Gesund leben

Impfen – kein Kinderkram

David Korsten, KölnerLeben Ausgabe 2/2017 · 04.04.2017

Der Impfpass verschafft einen Überblick über den Impfstatus. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

Der Impfpass verschafft einen Überblick über den Impfstatus. Foto: Lydia Schneider-Benjamin

„Schluckimpfung ist süß ...“ hieß es in den 60er-Jahren in einer Kampagne gegen Kinderlähmung. Wer damals als Kind geimpft wurde, hat heute nichts zu befürchten. Das glauben viele – es stimmt nur nicht.

Fakt ist, dass Kinderlähmung (Polio) keinesfalls ausgerottet ist. Nicht in Deutschland, nicht in Europa, noch weniger in Asien, Afrika und anderen Kontinenten, die heutzutage Ziele traumhafter Reisen sind. Zwar wurde in Deutschland bei vielen Menschen der grundlegende Impfschutz im Kindesalter gelegt. Doch die Sicherheit trügt.Die sogenannte Grundimmunisierung gegen mehrere klassische Infektionskrankheiten hält nur gegen Masern und Röteln ein Leben lang. Bei Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie (Atemwegsinfektion), Polio oder Keuchhusten dagegen lässt die Wirkung nach einigen Jahren nach. Auch wenn man eine dieser Krankheiten schon gehabt hat, gibt es keinen Schutz vor Wiedererkrankung. Das heißt: Spätestens ab dem 40. Lebensjahr ist kein Impfschutz mehr vorhanden.

Spezieller Schutz für daheim und Urlaub

Außerdem gibt es heute sinnvolle Impfungen, die es früher nicht gab: zum Beispiel gegen Pneumokokken-Bakterien, die Hirnhautentzündung verursachen können. Oder gegen Influenza, die echte Grippe, die besonders für Menschen mit schwachem Immunsystem lebensbedrohlich werden kann. Außerdem kann man sich gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) impfen lassen. Das ist ratsam, wenn man als Kind die Windpocken hatte.

Wir sind reisefreudiger geworden. So sollte sich jeder vorher über besondere Infektionsrisiken im Urlaubsland informieren. Dabei ist es egal, ob es zum Wandern nach Österreich, zum Baden ans Mittelmeer oder auf Safari in Afrika geht. Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), durch Zecken übertragen, Hepatitis A und B, Typhus, Cholera oder Gelbfieber, um nur einige zu nennen – in jedem Reiseland gibt es andere Gefährdungen. Ihnen kann man wirkungsvoll mit Impfungen begegnen. Und man schützt damit nicht nur sich selbst. Manches unliebsame „Souvenir“ bringt auch die Daheimgebliebenen in Gefahr.

Woher weiß man, ob man geschützt ist?

Durch eine Impfung lernt der Körper auf ungefährliche Weise einen bestimmten Krankheitserreger, das können Bakterien oder Viren sein, kennen. Und er entwickelt eine wirksame Abwehrkraft gegen ihn, an die der Körper sich erinnert. Aber mit den Jahren lässt die Abwehrkraft nach. Die Gefahr, sich anzustecken, steigt. Und bei älteren Menschen ist der Verlauf einer Krankheit dann oft viel schwerer.

Alle Impfungen werden schon seitden 60er-Jahren in einem Impfpass dokumentiert. So kann man sich einen Überblick über den eigenen Impfstatus verschaffen. Dazu sollte man ihn zum nächsten Hausarztbesuch mitnehmen und dort klären, ob noch aus-reichender Impfschutz besteht.

Aber auch wenn er nicht mehr auffindbar ist, sollte man das Thema beim Hausarzt ansprechen. Denn Impfung ist heute nicht mehr „süß“, aber sicher.

Information

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institutempfiehlt für Menschen ab dem 60. Lebensjahr:
Tetanus, Diphterie, Keuchhusten: alle 10 Jahre.

Polio: bei fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung jederzeit, wichtig vor allem bei Reisen in Länder der Dritten Welt

Pneumokokken: einmalige Standardimpfung

Influenza: jährliche Standardimpfung (Angaben für Erwachsene mitvollständiger Grundimmunisierung

Alle von der STIKO empfohlenen Impfungen bezahlen die Krankenkassen. Oft erstatten sie auch die für Fernreisen empfohlenen Impfungen. Dazu sollte man sich möglichst schon sechs Monate vor Reisebeginn mit seinem Hausarzt besprechen.

Empfehlenswerte Internetseiten:
Robert-Koch-Institut
Centrum für Reisemedizin
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Tags: Gesundheit

Kategorien: Gesund leben