Ratgeber

Augen auf und Tasche zu!

Daniela Lukaßen-AusgabeKölnerLeben 5/2016 · 29.03.2017

Foto: Fotolia © Gerhard Seybert

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Seit Anfang des Jahres sind in Köln Taschendiebstähle um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Gründe: mehr Polizeipräsenz, deren konsequentes Einschreiten und mehr Prävention. Ein Ansporn für KölnerLeben, Tipps und Hinweise zu geben, es den Langfingern so schwer wie möglich zu machen.

Der Wochenmarkt ist gut besucht an diesem Samstagvormittag. Auch Anita Berger möchte hier für ein leckeres Essen einkaufen: Ihre Tochter und die Enkelkinder haben sich zu Besuch angesagt. Dann: ein Rempler in der Menge. Als sie am Stand bezahlen will, greift sie in ihre Manteltasche: Das Portemonnaie ist weg. Und mit ihm sämtliche Dokumente wie Ausweise, die Krankenkassenkarte, EC-Karten. Besonders an Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten und an denen es hektisch zugeht, haben Langfinger oft leichtes Spiel. Sie nutzen die Ablenkung der Menschen, sind häufige Besucher auf Weihnachtsmärkten, stürzen sich ins Gewühl von Bahnhöfen, um dort leichte Beute zu machen.

Nicht ablenken lassen

„Taschendiebe arbeiten meistens professionell. Sie wählen ihre Opfer gezielt aus, lenken sie ab und stehlen“, weiß Kriminalhauptkommissarin Elena Beerhenke und erklärt: „Es gibt verschiedene Tricks, mit denen die Täter arbeiten.“ So legen sie sich einen Mantel über die Hand, damit niemand sieht, dass sie in die Tasche eines Opfers greifen, rempeln im Gedränge andere an und fassen dabei in die Tasche, um nach Wertsachen zu suchen. „Häufig arbeiten sie auch im Team“, sagt die Polizistin: „Ein Täter verschüttet zum Beispiel seinen Kaffee scheinbar unabsichtlich über die Jacke des Opfers, gibt sich hilfsbereit und wischt an der Jacke, während ein anderer in der Zwischenzeit die Tasche plündert.“ Beerhenke rät: „Wenn Sie spüren, dass Ihnen jemand zu nahe kommt, sollten Sie reagieren.“ Ein lautes:„Treten Sie ein Stück zurück“ kann häufig schon abschrecken. Sich dem Täter in den Weg stellen, versuchen, ihm die Tasche zu entreißen oder ihm folgen, sind jedoch absolute Tabus. Denn die Gesundheit geht vor: Es kann viel zu schnell passieren, dass der Täter sein Opfer bei Gegenwehr schubst und es so verletzt.

Doch längst nicht immer wird ein Taschendiebstahl direkt bemerkt. In den meisten Fällen fällt es den Betroffenen gar nicht auf, dass es ein Dieb auf ihre Wertsachen abgesehen hat. Offene Handtaschen, die im Supermarkt am Einkaufswagen hängen, Rucksäcke und Schulterbeutel, die eher hinten getragen werden, werden zur leichten Beute. Am sichersten sind da Bauchtaschen oder Brustbeutel. Beerhenke betont: „Geld und Karten sollten außerdem immer getrennt voneinander getragen werden.“ Falls dann etwas gestohlen wird, ist nicht gleich alles weg.
Darüber hinaus gilt: Wer das Haus verlässt, sollte wirklich nur das mitnehmen, was er wirklich braucht.

Für den Ernstfall vorsorgen

Was aber tun, wenn Menschen doch Opfer von Taschendieben geworden sind? „Sobald man merkt, dass etwas aus der Tasche fehlt, muss man handeln“, erklärt Beerhenke. „Lassen Sie zunächst alle EC-Karten sperren und wenn ein Handy gestohlen wurde, auch dieses.“ Unter der einheitlichen Rufnummer 116 116 können gebührenfrei EC- und Kreditkarten, aber auch Handykarten gesperrt werden. Die Polizei rät: „Jeder sollte sich seine Kartennummern aufschreiben und sicher zu Hause aufbewahren.“ Und auch die sogenannte IMEI-Nummer ihres Handys sollten Mobilfunknutzer kennen. Sie lässt sich unter der Tastenkombination *#06# abfragen. Mit dieser Seriennummer können gestohlene Geräte identifiziert werden.
Wichtig ist immer, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Zwar schreibt die Polizei die Gegenstände zur Fahndung aus, die Wahrscheinlichkeit, diese zurückzuerhalten, ist eher gering. Aber wenn dann ein Handy bei einer Personenkontrolle gefunden wird, erhält der Besitzer es zurück. Und: Die Täter können dingfest gemacht werden. Anita Berger schwört sich auf jeden Fall, die klugen Tipps zu beherzigen und es Dieben schwer zu machen.

Sperrung gestohlener EC-, Kredit- und Mobilfunkkarten:
Notfalltelefon 116 116

Abfrage der Identifikationsnummer des eigenen Handys: Tastenkombination *#06#

Die Kölner Polizei gibt Tipps zum Schutz vor Taschendieben; Beratungstelefon des Kriminalkommissariats Kriminalprävention/Opferschutz: Tel. 02 21 229-22 99.
Auf der Internetseite der Polizei NRW werden die Tricks der Taschendiebe erläutert. Mit praktischen Hinweisen wird gezeigt, wie man sich wirksam gegen die fremden Finger in der eigenen Tasche schützt.

Tags: Polizei , Sicherheit

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