Ratgeber

Besuch auf Wunsch

Daniela Lukaßen-Ausgabe KölnerLeben 1/2017 · 29.03.2017

Foto: Daniela Lukaßen

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Um ältere Menschen mit wichtigen Informationen für ein langes Leben zu Hause zu versorgen, geht das Amt für Soziales und Senioren der Stadt Köln nun neue Wege.

Annemarie Martins (Name geändert) erhielt vor einiger Zeit Post vom Amt für Soziales und Senioren. Im Schreiben fiel ihr als Erstes ein freundliches Foto einer Dame auf, die als Frau Maria Osterholt vorgestellt wurde. Sie arbeite bei den Sozial-Betrieben-Köln (SBK) und würde gerne zu einem Hausbesuch bei ihr vorbeikommen. „Frau Osterholt berät Sie kostenlos zu Ihren persönlichen Anliegen, damit Sie so lange wie möglich in Ihrer Wohnung bleiben können“, las sie.

Der Absender des Schreibens, Amtsleiter Stephan Santelmann, ergänzte dazu: „Im Rahmen der angebotenen Hausbesuche für ältere Menschen ist es mir wichtig, Ihre Wünsche und Bedürfnisse kennenzulernen.“ Annemarie Martins ist einer von 24.000 Menschen ab 75 Jahren, die seit dem Startschuss im Februar 2016 solch einen Brief erhalten haben. Bisher nahmen rund 1.000 von ihnen das Angebot an. Um die Menge an Besuchen sicherzustellen, kooperiert das Amt für Soziales mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege und den SBK, deren Mitarbeiter die Hausbesuche durchführen. Sie beraten  maßgeschneidert etwa zu möglichen Hilfen, wenn das Fortbewegen in der eigenen Wohnung Schwierigkeiten bereitet, weil sie nicht barrierefrei ist. Oder dazu, wo man Unterstützung im Haushalt findet. Und wer der richtige Ansprechpartner ist, wenn es um die Beantragung einer Pflegestufe geht.

Das überzeugte Frau Martins und sie vereinbarte einen Termin unter der angegebenen Telefonnummer. Eine Woche später klingelt Maria Osterholt bei Annemarie Martins, die viele Fragen hat. Maria Osterholt hört zu, antwortet, macht sich Notizen. Die ausgebildete Pflegefachkraft geht dann mit Frau Martins Schritt für Schritt einen Leitfaden durch, anhand dessen sie mehr über die Bewohnerin erfahren möchte. Sie notiert sich, ob Frau Martins bereits eine Pflegestufe beantragt hat und ob die Wohnung seniorengerecht gestaltet ist. Denn Annemarie Martins ist immerhin 95 Jahre alt und sie ist stolz darauf, alleine in ihrer Wohnung zu leben.

Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen

Aber es gibt eben Dinge, die sie nicht mehr ohne Hilfe bewerkstelligen kann, so zum Beispiel schwerere Einkäufe. Maria Osterholt fragt weiter nach und schaut sich auch selbst in der Wohnung um. „Sie haben im Badezimmer ja eine Badewanne“, sagt sie. „Kommen Sie damit gut klar?“ Annemarie Martins schüttelt den Kopf. „Ich komme immer schlechter raus.“ Die Beraterin erklärt ihr, dass man einen Badewannenlift einbauen lassen kann und dass die Pflegekasse die Kosten hierfür zum Teil mit übernimmt. Dazu muss der Hausarzt nur ein Rezept für den Lift ausstellen, dann kann Frau Martins ihn beantragen. Die Seniorin ist überrascht: „Das wusste ich gar nicht.“ Annemarie Martins ist nicht die einzige Seniorin in Köln, die auf wichtige Hilfsmittel verzichtet, die ihr das Leben erleichtern würden und somit ein langes Leben zu Hause ermöglichen. Dazu gehören auch Gelegenheiten, Kontakte zu pflegen oder Neues zu erlernen. So erzählt Osterholt aus ihrer Beratungspraxis:

„Manche möchten wissen, welche Begegnungsstätten es in der Nähe gibt, andere wollen erfahren, welche Wohnformen für sie denkbar sind. Und eine Dame wollte unbedingt wissen, wo sie einen Computerkurs machen kann.“

Alle diese Anfragen vermittelt sie weiter: entweder an Haushaltsdienste, die dann Kontakt zu den Menschen aufnehmen, oder an die Seniorenberater. Aber sie meint auch: „Nicht jeder, der uns auf unseren Brief hin kontaktiert, hat gerade einen akuten Hilfebedarf,manche freuen sich einfach über ein Gespräch und das Interesse an ihnen.“ Aber auch das ist in Ordnung.

Bisher wurden die Hausbesuche in 14 Stadtteilen durchgeführt: Altstadt-Süd, Chorweiler, Ehrenfeld, Kalk, Mülheim, Neuehrenfeld, Neustadt-Süd, Nippes, Porz, Rath/Heumar, Riehl, Seeberg, Sülz, Zollstock. Sie sollen aber im Laufe der Zeit auf alle Stadtteile ausgeweitet werden.

Aber auch wer noch nicht angeschrieben wurde, kann einen Hausbesuch vereinbaren. Die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner erfährt man beim Bürgertelefon der Stadt Köln
Tel. 115 oder unter 02 21 / 221-0

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