rheinwasser für eine natürliche Reinigung versprüht. Foto: RheinEnergie AG

Mit einfachen Mitteln kann jeder selbst vorbeugen. Das Wasser sollte regelmäßig in Bewegung sein. Wenn es länger als 72 Stunden in den Leitungen steht, sollte man den Hahn einmal für einige Minuten aufdrehen. Häufig diskutiert wird über den Nitratgehalt im Wasser. Angaben des Bundesumweltamtes zufolge sind 18 Prozent des Grundwassers in Deutschland zu stark mit Nitrat belastet, in den betroffenen Regionen werden mehr als die erlaubten 50 Milligramm pro Liter gemessen. Nitrate sind wasserlösliche Salze der Salpetersäure. Sie können vorallem für Säuglinge gefährlich sein und die sogenannte Säuglingszyanose („Blausucht“) verursachen, eine mitunter lebensbedrohliche Erkrankung.

Nitrat gelangt vor allem über stickstoffhaltige Düngemittelaus der Landwirtschaft ins Grundwasser, ebenso durch Gülle aus Mastställen oder Biogasanlagen. „In Köln ist Nitrat im Grundwasser kein Problem“, sagt Carsten Schmidt. „Unsere Werteliegen mit etwa 20 Milligramm pro Liter deutlich unter dem erlaubten Höchstwert.“ Das liege vor allem an der guten, langjährigen Zusammenarbeit von Wasserexperten und Landwirten. Der Arbeitskreis Ackerbau und Wasser, auch bekannt als Arbeitskreis „Drüber und Drunter“, wurde 1985 gegründet. Die Mitglieder tauschen sich regelmäßig aus und stimmen sich beispielsweise darüber ab, wie viel Düngemittel zum Einsatz kommt.

 

Medikamente richtig entsorgen

Auch Arzneimittelrückstände wie Hormone und Antibiotika im Trinkwasser sind immer wieder ein öffentliches Thema. „Unsere Proben hierbei liegen regelmäßig unterhalb der Nachweisgrenze“, hebt Schmidt hervor. Dennoch: Medikamentenreste lassen sich einer Studie des Bundesumweltamtes zufolge in nahezu allen deutschen Gewässern nachweisen. Die Stoffe gelangen ins Abwasser, wenn die Menschen sie auf der Toilette ausscheiden – oder sie einfach dort oder in der Spüle entsorgen.

„Eine akute Gefährdung für den Menschen besteht nach bisherigem Wissensstand zwar nicht“, sagt Martina Winker, Wasserexpertin am ISOE –dem Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main. Auf Tiere und Pflanzen hätten die Stoffe aber nachweisbare Auswirkungen. Sie verursachten beispielsweise Nierenschäden bei Fischen oder führten zur Verweiblichung männlicher Regenbogenforellen.

Weil über die technische Reinigung des Abwassers aber – selbst bei technischer Aufrüstung unserer Kläranlagen – keine ausreichende Reduktion der Wirkstoffe sichergestellt werden kann, empfiehlt die Wissenschaftlerin, schon bei der Verordnung und dem Konsum von Arzneimitteln, soweit es die Behandlung erlaubt, anzusetzen. Dazu kommt, dass die Aufrüstung teuer ist und höchstwahrscheinlich steigende Abwassergebühren bedeuten würde.

Wer Medikamente einnimmt, sollte beachten: Abgelaufene oder nicht verbrauchte Medikamente gehören auf keinen Fall in die Toilette oder den Ausguss. Sie sollten in den Restmüll geworfen, zu Schadstoffsammelstellen gebracht oder in Apotheken zurückgegeben werden. „Dass Menschen über das essenzielle Lebensmittel Wasser Bescheid wissen, ist sehr wichtig“, findet Frank Straube. Daher freue ihn das große Interesse am Thema. Bis zu 250 Mal im Jahr führe er Schüler, Studenten, Gruppen von älteren Menschen, Familien, Karnevalsvereine und auch Politiker durch die Anlagen. „Am liebsten natürlich durch ,Severin 2‘ “, sagt er.

Wasserwerke-Koeln-Fuehrung
Zusammen blicken wir durch das Bullauge auf dat Wasser vun Kölle. Eine Führung durch die Wasserwerkekann man bei Frank Straube anmelden. Foto: RheinEnergie AG

Führungen durch die Wasserwerke:

Für Führungen durch eines der Kölner Wasserwerke kann man sich an Frank Straube wenden.

Tel. 0221 / 178 46 60

 

Weiterführende Links und Downloads in der Übersicht:

Klicken Sie hier auf die Webseite zum Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW)

Klicken Sie hier auf die Webseite zum Umweltbundesamt

Informationen von der Verbraucherzentrale: Empfehlungen für die Mineralstoff-Versorgung für gesunde Erwachsene

Informationen von RheinEnergie zum Unternehmen, zur Wassergewinnung, Speicherung, Verteilung und Ressourcenschutz
Informationen von RheinEnergie zum Kölner Trinkwasser

Stiftung Warentest 2017 über Inhaltsstoffe Trinkwasser und Mineralwasser

Trinkwasseranalysen im Detail: linksrheinisch und rechtsrheinisch

 

Tags: RheinEnergie , Trinkwasser , Wasserqualität

Kategorien: Leben in Köln , Gesund leben